Fakten? Check!

Von Ole Reißmann, 30. Juni 2008 um 18.47 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Google verändere die Recherche, steht im Tagesspiegel. Das stimmt. Außerdem steht dort, in Deutschland gebe es keine “fact checkers”. Das stimmt nicht.

Im Tagesspiegel wird eine Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) über “journalistische Online-Recherche” vorgestellt. Die Ergebnisse sind nicht überraschend: Über Google und Spiegel Online wird recherchiert, das Telefon ist auch sehr wichtig. Aha. Okay. Gut. Weil die Informationen aus dem Netz natürlich sehr verdächtig sind, sollte das Berufsbild des Dokumentationsjournalisten nach anglo-amerikanischem Vorbild gefördert werden. Sagen die Autoren der Studie, und so steht es auch im Tagesspiegel.

Der Artikel fährt fort mit der Feststellung, “fact checkers” gebe es “hierzulande noch nicht”.

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Fernsehtipp:
“Wo sind meine Daten”

Von Ole Reißmann, 30. Juni 2008 um 16.37 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Erneut fragt Erich Schütz nach, was alles mit seinen persönlichen Daten passiert – und kauft in Vietnam sensible Kundendaten, die niemals dorthin gelangt sein dürften.

Noch viel zu oft denken Journalisten, dass es bei der Ware “Information” vor allem um “News” handeln würde. Um Nachrichten, Börsenkurse, Marktinformationen, politische Entscheidungen. Dabei sind persönliche Daten mindestens so wichtig. Eigentlich schützen nationale Gesetze diese Daten – aber längst sitzen viele Firmen im Ausland (darunter auch viele Netzwerke wie MySpace oder Facebook). Außerdem ist das Thema “Datenschutz” ungefähr so beliebt wie Zahnarzt und Steuererklärung am selben Tag. Die Zuschauergunst fällt dann doch eher Gülcan und Collien in die dreckigen Hände.

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10 Gründe gegen das Netz:
Internet abschaffen!

Von Ronnie Grob, 30. Juni 2008 um 11.41 Uhr, 23 Kommentare Kommentare

Warum gibt es keine Anti-Web-Bewegung, fragt Zeit Online und fordert dazu auf, eine solche zu gründen. Na dann tun wir das doch! 10 Gründe gegen das Netz haben wir schon …

(Bild vanz, Creative-Commons-Lizenz)“World Wide Wahn” heisst der Gründungsaufruf von Martin Ganteföhr. Die egalitäre Digitalwelt habe sich als Illusion herausgestellt, wird da klagend verkündet. Und nicht einmal Terroristen hätten etwas gegen das Internet. Der Abgesang ist zwar nicht besonders originell – schon vor zehn Jahren schrieb Peter Hossli für Facts über den “Wahn in der Datenbahn” – aber wir folgen einfach mal dem Aufruf und heben eine Untergrundzelle für den Kampf gegen den WWW-Quatsch aus. So richtig mit Manifest:

10 Gründe, warum das Internet abgeschafft werden muss (Teil 1)

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6 vor 9

Von Ronnie Grob, 30. Juni 2008 um 8.54 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Die Mär der unbekannten Amazonasindianer
(taz.de, Gerhard Dilger)
“Vor vier Wochen erregten Fotos von einem bislang von der Zivilisation ‘nicht kontaktierten’ Indianervolk in Amazonien weltweit Aufsehen. Nun hat ein Artikel im Observer [dieser?] eine Kontroverse ausgelöst, die vor allem eines zeigt: Immer mehr Medien verzichten auf eigene Recherche, andere manipulieren bewusst.”

Macht Bildblog ihre Bild stärker?
(brainblogger.de, Patrick Breitenbach)
“Es gibt ja vereinzelnd spöttische Zungen, die behaupten, dass ‘Bildblog lesen’ im Grunde nichts anderes ist, als die Bildzeitung mit einem reinem Gewissen zu konsumieren.”

Werbung in Zeiten des Web 2.0 - oder warum Verlage auch im Internet noch drucken
(blog.kooptech.de, Thomas Wanhoff)
Thomas Wanhoff erklärt, wie Tageszeitungs-Verlage auf das Internet reagier(t)en: “Zunächst ernannte man denjenigen Redaktionskollegen, der immer die Computerprobleme löste, zum Leiter der Onlineredaktion. Der traf sich dann einmal mit dem Kollegen von der Anzeigenabteilung, um gesagt zu bekommen, dass man derzeit Internet nicht verkaufen könne. Dabei blieb es dann meist. Schliesslich schloss man sich dann irgendeinem Vermarkter an, der den Bannerplatz füllte und verdiente ein paar Cent.”

Alles muss raus
(faz.net, Peer Schader)
“Kein Geld, kein Plan, kein Personal: Was wird bloß aus der ?Berliner Zeitung?? Vielleicht wechseln die Leser zur Konkurrenz, vielleicht wird die Zeitung aber auch verkauft. Bloß: Wer will ein Blatt haben, das nur noch eine Hülle ist, um Werbung zu transportieren?”

