Das Erfolgsgeheimnis von orf.at

Markus Kirchsteiger, 27. Mai 2008 um 11.38 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Am Design hat sich über die Jahre hinweg aber kaum etwas geändert – trotzdem bleibt das Portal des ORF unangefochtener Sieger in der Gunst der Internetuser. Was ist das Erfolgsgeheimnis von orf.at?

Screenshot ORF

Seit zehn Jahren veröffentlicht die österreichische Web-Analyse (ÖWA) die Reichweiten der am besten besuchten Onlinedienste Österreichs. Laut ÖWA surfen 40,1% der 4,57 Mio. Internetuser in Österreich orf.at an. Weit abgeschlagen folgen Krone.at (15,7%) und derstandard.at (14,9%).

Obwohl orf.at so erfolgreich ist, hat sich das Erscheinungsbild des Portals seit Jahren kaum geändert. Eyecatcher auf der Startseite sind immer noch rechteckige Bildchen mit weißen Headlines, die auf die Topstories verlinken. Darunter platziert sind Schlagzeilen aus verschiedenen Ressorts in schlichtem Design: schwarz und fett die Ressorts, weiß und unterstrichen die Headlines.

Was also ist das Erfolgsgeheimnis von orf.at? Sechs Thesen:

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6 vor 9

Florian Steglich, 27. Mai 2008 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Mit Stauffenbergs Degen
(taz.de, Lydia Harder)
“Die “Junge Freiheit” fing als neurechte Studentenzeitung an. Heute stolpern bisweilen Politiker über das Berliner Wochenblatt. Ein Besuch in der umstrittensten Redaktion Deutschlands.”

“Die grossen Boulevardgeschichten werden auch bei uns vorkommen”
(persoenlich.com, David Vonplon)
“Am kommenden Montag erscheint erstmals der “Blick am Abend”. [...] Im Interview mit “persoenlich.com” sagt Chefredaktor Peter Röthlisberger, wie er das Abendblatt aus der Verlustzone hieven will und wie die Arbeitsteilung mit der Kaufzeitung “Blick” aussieht.”

“User Powered Journalism” – jetzt bei YouTube
(Upload-Magazin.de, Jan Tißler)
“Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich den Begriff ?User Powered Journalism? in die Runde geworfen, um einen dritten Weg zwischen dem klassischen Journalismus und den nutzergenerierten Inhalten des Web 2.0 aufzuzeigen. Dieser Tage startet YouTube nun ein Experiment, das als Beispiel dafür dienen kann”.

Die Spur der Scheine - Jakob Augstein kauft die Ost-West-Wochenzeitung ?Freitag?
(Tagesspiegel, Markus Ehrenberg und Christian Meier)
“Ob und wie Augstein das Blatt verändern will, ist noch nicht bekannt. Im Gespräch seien Ergänzungen zum bisherigen Profil, zum Beispiel im Internet. Eine Revolution steht beim ?Freitag? aber offenbar nicht bevor.”

Sometimes Crowds Aren’t That Wise
(readwriteweb.com, Josh Catone)
“[...] sometimes the wisdom of crowds approach is, well, kind of dumb. Now is probably a good time to revisit the rules for harnessing the wisdom of the crowds we published on this blog a year ago.”

Der kleine Quatsch
(Tagesspiegel, Bernd Gäbler)
“Es mangelt an Stil, Eleganz und vor allem an Demut. [...] Zum deprimierenden Befund nach einem Jahr gehört, dass sich Oliver Pocher auf keinem Gebiet nennenswert weiterentwickelt hat. Er macht nichts besser, aber das jetzt überall”.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Vorsicht, ein Trend geht um

Klaus Jarchow, 26. Mai 2008 um 12.31 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Grandios dahinbrutzelnde Ideengewitter: “Karma-Kapitalismus” und “Selbstmarketing” sind die heißen “Buzzwords” auf Trendtagen.

