6 vor 9
Eine Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweise im digitalen Zeitalter
(heise.de/ct)
“Journalisten verlassen sich bei der Recherche laut einer Studie der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) immer häufiger auf Online-Angebote anderer Medien sowie Suchmaschinen, was mehr Raum für Beeinflussungen eröffne und die Qualität des Journalismus senke.”
Ernüchternd - Das miese Image von Journalisten
(ndr.de, Video, 9:17 Minuten)
“Journalisten haben einen schlechten Ruf: Zu dreist, zu unmoralisch, zu wenig Distanz und zuviel PR in der Berichterstattung. In Meinungsumfragen ist das Prestige von Presseleuten vergleichbar mit dem von Politikern und Gewerkschaftern: Am unteren Ende der Skala.”
Wo das Mikrofon hängt
(sueddeutsche.de, Kurt Kister)
“Kurt Beck glaubt, er werde von Journalisten gemobbt. Warum der SPD-Chef und die Medien einfach nicht zueinanderfinden.”
“Die öffentlich-rechtlichen Sender müssten sich jeden Tag entschuldigen”
(boennigheimerzeitung.de, Cornelia Wystrichowski)
Oliver Kalkofe im Interview: “Warum tauschen RTL und ZDF konturlose Harmonie-Moderations-Roboter wie Marco Schreyl und Markus Lanz? Das sind sprechende Luftblasen, wenn ich die auf der Straße sehe, weiß ich nicht: Hat der letzte Woche ‘Deutschland sucht den Superstar’ moderiert oder mir den Wagen gewaschen? Solche Leute, die gelernt haben, perfekt zu grinsen und dabei nicht hinzufallen, werden uns in immer mehr Sendungen vorgesetzt.”
Wie ist es eigentlich, als Blinde im Internet zu surfen?
(annabelle.ch, Christina Fasser)
“Lesen kann ich die Seiten im Netz mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms für Sehbehinderte. Es heisst Jaws. Eine Frauenstimme liest mir die Inhalte vor. Leider kann das Programm nicht unterscheiden zwischen einem Artikel und einer Werbung. Wenn ich auf einer Werbung gelandet bin, springe ich mit einem Tastaturbefehl zum nächsten Inhalt. Um meine Zeit nicht zu vertrödeln, habe ich ein hohes Sprechtempo gewählt. Das bedeutet, dass die Stimme wie Mickey Mouse klingt. Dies zu verstehen, benötigt viel Übung.”
You should see the uncensored version!
(collegehumor.com, Video, 3:20 Minuten)
Spass mit Zensurbalken.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.
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3 Kommentare zu diesem Artikel
2 Trackbacks
- [i:rrhoblog] » Censored
(24. Juni 2008 11:07) - Allerlei - Emmerich Consulting
(25. Juni 2008 14:28)
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arbiter
Sehr schöne Zusammenstellung von Medienberichten über Medien durch Ronnie Grob! Das ist Hochgeschwindigkeits-Info, die nur das Web bieten kann.
Erwartungsgemäß bestätigen die NRW-LfM-Erhebungen und die Studie der Uni Leipzig die gefühlte und beobachtete Berichterstattung und benennen die Ursachen dafür. [Bei heise/de hätte die Differenzierung und/oder Übereinstimmung der zwei von einander unabhängigen Untersuchungen ev. deutlicher herausgearbeitet werden können(?).] Letztlich liegen sie genau in den sich vermehrt ausbreitenden Techniken des Mediums, das auch diesen Text transportiert. Es ist wie mit der Mobilität und dem Verbrennungsmotor: die Endlichkeit der Ressourcen und die Unendlichkeit der Kosten waren mit Erfindung/Einführung spätestens beim ersten Tankstop an der Apotheke(!) absehbar, was 1 1/4 Jahrhundert später nicht von der Weiterentwicklung abhält, uns ermattet am Feierabend automobil oder auf anderem Ressourcen fressenden Transportweg heimkehren und die Früchte mobiler Wirtschaftswelt feierabendlich `genießen´ läßt. Wären Computer ein Fortschritt, zumindest für die Buchhaltung, dürften Kontoauszüge nichts kosten. Ein sehr ernstes Thema ist die sich abzeichnende Entwicklung der Suchmaschinen wie Google oder Yahoo und Co. . Unter dem Gesichtspunkt gewinnt besonders der MS-Übernahmeversuch für Yahoo einerseits und die nun vereinbarte Cooperation von Yahoo mit Google eine durchaus bedrohliche Bedeutung, wie sie Orwell der Gesellschaftsentwicklung insgesamt längst bescheinigt hat.