“ARD und ZDF machen das bessere Fernsehen”
(sueddeutsche.de, Caspar Busse)
Georg Kofler über Reaktion der Verlage auf die Ausweitung der Internetaktivitäten von ARD und ZDF: “Mit denselben Argumenten haben wir vom Privatfernsehen vor 15 Jahren gearbeitet. Wir haben frustrierend wenig erreicht. Aber die Verleger haben eine deutlich stärkere Lobby, als das Privatfernsehen sie je hatte. Denn die Politiker finden sich jeden Tag in den Zeitungen der Verleger wieder.”

Kollektiv der Rückgratlosen
(spiegel.de, Christian Krug, 23.06.2008)
“Modejournalismus ist eine absurde Medienart, die mit kritischer Unabhängigkeit so viel gemein hat wie Rudis Reste Rampe mit Prada. Der Zirkus wird dominiert von einer Handvoll Konzerne, die sich der Macht ihrer Werbemillionen durchaus bewusst sind.”

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

medienlese - der Wochenrückblick

Von Ronnie Grob, 29. Juni 2008 um 16.31 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Endert zu Sixtus, Deutschlandbrillen, zeitgeschichtliche Relevanz.

Der Redaktionsleiter des Onlineauftritts des Handelsblatts, Julius Endert, wechselt, nachdem er sich dort mit einem vom Publikum (wie oft) sehr mässig aufgenommenen Relaunch verabschiedet hat, zu den Blinkenlichten Produktionen Ltd. & Co. KG, einer neuen Firma, als deren Geschäftsführer sich der elektrische Reporter, Mario Sixtus, aufführt. Die auf handelsblatt.com durchgeführte Umfrage zeigt am Samstagnachmittag, dass über die Hälfte der Nutzer den Auftritt für mangelhaft oder ungenügend halten. Immerhin fast ein Viertel bewertet ihn als gut oder sehr gut.

Umfrage Handelsblatt Relaunch
Bild: Screenshot handelsblatt.com, 28.06.2008, 13:45 Uhr
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Blogblues-Mythen

Von Klaus Jarchow, 29. Juni 2008 um 10.01 Uhr, 22 Kommentare Kommentare

Der Blog-Blues geht um, wer sich umdreht oder lacht … Aber geht er wirklich um? Oder ist das nur ein subjektiver Eindruck? Die Zahlen hingegen zeigen deutlich in eine Richtung.

Bild Mika Hiironniemi, Creative-Commons-LizenzVom “Blogblues” ist viel die Rede. Google zählt immerhin schon 100.000 Treffer zu diesem Begriff. Auch ich schrieb vor einiger Zeit über das Phänomen der Blogmüdigkeit bei unseren Granden. Es mag ferner sein, dass die Zahlen der ‘Kommerz-Blogger’ zurückgehen, dass ‘die Erwartungen der Wirtschaft massiv enttäuscht’ wurden. Von einem generellen Rückgang der Bloggeria zu sprechen, das aber ist zumindest fahrlässig. (Findet auch der Zahlenmeister der deutschen Blogosphäre im Interview auf medienlese.com.) Nur weil sich der Koch die Finger verbrannt hat, ist nicht notwendigerweise das Essen schlecht.

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Kreative Nichtschreiber:
Zu Besuch in Hildes Heim

Von Klaus Jarchow, 28. Juni 2008 um 11.44 Uhr, 19 Kommentare Kommentare

Creative Writing, Prosanova und Poetik: “Möchten Sie später in der Agentur der Supergehälter für bedeutende Industriekunden erfolgreiche Copies texten?”

Bild the trial, Creative-Common-LizenzWeshalb Journalisten den bisher größten ihrer Zunft nicht öfter ehren, das will mir nicht in den Kopf. Joseph Roth – und nicht etwa Kurt Tucholsky – so hieß der große ‘Alpha-Journalist’ der Weimarer Republik, der Marcel Reich-Ranicki der Zeit zwischen den Kriegen, ein an langer Leine geführter Meister-Feuilletonist für die Frankfurter Zeitung, der Vorläuferin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zugleich war der ‘heilige Trinker’ ein begnadeter Schriftsteller, ein Bewohner beider Welten also. Am 24. November 1930 schrieb er:

“Wie viele Schriftsteller hätten das Schreiben gelernt, wenn sie Journalisten geworden wären!” (Werke III, 265)

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Kronen-Zeitung:
Dichands neuester Coup

Von Markus Kirchsteiger, 27. Juni 2008 um 16.52 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Das neue Führungsduo der Regierungspartei SPÖ erklärt eine 180-Grad-Drehung ihrer EU-Politik – ausgerechnet exklusiv vorab in der Kronen-Zeitung, die genau das seit Monaten fordert.

