Online-Journalismus:
“So much work for so little reward”
Viel Arbeit für einen Text – und die Leser klicken lieber auf die Fotostrecke mit hübschen Athleten: Ausgerechnet Nick Denton, Vorreiter des Klick-Journalismus, jammert darüber.
Seine Angestellten bezahlt er nach Klicks – wer reißerische, massenkompatible Texte im Stundentakt rausrockt, verdient ganz ordentlich bei den Online-Magazinen von Nick Dentons Firma Gawker Media. Für seine Blogs, darunter das freche, laute und erfolgreiche Medienblog Gawker, arbeiten junge Berufseinsteiger bis zum umfallen: Immer schneller, mehr Klicks, mehr Skandale. Journalismus im Internetzeitalter sei “solitary, poor, nasty, brutish, and short”, tönt er kraftmeiernd.
Während sich die deutschsprachige Blogosphäre noch versucht, aus der Bedeutungslosigkeit herauszubankhofern, hat Denton tatsächlich Bedeutung. Wer sich als Autor für eines seiner Blogs aufgerieben hat, verlässt Gawker Media nicht selten mit einer Anstellung bei den vielgeschmähten “MSM”, den Mainstream-Medien, einem Buchdeal oder einer Covergeschichte im New York Times Magazin.
Die Bedeutung reicht aber noch viel weiter: Gawker Media zeigt die dunkle, klickfixierte Seite des Online-Journalismus. Die Aufbereitung einer Tabelle zur 170-Klick-Geschichte ist nichts dagegen:

Diesen Chat mit Denton hat die ehemalige Gawker-Autorin Maggie Shnayerson in ihrem Blog veröffentlich. Nick Denton als Gefangener seines eigenen Systems – was für eine Ironie.
Vielleicht sollte Denton nicht nur Thomas Hobbes zitieren, sondern sich auch bei Robert Oppenheimer bedienen:
Oder wäre das jetzt zuviel Pathos für Denton?


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Peter Hogenkamp
Olympic Hotties Gallery, super Idee!