Nach solchen Studien kann die Ernüchterung über das Image der Journalisten so groß nicht mehr sein. Auch Journalisten werden an dem gemessen, was hinten rauskommt. Wer vorne nichts rein tut, wird mit solchen Abgaswerten beschert. Täglich über die Gesetze des Marktes berichten, sie für das eigene Angebot mißachten, produziert ein mieses Image.
Mit solch einem wird Kurt Beck derzeit täglich abgestraft, die von einem gewissen Herrn Schröder sehenden Auges versenkte Partei gleich mit. Die beinahe stündlichen Wasserstandsmeldungen der Meinungsforscher zum Zustand der SPD unter Ausklammerung solcher Ergebnisse für nahezu jede andere Partei dürfen nicht nur von Kurt Beck als Kampagne wahrgenommen werden. Diese Art der Berichterstattung über Beck und seine Partei ist vorweggenommener Bundestagswahlkampf pur. Das als Mobbing zu empfinden, bedarf weniger des Glaubens, eher der konkreten Beobachtung. Wer in einem südlichen Bundesland lebt, wie ich, und gerade erleben durfte, wie ein bis nach der Wahl `parteiloser´ Rechtsanwalt mit legalistischen Mitteln einen gewählten Politiker erst demontiert und dann ablöst, um danach sofort bei einer Partei unterzuschlüpfen, kann in vitro beobachten, wie Legalismus zu welchem Zweck funktioniert. Und weil das in der einen Großstadt funktioniert hat, ein Fußballboß der Steigbügelhalter war, starten zwei Fußballbosse der größten baierischen Stadt den Versuch, das Konzept zu kopieren. Nein, Kurt Becks Wahrnehmung ist nicht in jedem Falle gestört.
Weder dafür noch überhaupt entschuldigen sich die ÖR täglich, allenfalls gelegentlich für die falsche Flagge, obwohl sie nie Flagge zeigen. Selbstverständlich folgt der Verflachung der Information die Verflachung der Unterhaltung. Verschwörungstheoretiker sind natürlich immer versucht, das gleich als Verabredung zur Volksverdummung zu qualifizieren. Dabei ist das nur systemimmanenter Vorgang, Abhängigkeit des einen Genres vom anderen vv, was gewissen Interessen entgegenkommt und prompt den nächsten Reflex für den nächsten Schritt auf eingeschlagenem Wege auslöst. Das zu beobachten und zu konstatieren, ist nicht Schwarzseherqualität und/oder Pessimismus. Was allen Realisten abgeht sind Visionen zur Veränderung. Selbst aber wer die hätte, dem fehlte immer noch Macht zu ihrer Umsetzung. Solchem Umstand ist das geschuldet, was Politik´zu gerne als `nicht nachvollziehbaren Öffentlichkeitsfrust´abqualifiziert: die Ohnmacht des Individuums.
Lite
Der Link zum Artikel von Cornelia Wystrichowski funktioniert bei mir nicht. Bitte ggf. korrigieren.
Ronnie Grob
@Lite: Funktioniert nun wieder, nach offenbar unaufschiebbaren “Wartungsarbeiten” heute morgen.