Euro 2008:Fußball über alles

Ole Reißmann, 18. Juni 2008 um 18.13 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Quotenrekord bei dem Spiel Frankreich gegen Italien: Nie zuvor sahen so viele Zuschauer in Deutschland ein Spiel der Europameisterschaft ohne deutsche Beteiligung.

Flitzen auf dem Letzigrund: Antonio Cassano freut sich über den Sieg der italienischen Mannschaft gegen Frankreich, das ZDF über Traum-Quoten (Bild Keystone/Paulo Cunha)Jeder zweite Fernsehzuschauer in Deutschland hat gestern Abend die Zitterpartie Frankreich gegen Italien (0:2) gesehen. 15,35 Millionen Zuschauer, ein Marktanteil von 50,5 Prozent, waren nach Angaben des ZDF live dabei. In der entscheidenden Phase der zweiten Halbzeit waren es sogar 17,37 Millionen Fernsehzuschauer.

“Europäische Mannschaften haben im ZDF Heimspiele!”, sagte ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender zu den Quoten nach dem Spiel von Weltmeister Italien gegen Vize-Weltmeister Frankreich. Die darauffolgende Zusammenfassung der Begegnung Niederlande – Rumänien in der Sendung “ZDF EM-Studio” wollten dann nur noch 5,88 Millionen Zuschauer (32,5 Prozent Marktanteil) sehen.

Fußball-Taumel, wohin man sieht. Die taz titelt mit Schweden – ja gegen wen haben die denn gespielt, ist der erste Gedanke. Es ist ein guter Zeitpunkt für neue Sicherheitsgesetze oder das Waschen dreckiger Wäsche

Die graue Welt des gemeinen Redakteurs

Wolf-Dieter Roth, 18. Juni 2008 um 12.17 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Den Autor eines Artikels erkennt man am Namen darunter, richtig? Dem so identifizierten Autor kann man dann in Leserbriefen und Online-Foren schön die Meinung sagen …

Auf den Punkt: Viele Texte gewinnen erst durch Bearbeitung (Bild Mykl Roventine, Creative-Commons-Lizenz)Ganz so einfach ist es nicht. Doch der Reihe nach: Ich bin in den Journalismus eher ungeplant geraten - eigentlich wollte ich Elektronik-Hardwareentwickler werden. Dort irritierte mich jedoch das “im Kämmerchen weggesperrt sein” und das mangelhafte Anerkennen der geleisteten Arbeit - wenn etwas gut lief, heimste der Chef das Lob ein, nur wenn es nicht funktionierte, bekam der Entwickler eins auf den Deckel.

Ich glaubte, dies sei im Journalismus anders. Eine unbürokratische Branche ohne Zugangsbeschränkungen, wo der eigene Name direkt unter dem eigenen Werk steht. Vollkommen transparent, weil jeder schwarz auf weiß lesen kann, was man zu leisten imstande ist. Eine Fehleinschätzung: Schließlich versah doch schon in der Schülerzeitung der Chefredakteur regelmäßig meine Artikel mit technisch unsinnigen Ergänzungen oder dummen Kommentaren – oder ließ sie bei Nichtgefallen einfach spurlos verschwinden.

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Ronnie Grob, 18. Juni 2008 um 8.54 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

“Wer hat uns verraten?”
(ftd.de, Matthias Lambrecht)
“Ex-’Spiegel’-Chef Aust spekuliert im Magazin ‘Cicero’ über den Grund seiner Absetzung. Dass die SPD ihn gestürzt hat, sei aber nur ein Gerücht.”

“Zapp”, die neue Nebelkerze der ARD
(achgut.com, Wolfgang Röhl)
“‘Zapp’ ist ein so genanntes Medienmagazin, das bislang im dritten TV-Programm des NDR lief. Der ARD gefällt es so gut, dass sie jetzt drei Ausgaben ins sonntägliche Hauptprogramm hob; offenbar, um die dauerhafte Beförderung ins Erste vorzubereiten. Kein Wunder, denn ‘Zapp’ erfüllt alle Forderungen, die an ein politisches ARD-Magazin gestellt werden: extreme Einäugigkeit, ausgetüftelte Vernebelungstaktik, streng parteiliche Auswahl der Interviewpartner, sorgfältig redigierte Halbwahrheiten?”