Trend (Bild Keystone)Ach, diese Berichte von ‘Trendtagen’ machen mich immer ganz fusselig im Kopf. Kaum habe ich mich an den ‘Keynotespeaker’ gewöhnt, kommt schon der “Keynotspeaker” dahergestürmt, um mich über das “Identitätsmanagement” aufzuklären, weil’s in dem Punkt bei mir wohl haken soll, während ich an der nächsten Ecke schon wieder dringend helfen muss, die “Innovationskultur zu revolutionieren”. Generell soll wohl die ‘Sinnsuche’, auch ‘Identität’ genannt, zur neuesten Management-Aufgabe werden, der wir uns dann durch große ‘Reputations-Management-Portale’ (Peter Wippermann) irgendwie annähern können, um mit ihrer Hilfe das ‘Selbstmarketing’ - früher auch vulgär ‘Lebensziel’ genannt - zur Online-Perfektion zu treiben. Oder jedenfalls so ähnlich oder so …

Übrigens - all diese ewig dreißigjährigen Herren auf solchen Events tragen bei ihrer Sinnsuche mit Vorliebe schwarz und teuer, während sie höchst ‘interlecktüll’ durch dicke Hornbrillen zu gucken pflegen, ob nicht irgendwo ein fürwitziger Trend sein Näschen in den Wind der Zeit reckt. Die Damen stöckeln auf schwarzseidenem Gehwerk durch dies grandios dahinbrutzelnde Ideengewitter, angerichtet von personifizierten Think Tanks, Koryphäen und minderen Professuren, allseits von Buzzwords umschmeichelt, während über allem der “Karma-Kapitalismus” Triumphe feiert. “Every social problem is a business opportunity” - so das diesjährige Motto, das dann wohl am Beispiel von Somalia, Nordkorea und Simbabwe gewinnbringend durchdekliniert werden durfte.

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6 vor 9

Ole Reißmann, 26. Mai 2008 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Globale Bildsprache aus Asien
(Frankfurter Rundschau, Christian Schlüter)
“Die Vielfalt der chinesischen Comic-Szene wird mittlerweile auch von den Behörden geduldet, was nicht nur daran liegt, dass sie noch recht klein und deswegen ungefährlich ist: Mit einiger staatlicher Unterstützung orientiert sich die Manhua-Produktion längst an den internationalen Märkten.”

Promi-Blogger Perez Hilton: 66 lobende Worte über Stefanie Heinzmann (Bild Keystone/Chris Weeks)Blogger lobt Stefanie, Blick bejubelt Blogger
(Blick Online, Christian Bischoff)
Promi-Blogger Perez Hilton schreibt 66 lobende Worte über Stefanie Heinzmann – und bei Blick Online wird daraus eine Jubelmeldung mit 206 Wörtern. Screenshot, Zitat – nur das mit dem Link hat wieder mal nicht geklappt, deswegen hier: “Sing Out Loud, Sister!”

Eurozentriker müssen sich warm anziehen
(Perlentaucher, Christoph Mayerl)
“Die Gefechte um die Meinungshoheit über Tibet zeigen es: das Internet hat die Medienlandschaft nicht unbedingt demokratischer gemacht. Es gilt das Gesetz der großen Zahl.” Aufgewacht, es gibt mehr als eine Wahrheit.

Angst vor Lokalnachrichten in Google Earth
(Financial Times Deutschland, Björn Maatz)
“Eine akute Gefahr sehen Zeitungsverleger bislang zwar nicht, sind sich aber des Einflusses von Google bewusst: ‘Unter Umständen muss neu darüber nachgedacht werden, ob Google News weiterhin von fremden Inhalten, insbesondere von Zeitungswebsites, profitieren darf’, sagte ein Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV).” Das mit dem Internet haben sie immer noch nicht verstanden, profitieren von Google-News-Zitaten und fürchten doch den Content-Klau.

Schwenzel und das knarzende Ungetüm
(wirres.net, Felix Schwenzel)
“mir fiel auf, wie sehr sich meine lese-erwartungen beim lesen von zeitungen denen beim lesen im internet angepasst haben. ich erwarte persönliche stellungnahme, eine klar zu erkennende subjektive, aber auch ehrliche, haltung zum objekt der berichterstattung ? und fachkompetenz.”

Gegen Content-Klau vorgehen
(Online Journalism Review, Robert Niles)
“Do-it-yourself copyright protection online: If others are stealing your content online, there are simple ways that you can find them, and then shut them down. Here’s how.” Hoffentlich versucht der BDZV jetzt nicht, gegen jedes Zitat im Internet vorzugehen …

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medienlese - der Wochenrückblick

Ole Reißmann, 25. Mai 2008 um 22.12 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Radio Multikulti und “Polylux” gestrichen, Mitarbeiter und Journalisten ausgeforscht, Verweigerer unerwünscht und Fußball-Quoten nur stabil.

