6 vor 9

Ronnie Grob, 7. Juli 2008 08:54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Hans Dichand und seine ‘Krone’
(profil.at, Marianne Enigl und Christa Zöchling)
“Hans Dichand, Herausgeber der ‘Kronen Zeitung’, scheint der mächtigste Mann der Republik zu sein, jedenfalls glauben das die meisten Politiker. Dem designierten SPÖ-Chef Werner Faymann kann das nur recht sein.”

China hält die Hand davor
(vanity-care.de, Timo)
“Willkommen im Reich der Mitte der Medienzensur. Dass Journalisten einen schweren Stand haben in der Volksrepublik, war bekannt. Dass nicht alles gezeigt werden darf, was ein Team filmen möchte auch. Das ZDF lieferte nun ein Dokument [Video, 6:26 Minuten], wie es aussieht, wenn die Obrigkeit einschreitet. Und das live im Frühstücksfernsehen.” (Dazu: Von chinesischer Stasi festgehalten, tz-online.de)

“In Erinnerung bleiben - traurigerweise - die schlimmsten Ereignisse”
(persoenlich.com, David Vonplon)
Caspar Selg, langjähriger Chefredaktor der Sendung “Echo der Zeit“, gibt die Redaktionsleitung ab: “Die Geschwindigkeit hat sich im ganzen Geschäft enorm erhöht. Ein Korrespondent hat bei einem Ereignis früher zwei, vielleicht auch drei Beiträge geschrieben. Heute sind es fünf, sieben, neun. Erfuhr ein Korrespondent früher über ein Ereignis, reichte es, wenn er in der nächsten Primetime einen Beitrag brachte. Heute muss man sofort zu schreiben beginnen, kaum hat man vom Ereignis gehört.”

Fox News airs altered photos of NY Times reporters
(mediamatters.org)
Fox News verändert in einem Bericht über Journalisten der New York Times die Portraitbilder. Das heisst: macht aus kleinen Nasen grosse Nasen, aus weissen Zähnen gelbe Zähne, verändert den Haaransatz und baut Augenringe ein.

Mit dem ZDF auf Expedition in “Feuchtgebiete”
(welt.de, Antje Hildebrandt)
“In der Reihe ‘Sommernachtsfantasien’ versorgt das Zweite seine Zuschauer ab morgen mit ‘erotischen’ Betthupferln. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr die Lust der Frau. Mindestens ein Film schrammt jedoch haarscharf an der Grenze zur Pornografie vorbei. Gehören explizite Sexszenen jetzt auch schon zur Grundversorgung?”

Elvis und das Gegenteil
(informationarchitects.ch, Oliver Reichenstein)
“Fred, ein 14-jähriger Video-Blogger hat?s irgendwie geschafft, eine Fangemeinde von 45 Millionen Usern um sich zu scharen. Statt das Phänomen Fred zu analysieren und zu verstehen, versuchen die Vermarktungs- und Internet-Onkel den surrealen Triumph des Teenagers klein zu reden.”

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

» Mehr lesen: China (13), Hans Dichand (5), Kronen-Zeitung (12), Oliver Reichenstein (2), Zensur (12)

» Weitere Artikel der Kategorie "6 vor 9" lesen

» Nächster Artikel: Vermutung: Daily Maily gibt es gar nicht
» Älterer Artikel: Wochenrückblick Nr. 27

» Drucken
» Merken/E-Mail

1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. arbiter

    schrieb am 7. Juli 2008 um 12:14 Uhr (#)

    China hat gerade in Tibet erlebt, wie `unkontrollierte´ Berichterstattung aussieht, und speziell deutsche Medien haben ihr Schärflein dazu beigetragen. Der gleiche Reflex, der uns hierzulande bei jeder nach Kommunismus duftenden Blähung befällt und uns nicht nur mit der Schere im Kopf einschreiten läßt, funktioniert eben auch umgekehrt. Wer, wie deutsche Medien, mit vorsätzlichem Mißtrauen nach China fährt und nichts besseres zu tun hat, als nach Bestätigung dafür zu suchen, wird selbst dort fündig, wo nichts ist. Möchte uns das ZDF nun glauben machen, der “Vorfall” sei zentral gesteuerte Medienpolitik? Sieht eher danach aus, als hätten örtlich ein paar Menschen mit dem von Medien wie auch ZDF erzeugten Mißtrauen mal kurz gespielt und ein Fernsehteam keine Ahnung vom rechten Umgang mit solchen Dingen. Mißtrauen trifft auf Mißtrauen und findet das berichtenswert. Der Zweck heiligt auch solche Mittel.

    Da lobe ich mir Elvis` Gegenteil! Heutzutage haben schon Vierzehnjährige das Vier-Buchstaben-Prinzip drauf und nutzen es. Sie konkretisieren ihre Ängste samt aller psychischen Defekte und führen sie auf die Formel des Allgemeingültigen zurück. Der User/Consumer findet darin Teile eigener Affekte wieder, zwar immer ausschließlich Teilaspekt, akzeptiert darin aber den anderen als `Leidensgenossen`, was identitätsstiftend wirkt, Nähe und Verbrüderung erzeugt. Das funktioniert jedoch immer nur für Momente und mmuß mit jedem Statement neu bedient werden. Warum also sollte Fred-14 nicht per Video gelingen, was FJW-Methusalem mit öffentlicher Briefzustellung schafft? Herdentiere mögen das!


Einen Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

 
slug blogoscoop