“Recherche ist ein Stiefkind der Medien geworden”
(jungewelt.de, Peter Wolter)
Der Vorsitzende der Journalistenvereinigung “netzwerk recherche“, Thomas Leif, im Interview: “Alle ernsthaften Studien besagen, daß es im deutschen Journalismus im wesentlichen um die Bestätigungs- oder Überprüfungsrecherche geht. Das heißt, es werden bestimmte Quellen – etwa in den Meldungen der Nachrichtenagenturen – nur noch einmal überprüft, meistens per Suchmaschine.”

Warum Journalisten meist schlecht gelaunt sind
(blog.nz-online.de/vipraum)
“Franken + Journalist = Mumpfligkeit im Quadrat. Ich weiß, wovon ich rede, denn ich bin fränkischer Journalist.”

“Vor der Bugwelle” - Interview mit Peter Hogenkamp
(blog.kooptech.de, Christiane Schulzki-Haddouti)
Peter Hogenkamp im Interview: “Wir brauchen vielleicht nicht mal einen fundamental anderen Ansatz, aber es ist doch ein Unterschied, ob jemand eine Analyse von Göldi zehn Minuten lang liest, die aber nur als eine Page Impression gewertet wird, oder ob er die gleiche Impression bei der ‘Süddeutschen’ mit den 100 besten Biersorten oder mit Dekolleté-Raten auslöst.”

The Romenesko Empire
(portfolio.com, Howell Raines)
“How the first media gossip site inadvertently ushered in the era of fact-free journalism.”

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Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Medienzeiten:
Fernsehen ist schwerfällig, dümmlich, flüchtig

Klaus Jarchow, 17. Juni 2008 um 11.14 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Es zählt das geschriebene Wort: Während sich die Botschaften aus Fernsehen und Radio schnell versenden, archiviert Google das Gedächtnis der Menschheit in Textform.

Fernsehmatrix: Hochspannung feuert Elektronen auf den Schirm (Bild ftbester, Creative-Common-Lizenz)Ich hatte mit Peter übers Bloggen und übers Internet gesprochen und dabei das abgegrabbelte Web-2.0-As aus dem Ärmel gezogen, wonach die Printmedien informationell deshalb mit dem Internet nicht mehr mithalten könnten, weil sie mit ihren ‘News’ immer 24 Stunden zu spät auf den Markt kämen. “Das war beim Fernsehen und beim Radio doch auch schon so”, sagte daraufhin mein Peter. Einen Moment lang meinte ich, ein leises Zischen zu hören, als mir argumentativ die Luft aus den heißluftgefüllten Reifen entwich.

Peters Argument ist auf den ersten Blick ja auch bestechend: Das Fernsehen mit seinen zahllosen ‘Live-Sendungen’ direkt aus dem Erdbebengebiet, oder auch der Propagandaminister Goebbels im Sportpalast, wie er damals via Volksempfänger schnurstracks in jedes toitsche Wohnzimmer gelangte … die ‘Funkmedien’ erfüllten mit ihren Direktübertragungen tatsächlich genau das schon lange, was jetzt der ‘Mythos Internet’ einer Medienrevolution in der Jetztzeit zuschreibt. Andererseits …

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Ronnie Grob, 17. Juni 2008 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Schafft die Gebühren ab!
(faz.net, Claudius Seidl)
“Das öffentlich-rechtliche System war einst von enormer erzieherischer Wirkung. Das Land ist aber erwachsen geworden, mit Radio und Fernsehen sollte es doch auch so weit sein. Anstalten des öffentlichen Rechts: Ihr seid alt genug, euer Geld selber zu verdienen.”