Der RBB streicht “Polylux”, Moderatorin Tita von Hardenberg gibt Durchhalte-Parolen im Internet: “Von Polylux bleibt Polylog. Nach dem Fernsehen kommt das Netz.” Für das ebenso eingesparte Radio Multikulti machen sich unterdessen Unterstützer stark. Unser Kommentar: “Sparen am falschen Ende.”

Konzernsicherheit – ein Wort macht Karriere. Es hat etwas vom Sound aus alten Wallraff-Tagen, als deutsche Unternehmen bewaffnete Einheiten aufstellten. Diesmal wird nicht gleich geschossen, sondern elektronisch überwacht. Nach Lidl gibt es nun auch schwere Vorwürfe gegen Burger King. Mitarbeiter sollen intern bespitzelt worden sein, berichtet die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten. An Meldungen dieser Art hat man sich beinahe gewöhnt – wo eine Kamera, da auch Überwachung.

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Institution “Tatort”:
Pizza oder Pasta?

Felix Disselhoff, 25. Mai 2008 um 20.30 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

700 Folgen “Tatort” und kein Ende: Der Sonntagabend ist fest in der Hand der Staatsgewalt. Regionale Besonderheiten und beruhigende Aufklärungsquoten machen die Sendung erfolgreich.

Der Sonntagabend ist eigentlich perfekt für entstpanntes Gespräch mit alten Freunden. Doch Fernsehdeutschland hört sonntags ab 20.15 Uhr nur mit einem halben Ohr hin. Das restliche Hörvermögen lauscht Pathologen, Mördern und ihren Jägern. 20:15 Uhr ist “Tatort-Zeit”. Seit mehr als 38 Jahren gehört der “Tatort” ins deutsche Wohnzimmer wie Playmobil und Ikeamöbel. Heute strahlt die 700. Folge über den Äther.

Im Schnitt schalten fast acht Millionen Menschen ein. Für die ARD eher ungewohnt: Jeder fünfte Zuschauer ist unter 50. Gerade die Anfang-Dreißiger werden schon bei der hämmernden Vorspannmelodie (für die Komponist Klaus Doldinger pro Ausstrahlung 50 Euro kassiert), wenn Horst Lettermayers Beine über nasse Straßen hetzen, nostalgisch. Damals, als man noch ein bißchen länger aufbleiben durfte. Mit Milch und väterlicher Aufsicht.

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Neue “Tatort”-Konzepte:
Konsequent und ehrlich

Ole Reißmann, 25. Mai 2008 um 13.55 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Bochum, Niebüll, Berlin, Wiesbaden: Diese Städte brauchen einen eigenen “Tatort”. Anläßlich der 700. Folge haben wir bestechende Vorschläge. Und wo muss noch ermittelt werden?

Simone Thomalla als Hauptkommissarin Eva Saalfeld: CSI Leipzig statt Tatort? (Bild Keystone/Heribert Proepper)Wie es halt kommen musste. Auf Spiegel Online der obligatorische “Tatort”-Verriss (“Straßenbahn ins Nirgendwo”), auf Welt Online die Müde Gier nach Klicks (“So asexuell sind die Ermittler beim ‘Tatort’”), in Vanity Fair eine edle, zehnseitige Fotostrecke (”Der Mord zum Sonntag”). Denn heute Abend wird die 700. Folge der Krimiserie ausgestrahlt, “Tatort” in Leipzig, Premiere für ein neues Ermittlerduo, Simone Thomalla als Hauptkommissarin Eva Saalfeld und Martin Wuttke als Hauptkommissar Andreas Keppler.

