Montgomery spart:
Netzeitung in Lebensgefahr

Ole Reißmann, 5. Juli 2008 23:34 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Bei der Netzeitung wird offenbar massiv gekürzt: Nach einem Medienbericht plant die Zeitungsholding von David Montgomery, mindestens die Hälfte der Mitarbeiter zu entlassen.

David Montgomery (Montage, Bild Keystone)“Wendig, unabhängig, flexibel, kreativ - so ist die Netzeitung“, schreibt die Netzeitung in einem Artikel in eigener Sache. Begeisterte Redakteure loben euphorisch das eigene Medium. Tenor: Wenn es die Netzeitung nicht gebe, man müsste sie schleunigst erfinden. Auch Leser kommen zu Wort – und werden aufgefordert, Mails und Kommentare zu hinterlassen.

Es liest sich, als hätte die Redaktion in trauriger Gewissheit ihren eigenen Nachruf geschrieben und das virtuelle Kondolenzbuch aufgeschlagen.

Denn die Zukunft der Netzeitung scheint mehr als fraglich. Nach einem Bericht auf stern.de fürchtet die Redaktion, den aktuellen Sparkurs des Verlages nicht zu überleben. Seit Juni 2007 gehört die Internet-Zeitung zur BV Deutsche Zeitungsholding von David Montgomery. Im Verlag, zu dem auch Berliner Zeitung, Berliner Kurier und Hamburger Morgenpost gehören, sollen 150 Stellen gestrichen werden.

Am Sonnabend vermeldete dann die Welt, dass auf die acht festen und acht freien Mitarbeitern der Netzeitung Kündigungungen zukommen. Es sei nur noch die Frage, ob die Hälfte der Redaktion gehen müsse – oder die komplette Truppe. Die Entscheidung dazu werde am kommenden Donnerstag gefällt, hieß es aus dem Umfeld der Nachrichtenseite.

Ursprünglich sollte es eine “Online-Offensive” geben, im Zuge derer die Netzeitung zu den Kollegen der Berliner Zeitung in einen gemeinsamen Newsroom ziehen sollte. Doch Online hat derzeit keine Priorität mehr.

Der Betriebsratsvorsitzende wird auf stern.de mit der Befürchtung zitiert, womöglich würden am Ende nur noch dpa-Meldungen vollautomatisch auf die Seite fließen, lediglich überwacht von zwei Studenten. Acht Jahre nach der Gründung, so das Horror-Szenario, könnte aus dem redaktionellen Angebot eine bloße Content-Maschine werden.

Die Redaktion der Berliner Zeitung protestierte am Mittwoch mit einer Anzeige in der taz gegen die Sparmaßnahmen und Renditeerwartungen von Montgomery: Sie suchten einen neuen Verleger. Am selben Tag verlor die Redaktion eine Klage gegen ihren Chefredakteur Josef Depenbrock, der zugleich Geschäftsführer der Zeitung ist – und als Montgomerys Statthalter den Sparkurs umsetzt.

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8 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Pedro

    schrieb am 6. Juli 2008 um 11:39 Uhr (#)

    Und wann seit ihr hier dran?

  2. arbiter

    schrieb am 6. Juli 2008 um 16:28 Uhr (#)

    @PEDRO: Auch wenn ich hier nichts zu sagen habe, aber die Höflichkeit gebietet einfach, Dir den Vortritt zu lassen und dann unverdrossen weiterzumachen. Fair ist es auch. Außerdem, Dein Traktor wartet!

  3. Pedro

    schrieb am 6. Juli 2008 um 19:54 Uhr (#)

    @Arbiter
    Dein Name ist wohl kein Synonym von Arbeiter. Stimmt eigentlich, ist einfacher Hartz IV zu zupfen, als go “chrampfe”. Was das heisst, übersetze ich Dir lieber nicht, weil in Deinen Kreisen das wohl das Unwort des Jahres ist.

  4. arbiter

    schrieb am 6. Juli 2008 um 22:02 Uhr (#)

    @ PEDRO: Na gut, jetzt wird also Mode, daß beleidigte Leberwürste Senf spenden. Mit diesem Kreißen zerstört niemand keine Kreise nicht. Über Polemik bitte bei Karl Kraus nachlesen oder übersetzen lassen! Versuchs doch mal mit Sachlichkeit. Apropos Unwort des Jahres: Ich habe mich hier ganz sachlich für PEDRO entschieden.

  5. Pedro

    schrieb am 7. Juli 2008 um 00:18 Uhr (#)

    Och Du beleidigte Hanswurst, Du Armer.
    Kann halt nicht jeder “Schwyzertüütsch”. Musst halt an Deiner Persönlichkeit noch schaffe.

  6. arbiter

    schrieb am 7. Juli 2008 um 00:29 Uhr (#)

    @PEDRO: Danke, danke! Das wäre wirklich nicht nötig gewesen, die prompte Bestätigung für das Unwort des Jahres. Schön, daß es bei PEDRO bleibt! Wirklich, Karl Kraus ist empgehlenswert.
    Anstand auch.

  7. Jean Stubenzweig

    schrieb am 7. Juli 2008 um 11:50 Uhr (#)

    Muß hier eigentlich jedes «schwyzzertüütsche» Akkärli beackert werden? Es ist ja, als ob’s vom Nachbarn herüberparaphrast: Wir können alles nicht. Nichtmal Deutsch. Schon von daher kommt Karl Kraus nicht infrage.

    Weshalb liest der Herr hier eigentlich mit?! Anstatt chrampfe zu gehn. Oder hat Herr Hartz in der Schweiz Asyl erhalten und lehrt jetzt Deutsch in der Baumschule?

    Meine Güte!

  8. arbiter

    schrieb am 7. Juli 2008 um 12:27 Uhr (#)

    @ JEAN STUBENZWEIG: Ab und zu verirrt sich halt jemand in den einen oder anderen Block. `Schwyzertüütsch´ ist da nur Dialekt, nicht Dialektik. Und wenn schon Eidgenossen auch ladinischen Dialekt kennen, dann klappts vielleicht auch im Dialekt des Originals: Saepe stilum vertas, iterum quae digna legi sint scripturus.


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