Vanity Fair nur 20 Cent
(vanity-care.de)
Die Vanity Fair gibt es im Doppelpack mit GQ für 20 Cent: “Für Leser des Männer-Magazins lohnt?s aber in jedem Fall. Sie nehmen ihr Heft, bekommen ‘Vanity Fair’ dazu, verschenken das Heft auf dem Bahnsteig, zerbrechen die CD im Zug und haben dennoch Geld gespart gegenüber dem ‘GQ’-Einzelkauf. Traurig dieses Dasein von ‘Vanity Fair’”

The Associated Press to Set Guidelines for Using Its Articles in Blogs
(nytimes.com, Saul Hansell)
“The Associated Press, one of the nation?s largest news organizations, said that it will, for the first time, attempt to define clear standards as to how much of its articles and broadcasts bloggers and Web sites can excerpt without infringing on The A.P.?s copyright.”

Leidenschaftlich leidenschaftslos?
(taz.de, Gina Bucher, 14.06.2008)
“Oh nein! Schweizer sind wirklich sehr intensiv. Allerdings diskret und unaufgeregt. Im Kleinen wie im Verborgenen. Deswegen bemerkt man ihre spontan aufglühenden Passionen nicht sofort, leider. Eine Ortsbegehung.”

Der rote Traktor darf mit ins Altersheim
(nzz.ch, Martin Merki, 14.06.2008)
Schöne Reportage aus einem Altersheim für Knechte: “Viele wollen nicht reden. Vielleicht empfinden sie die Fragen des Journalisten als Aushorchen. Auch Fotografieren lassen wollen sie sich auf keinen Fall. Sie winken ab wie Eingeborene, die Angst haben vor dem Diebstahl fremden Lebens und fremder Seelen.”

So lügt mal wieder die Werbung
(eleph.antville.org)
“Was da aussehen soll wie Italien ist in Wirklichkeit bei mir hinterm Haus. Sehen Sie selbst!”

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Return of the Blogs

Ole Reißmann, 16. Juni 2008 um 20.17 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Da sind sie wieder: Neon und Zeit feiern Weblogs in ihren aktuellen Ausgaben. Die Zeit mit einer Deutschlandkarte der Blogcharts, die Neon mit einer Bestenliste.

Das Zeit-Magazin Leben zeigt all jene Blogs aus den deutschen Blogcharts, die sich geographisch in Deutschland verorten lassen. Kaum überraschend: Viele erfolgreiche Blogs werden in großen Städten geschrieben, absoluter Spitzenreiter ist Berlin, die Hochburg der urbanen Penner und prekär Kreativen.

Von Deutschland in die weite Welt: In der Juli-Ausgabe des “Generationenblatts” Neon werden gleich die “55 besten Blogs der Welt” gepriesen. Obwohl: Die Favoriten der Neon-Redaktion kommen vor allem aus Deutschland (24), den USA (19) und Großbritannien (7). Außerdem mager vertreten sind Spanien, Schweden, Frankreich, Kanada, Österreich und Japan – die “55 besten Blogs der Welt” sind eine ganz schön deutsch-amerikanische Angelegenheit.

Drei Nickeligkeiten:

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Tyler Brûlé prophezeit:
Entweder primitiv oder supersmart

Ronnie Grob, 16. Juni 2008 um 13.31 Uhr, 17 Kommentare Kommentare

Tyler Brûlé (Monocle) vermutet in zwanzig Jahren nur noch zwei Arten von Publikationen: Primitiver Boulevardtrash mit gigantischer Auflage und elitä­re Presse mit klugen Analysen und Meinungen.

Tyler Brule (Bild Keystone/Walter Bieri)Tyler Brûlé kann auch nichts für seinen “parfümiert und künstlich” klingenden Namen: “Ja ja, und dann bin ich noch homosexuell. Ich hab mir den Namen nicht ausgesucht” sagt er auf die entsprechende Nachfrage von Magazin-Chefredaktor Finn Canonica.

Im zweiten Teil des Interviews macht er dann bemerkenswerte Aussagen über die Zukunft der Printmedien:

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Ronnie Grob, 16. Juni 2008 um 8.54 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Schwächen im Bildaufbau
(faz.net, Peter Körte)
“‘Tactical Cam’, ‘Ingoal Cam’, Hubschrauber über den Arenen: Mit einem beispiellosen technischen Aufwand versucht das Fernsehen, jeden Zentimeter der Europameisterschaft abzubilden. Trotz Bildersturms aus allen Lagen kommt es jedoch oft den entscheidenden Schritt zu spät.”

