Leserbriefe:
Mit Hass gekocht

Klaus Jarchow, 17. Mai 2008 um 10.58 Uhr, 21 Kommentare Kommentare

Wenn im Internet die Hasssuppe überkocht, werden gern die ‘Netizens’ und Blogger in Sippenhaft genommen – dabei sind es meist Kleinrentner und publizistische Gartenzwerge am Zaun zur Netzwelt. Ein offener Brief an Jens Jessen, Feuilleton-Chef der Zeit.

Also, Jens Jessen, ich sympathisierte damals mit Ihnen ja durchaus in der Sache, als Sie, immerhin Feuilletonchef der Zeit, sich nach dem Angriff auf einen Rentner in der Münchner U-Bahn einer Meute aufs Lynchmobben gestimmter Berufskollegen mit einer höchst abweichenden Meinung in den Weg stellten. Ob dieser Videokommentar allerdings klug war, ist eine zweite Frage.

Dass sich daraufhin eine Horde wildgewordener Kleinrentner bei Ihnen im Online-Forum austoben würde, das war abzusehen. Sie allerdings schoben die Verantwortung für deren Verbalinjurien ohne nähere Begründung den ‘Netizens’ zu, den eingeborenen Netzbewohnern also, und nicht jenen Kleingärtnern und Kleingeistern am Rande des Dschungels.

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Programmcheck:
Chartshow vs. Nachtmusik

Felix Disselhoff, 16. Mai 2008 um 17.38 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Geissen gegen Alsmann, Pop- gegen Hochkultur, RTL gegen ZDF: Wir machen zum musikalischen Einklang ins Wochenende den Programmcheck.

Götz Alsmann oder Oliver Geissen (Bilder Keystone, Montage von uns)Über 50 Folgen der “Ultimativen Chartshow” durfte Fernsehdeutschland jetzt schon über sich ergehen lassen. 50 Mal die Top 100. Der 80er, 90er, New Wave, One-Hit-Wonder, Rock- und Pop, DDR. Dieses Mal quält uns RTL ab 21.15 Uhr mit den hundert besten Grand-Prix-Songs. Ultimativ!

Nicht unlängst sorgte die ultimative Quotengarantie für Aufsehen, als absichtlich ein fünf Jahre alter Auftritt von Chris de Burgh als Live-Auftritt verkauft wurde. Wer an diesem Freitag-Abend trotzdem musikalisch und showtechnisch gut unterhalten sein möchte, sollte ins Zweite wechseln.

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Anschlag auf Roma in Italien:
Wenn die Medien versagen

Klaus Jarchow, 16. Mai 2008 um 11.33 Uhr, 23 Kommentare Kommentare

Ein aufgebrachter Mob fackelt eine Nomadensiedlung ab – wer sich aus deutschen Medien informiert, könnte bei einigen Meldungen auf die wahnwitzige Idee kommen: Recht so.

Löscharbeiten in Ponticelli bei Neapel (Bild Keystone/Ciro Fusco)‘Die Aufgabe der Medien ist es, Ereignisse begreiflich zu machen, die Hintergründe zu erhellen und zur Aufklärung und zur Völkerverständigung beizutragen’ — Leider, liebe Zuhörer, müssen wir an dieser Stelle unseren Bericht von den Festreden auf dem Bundespresseball unterbrechen. Die Wirklichkeit brennt uns auf den Nägeln und sie sieht anders aus …

So glaubt in Neapel derzeit ein abergläubischer, aufgehetzter Mob fest daran, dass die bösen Roma den ganzen Tag lang kleine Kinder entführen würden, vermutlich deshalb, weil dieses Verbrechervolk an den eigenen Kindern nicht genug hat. Dieser Pöbel ist so fest von seiner fixen Idee überzeugt, wie es einst unsere seligen Antisemiten von ihrem Wahn waren, dass Juden Brunnen vergiften und geschlachtete Säuglinge zu leckeren Matze-Plätzchen verbacken. Folgerichtig fackeln diese neapolitanischen Protofaschisten, legitimiert allein durch ihren Köhlerglauben, ganze Roma-Siedlungen ab - und Berlusconi und die italienische Presse von rechts bis links klatscht zu den brutalen Ereignissen Beifall und macht - zappzerapp! - die Opfer auch noch zu Tätern, indem sie die Pogrome zum Anlass nimmt, unter dem Asylantenpack mal richtig aufzuräumen. Was aber machen unsere Medien derweil - hier, wo alles doch ganz anders ist?

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Bloggen bis zur Abmahnung:
Lieber planlos bleiben

Wolf-Dieter Roth, 16. Mai 2008 um 10.31 Uhr, 10 Kommentare Kommentare

“Ein Bild sagt mehr als tausend Worte”. Wie wahr. Es kostet allerdings auch mehr als tausend Worte, wenn man es, ohne die Rechte abzuklären, einfach kopiert hat.