Kronen-Zeitung

Beim Blick in die gestrige Kronen-Zeitung blieb wohl nicht nur einigen Journalisten und Bloggern das Frühstückskipferl im Hals stecken. Praktisch ganz Österreich ist vom abrupten Positionswechsel der stimmenstärksten österreichischen Regierungspartei überrascht. Entsetzt waren viele darüber, wie diese plötzliche Meinungsänderung an die Öffentlichkeit getragen wurde: nämlich in einem Brief an Hans Dichand, den Herausgeber der reichweitenstärksten Tageszeitung Österreichs, der Krone:

Auf der Basis einer kontinuierlichen Information und einer offenen Diskussion sind wir der Meinung, dass zukünftige Vertragsänderungen, die die österreichischen Interessen berühren, durch eine Volksabstimmung in Österreich entschieden werden sollen.

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Oliver Reichenstein im Interview:
“Ich dachte zuerst an einen Scherz”

Von Ronnie Grob, 27. Juni 2008 um 11.37 Uhr, 5 Kommentare Kommentare

Die in Tokio ansässige Agentur Information Architects eröffnen eine Niederlassung in Zürich – und arbeiten an Tamedias “Newsnetz”. Interview mit Chefarchitekt Oliver Reichenstein.

Oliver ReichensteinInformation Architects, kurz iA, ist eine Agentur in Tokio, die nun eine Niederlassung in Zürich eröffnet. Bereits produziert für den Schweizer Medienmarkt hat sie die Websites des Magazins, dasmagazin.ch und des Musikblogs 78s.ch. Nun wird sie sich für das Design des mit Spannung erwarteten “Newsnetz” verantwortlich zeigen.

Wir fragen Oliver Reichenstein, die treibende Kraft hinter der jungen Agentur, was es mit der Expansion auf sich hat.

Warum kommt Information Architects nun auch in die Schweiz?
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6 vor 9

Von Ronnie Grob, 27. Juni 2008 um 8.54 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Nachrichten für die Tonne
(blogs.taz.de/bildschirmtext, Philip Dudek)
“Die Folie könnte das Trägermedium der Zukunft sein. Ein hauchdünner Bildschirm der sich rollen und biegen lässt. Ein Bildschirm auf dem sich die Leser der Zukunft ihre Zeitung selbst zusammenstellen können und vom Internet auf ihre Folie übertragen. Sieht aus wie eine gedruckte Zeitung, fühlt sich an wie eine gedruckte Zeitung, tatsächlich aber informiert sich der Leser der Zukunft aus dem Internet.”

iA designt das Newsnetz
(informationarchitects.ch, Christoph Lüscher)
“Das Online-Newsnetz von ‘Tagi’, ‘BZ’ und ‘BAZ’ ist das bisher ambitionierteste Newsprojekt und die erste grosse Online-Offensive von Qualitätstiteln in der Schweiz. Wie das Design entstanden ist und ein Vorgeschmack darauf, wie das Newsnetz aussehen wird.”

Traumberuf Hofberichterstatter
(heise.de/tp, Peter Monnerjahn)
“Schwerer wiegt eventuell, wenn selbst Deutschlands selbsternannte Hauptnachrichtensendung, die Tagesthemen, an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen zu ihrem Topthema ‘Irisches Nein zum Lissabon-Vertrag’ nicht eine einzige Information dazu unterbringt, worum es in diesem Vertrag eigentlich geht. Das einzig wichtige Tagesthema sind die Befindlichkeiten der Europapolitiker und ihre Meinung dazu, ob nun der Untergang des europäischen Abendlandes bevorsteht. Aus welchem Grund auch immer.”

Die Freiheit nehm ich dir
(merkur.de, Volker S. Stahr)
“Was an China und Co. kritisiert wird, findet sich in Anfängen auch hierzulande. Nur wird darüber weniger berichtet. Dass sich ein öffentlich-rechtlicher Sender zu Hause seinen Auftrag des Fernsehmachens verbieten lässt, ist nur ein markanter Fall. Meist sind die Dinge subtiler. So verirrt sich kaum mehr ein Politiker oder Wirtschaftsführer in ein TV-Studio, wenn nicht zuvor die Fragen abgesprochen wurden. Eine Unart, die Schule macht.”

Ludwig Stiegler wirft Medien “Hetzjournalismus” vor
(dradio.de, Jörg Degenhardt)
“Wenn der Beck in einen Raum kommt und guten Morgen sagt, dann schreiben diese Damen und Herren, aber er hat gar nicht guten Abend gesagt, da sehen Sie mal, wie der beieinander ist! Es ist wirklich, der kann keinen Schnaufer tun, ohne dass man es ihm übel auslegt. Das nenne ich Kampagnen-Journalismus. Hier wird auch systematisch telefoniert, bis man irgendeinen in Hinterhugelhapfing gefunden hat, der dann das passende Zitat bringt. Das nenne ich Hetze.”

Helden wie wir
(sz-magazin.sueddeutsche.de, Bildergalerie)
Es gibt wenige Bildergalerien, die man sich online ansehen sollte. Aber die schon: Das Süddeutsche Zeitung Magazin hat sich vorgestellt, was aus den Provinz kommenden deutschen Stars geworden wäre, wenn sie in der Provinz geblieben wären.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

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