«Sie sehen selber» oder wozu Kommentatoren?
(tagesanzeiger.ch, Dario Venutti)
“Die Fussball-Kommentatoren im Schweizer Fernsehen haben sich von Experten entmündigen lassen und beschränken ihre Aufgabe darauf, Emotionen zu managen. Eine Kritik.”

Warum Jürgen Klopp der beste Kritiker ist
(welt.de, Peter Stützer)
“Fußballtrainer Jürgen Klopp hat gerade einen sehr guten Lauf. Dank seiner Natürlichkeit, Authentizität und seiner fundierten Kritiken überzeugt er als Kommentator bei der EM. Dank seiner unkomplizierten Art kommt er bei dem Publikum gut an. Das zeigen nun auch die Quoten beim ZDF.”

“Fotografie an sich ist mir egal”
(flaremag.de, Olivia Kühni und David Bauer)
World Press Photo Award-Gewinner Tim Hetherington im Interview: “Fotografie ist einfach. Man nimmt sich eine Kamera und zieht los.”

“Wir waren wie Kinder”
(tagesspiegel.de, Thomas Eckert und Joachim Huber)
Alt-68er Henryk M. Broder erzählt von früher. Wie es war bei den St. Pauli Nachrichten: “Unsere Arbeit bestand im Wesentlichen daraus, Geschichten ab- und umzuschreiben, die im Schweizer ‘Blick’ erschienen waren. Am liebsten Tiergeschichten, die wir ein bisschen aufhübschten. Außerdem habe ich das gemacht, was ich bis heute am liebsten mache: über mich selbst schreiben. Mein Chef war Stefan Aust, auch damals schon ein guter Blattmacher, begabt und autoritär.”

Ringier, de Weck und Zensur
(readyourlips.blogspot.com)
“Lips” fragt sich, warum auffällige Äusserlichkeiten von Verlegern und Journalisten nie Thema sind in den Medien.

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medienlese - der Wochenrückblick

Ronnie Grob, 15. Juni 2008 um 17.19 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Scheiss-Youtube-Filmchen, Nazivergleich bei Facts, Schuldenstand.

Der schweizer Verlag Ringier führte ein Forum am Morgen durch und der Kleinreport notierte sich einige Aussprüche.

Michael Ringier (mehr hier), Ringier-Verleger, sagte: “Ich will doch nicht den ganzen Tag Scheiss-Youtube-Filmchen sehen.” (Ich auch nicht, jedenfalls nicht den ganzen Tag).

Marcel Meier (mehr hier), Unternehmer, behauptete: “Mit dem richtigen Tool kann auch ich Journalist werden.” (Echt? Dieses Tool will ich auch…)

Zudem kritisierte er das immer erfolgreicher werdende Portal 20min.ch von Tamedia, weil dort im Videobereich nicht auf die im Verlag bereits vorhandene TV-Kompetenz von Tele Züri zugegriffen würde: “Die haben alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann, alles, alles.”
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“Candy Girls”:
Skandal oder PR-Nummer?

Ole Reißmann, 15. Juni 2008 um 13.52 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Eine Internet-Serie soll etwas aufgepeppt werden und bekommt einen Gastauftritt von Lady Bitch Ray verordnet - kurz darauf wird den Verantwortlichen die Sache “zu heiß”.

Lady Bitch Ray (Bild Keystone/Jörg Carstensen)“Candy Girls”, die hippe “neue deutsche Fernsehserie” aus Endgeil-Berlin, läuft nicht im verschnarchtem Fernsehen, sondern im angesagten Internet auf Rupert Murdochs Musik- und Partynetzwerk MySpace. Und man könnte meinen: Es läuft nicht so richtig für die “Candy Girls”. Denn gerade wurde eine Episode der Serie nachträglich aus dem Archiv entfernt:

Skandal-Rapperin Lady Bitch Ray sagte schmutzige F-Wörter – kurze Zeit darauf wurde Teil 7 abgesetzt.

… schreibt die Welt über die von der offiziellen Seite entfernte und weiterhin im Netz herumgeisternde siebte Folge “Betriebsversammlung”.

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