Tätowierung eines historischen Stadtplans (Bild Keystone)Texte dürfen auch im Web zwar nicht kopiert, aber immerhin zitiert werden. Für Bilder gibt es derartige Rechte dagegen nicht: Hier führt schon ein ganz kleiner Ausschnitt des großen Stadtplans nur mit dem eigenen Haus oder der Stammkneipe und der Straße davor auf der eigenen Webseite, um Besuchern einer Geburtstagsfeier oder eines Bloggertreffens die Anreise zu erleichtern, zu einer Abmahnung und Kosten in drei- bis vierstelliger Höhe.

Das Unternehmen GEKA (in Anlehnung an GEMA) lebt davon, derartige Dinge zu entdecken und zu verfolgen, die Rechnung kommt dann oft Monate nach der längst vergessenen Party und auch dann, wenn die Webseite längst gelöscht, die Grafikdatei mit dem Plan aber noch auf dem Server ist. War die Webseite geschäftlich, wird es besonders teuer, doch auch private Blogger kommen nicht ungeschoren davon.

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6 vor 9

Ole Reißmann, 16. Mai 2008 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Ringier feiert Geburtstag
(NZZ, Rainer Stadler)
“Heavy Metal, Volkstümliches, Stars und Sternchen: Die ungewöhnliche 175-jährige Geschichte des Medienhauses Ringier.” Gleich daneben (Isabelle Imhof): “Zum Geburtstag schenkt sich die Firma ein Kompetenzzentrum für digitale Medien. Das ‘Medialab’, offizielle Lancierung ist am 16. Mai, will die Möglichkeiten bestehender und künftiger Technologien dazu nutzen, Inhalte digital aufzubereiten und zu vermitteln.”

Aggression gegen “Systemjournaille”
(taz, Andreas Speit)
“Die rechte Gewalt gegen Journalisten habe besorgniserregende Brutalität erreicht, berichtet der DJV. In Hamburg ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen gezielter Übergriffe am 1. Mai.”

Die Kunst des Hintergrunddetails
(Goncourt’s Blog)
Die Medien über Ausschreitungen gegen Einwanderer in Italien: “Wird ein illegales Flüchtlingsboot entdeckt, ist von Menschenhändlern die Rede, es wird quasi aus humanitären Gründen empfohlen, den Flüchtlingen in ihrem eigenen Interesse das Ankommen an der italienischen Küste mit allen Mitteln zu verweigern, um ‘Schleuserbanden’ das Handwerk zu legen.”

The World?s Most Dangerous Gangs
(Foreign Policy)
“Their darkest dealings often go unreported and unnoticed. But from Nairobi to São Paulo, many urban gangs are becoming more sophisticated, more brutal, and more powerful than ever.”

Jesus Made Me Puke (Lesetipp)
(Rolling Stone, Matt Taibbi)
“I had joined Cornerstone ? a megachurch in the Texas Hill Country ? to get a look inside the evangelical mind-set that gave the country eight years of George W. Bush.”

Roger Willemsen über das Reisen
(Gotorio, Thomas Knüwer)
Der “toll begabte Tausendsassa, nervensägende Brausekopf und genialische Scharlatan”, so nannte ihn der Spiegel, im kurzen Videointerview über das Reisen, Essen, Nächtigen – und schlimme Erlebnisse.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Fernsehzeitschriften:
Wozu denn noch?

Ole Reißmann, 15. Mai 2008 um 17.10 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Harter Wettbewerb und sinkende Auflagen sind nicht das einzige Problem der Programmzeitschriften: Jugendliche holen sich ihre Infos kostenlos aus dem Internet – und die Sendung gleich mit.

FernsehzeitschriftenÜber 30 Programmzeitschrift liegen in Deutschland am Kiosk – soviel wie in keinem anderen europäischen Land. Jeder Zweite wird von einer Fernsehzeitschrift erreicht, 41,23 Millionen Menschen. Kein anderes Zeitschriftensegment kommt auch nur in die Nähe dieser Reichweite. Kein Wunder, sieht doch jeder rein rechnerisch 211 Minuten Fernsehen am Tag. Die Auswahl ist groß: Über Antenne können durchschnittlich 27 Sender empfangen werden, über Kabel 51 und über Satellit 86. Macht 2064 Stunden Programm an einem Tag. Da braucht es Orientierung. Dankbar greifen die Zuschauer zur unverzichbaren Programmzeitschrift. Wer mit einer Werbekampagne möglichst schnell möglichst viele Deutsche erreichen will, inseriert automatisch in Fernsehzeitschriften. Es könnte alles so schön sein.

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Interview:
Die Feinde der Pressefreiheit

Felix Disselhoff, 15. Mai 2008 um 14.18 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

“Reporter ohne Grenzen” warnt vor den größten Feinden der Pressefreiheit. Wirtschaftliche Interessen und neue Sicherheitsgesetze gefährden freie Berichterstattung auch in Europa.

Zum internationalen Tag der Pressefreiheit protestierte “Reporter ohne Grenzen” in Berlin. Im Interview mit medienlese.com spricht Dr. Michael Rediske, Vorstandssprecher der deutschen “Reporter ohne Grenzen”-Sektion, über die größten Feinde der freien Berichterstattung, die bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking und die wahren Probleme der Pressefreiheit in Deutschland. Video nach dem Klick:

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Bloggen bis zur Abmahnung:
Gutes Benehmen Fehlanzeige

Wolf-Dieter Roth, 15. Mai 2008 um 11.42 Uhr, 14 Kommentare Kommentare

“Maschendrahtzaun” und Nachbar-Zank sind berüchtigt. Klar, daß das auch online passiert. Nur kloppen sich dort meist Unbekannte. Den Schaden hat oft ein eigentlich unbeteiligter Blogger.

Hackst mit dicken Fingern auf die Tastatur (Bild Keystone/Gaetan Bally)

Ein Problem für jedes Gästebuch, Blog und Forum: wird von Besuchern der Website dort eine Beleidigung, Verleumdung oder gar Volksverhetzung eingetragen, so wird deren Inhaber dafür mit verantwortlich - aus Gründen der Bequemlichkeit meist sogar ausschließlich verantwortlich. Je nach Ansicht der Gerichte geschieht dies erst, wenn er hiervon Kenntnis erhält - also die Schweinerei selbst entdeckt oder darauf hingewiesen wird - und dann nichts unternimmt, oder aber sofort nach Entstehen des problematischen Eintrags, nur weil er die Möglichkeit dazu bietet.

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6 vor 9

Ole Reißmann, 15. Mai 2008 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Diekmann, der schreibende Trau-Reporter
(sueddeutsche.de, Hans-Jürgen Jakobs)
Kohl, Kirch, Kai: “Ein Kanzler a. D., ein Medienmogul a. D. und ein Chefredakteur im Dienst - Helmut Kohl heiratete noch einmal”, die Bild-Zeitung berichtet. “Sehr matt glänzte der Journalismus an diesem Tag.”

Hört die Signale
(Weltwoche, Roger Köppel)
Roger Köppel hat Angst: “Politiker und Journalisten warnen vor ‘Volksabsolutismus’ und ‘Pöbelherrschaft’, wenn abweichende Meinungen erklingen. … Die Aushöhlung der Demokratie ist im vollen Gang.”

Das ganze Elend des Systems ARD
(JakBlog, Christian Jakubetz)
Die Inhalte der Mediathek seien “ziemlich eindeutig föderalistischen Missbildungen” geschuldet, nur so könne “ein eher kümmerlicher 9-Minuten-Beitrag über ‘Balkonpflanzentrends- und Pflege’ aus der ‘Landesschau Rheinland-Pfalz’ auf der Startseite online” stehen.

Vom YouTube-Hit zur Fernsehsendung
(Tages-Anzeiger, Walter Niederberger)
National Geographic hat aus einem YouTube-Clip eine ganze Sendung gestrickt. “Der Erfolg der Tieraufnahme ist ungewöhnlich, weil Youtube in erster Linie wegen der Musikclips und der teils peinlichen, teils erheiternden Selbstdarsteller bekannt ist.”

Out With the Boys for a Night of Numbering (Lesetipp)
(New York Times, Katherine Zoepf)
“I?d seen groups of young Saudi men out ‘numbering’ - chasing cars containing young girls and trying to give the girls their phone numbers via Bluetooth, or by holding written phone numbers up to their car windows. When a Saudi girl I knew told me that her friend?s older brother would be willing to take me out numbering with his friends, I leaped at the chance.”

The Day There Was No News
(Flickr, Pixelsurgeon)
“Today there was no news. And here is the proof.” Video-Collage aus BBC-Nachrichtensendungen.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Die Zeit erklärt das Internet:
Hass und Porno

Ole Reißmann, 14. Mai 2008 um 16.51 Uhr, 12 Kommentare Kommentare

Wie das Internet Leben, Gesellschaft und Kultur verändert, zeigt Die Zeit in einer ausführlichen und differenzierten Serie. Die Erklärung ist umfassend – Links auf Hardcore-Pornoseiten inklusive.

Zeit-Internet-Spezial

Das ist Service: Die Zeit erklärt in ihrem Internet-Spezial nicht nur, wie das Internet so funktioniert und was das mit den Menschen macht, nicht nur soziale Netzwerke, Onlineshoppen und die ganze Bloggerei. Es wird nicht nur über islamfeindliche Seiten des blanken, menschenverachtenden Hasses und über kostenlose Hardcore-Pornoseiten geschrieben. Für den aufgeklärten Leser (und eben auch alle anderen) gibt es gleich noch die Links dazu. Denn hey, es ist das Internet, und Die Zeit hat verstanden, was da abgeht. Einen Link weglassen – das wäre ohnehin ein sinnloses Unterfangen. Google findet alles und die Jugend kennt sich eh aus.

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