Just zu diesem Zeitpunkt sind wir in den Besitz von streng vertraulichen Dokumenten gelangt. Geheime Pläne für neue “Tatort”-Folgen aus Bochum, Niebüll und Darmstadt wurden uns zugespielt. Folgende Konzepte stehen kurz vor der Realisierung:

Bochum: Gleich in der ersten Szene langt der Kommissar dem erstbesten Verdächtigen kräftig an die Eier. Keine Frage, hier ermittelt ein neuer Schimanski. Gearbeitet wird nicht am Computer, nicht in der Gerichtsmedizin, sondern auf der Straße. Nicht immer ganz legal, aber immer mit Nachdruck. Dicht dran an den Menschen. So dicht, dass sie den fauligen Atem des rabiaten Draufgängers riechen müssen. Konsequent nicht nur der hammerharte Faustschlag des schlecht rasierten Kommissars, sondern auch die visuelle Gestaltung: Bäume, Sträucher, Blumen – Fehlanzeige. Stattdessen Ruß hustende Kinder und kein Protagonist ohne Hauterkrankung. Dafür mit Herz am rechten Fleck.

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“Blog-Post Confidential”

Ole Reißmann, 25. Mai 2008 um 11.39 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Leben im Netz, mit allen Konsequenzen: Die ehemaligen Gawker-Bloggerin Emily Gould berichtet im Magazin der New York Times. Überschrift der Selbstentblößung: “Exposed”.

New York Times Sunday Magazine, 25. Mai 2008Eine junge Bloggerin zieht nach New York City und fängt bei Gawker an – der erfolgreichen Mischung aus Branchendienst und Klatschpresse, garniert mit YouTube-Videos und persönlichen Fehden. Der Stil ist überheblich wie gnadenlos, die Geschichten banal, böse und mitunter auch brillant. Die Medienszene Manhattans jedenfalls liebt und liest Gawker. Die 24-jährige Emily Gould ist mitten drin, schreibt ein Dutzend Posts jeden Tag, hat Tausende Leser. Plötzlich interessieren sich Hunderte Menschen für ihr Privatleben, finden und kramen in den Archiven ihres privaten Blogs, werden persönlich. Und sie spielt mit – durchlebt Krisen, doch lebt weiter öffentlich online. Zwei Jahre später zieht sie ein deutliches Fazit und schreibt von ihren Zweifeln:

I had made my existence so public in such a strange way, and I wanted to take it all back, but in order to do that I?d have to destroy the entire Internet. If only I could! Google, YouTube, Gawker, Facebook, WordPress, all gone. I squeezed my eyes shut and prayed for an electromagnetic storm that would cancel out every mistake I?d ever made.

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Branchendienst:
Kontrollierte Umluft

Wolf-Dieter Roth, 24. Mai 2008 um 13.37 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Computer Reseller News gibt es nicht einfach am Kiosk – man muss sich erst als geeigneter Leser qualifizieren. Dafür soll es für die Werbekunden eine aufmerksame und erlesen Zielgruppe geben. “Controlled Circulation” heißt das Prinzip.

Lüfter im Rechner: Controlled Circulation? (Bild William Hook, Creative-Common-Lizenz)Speziell für Computerhändler gibt es das crossmediale Angebot Computer Reseller News. Wir waren zu Besuch bei dem Verlag CMP-WEKA vor den Toren Münchens im oberbayerischen Poing, um mehr über “Controlled Circulation” zu erfahren.

“1995 haben wir das Prinzip Controlled Circulation in den deutschen Markt erstmals eingeführt”, so Markus Reuter, Chefredakteur von Computer Reseller News (CRN), bei einer vom Bayerischen Journalistenverband organisierten Veranstaltung.

Zuvor gab es anstelle des coolen Anglizismus in Deutschland nur den altbackenen Begriff “Kennzifferzeitschrift”. Das Prinzip:

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Schmidt & Pocher:
Charlotte Roche in der Trockenzone

Ole Reißmann, 23. Mai 2008 um 20.58 Uhr, 17 Kommentare Kommentare

Nur keine Obszönitäten: Einen Monat nach dem Debakel mit Lady Bitch Ray geben sich Schmidt & Pocher bei dem Besuch von “Feuchtgebiete”-Autorin Charlotte Roche mehr als handzahm.

Charlotte Roche und Lady Bitch Ray (Bilder Keystone)Es war doch an alles gedacht: Lustiger Einspielfilm mit Frank-Schirrmacher-Bashing, dumpfe Zoten aus dem Niveaukeller – und doch hatte Harald Schmidt seine Mühe mit Skandalgast Lady Bitch Ray. Das die Provokateurin vor einem Monat überhaupt in der Show war, ist zu großen Teilen der Verdienst von Charlotte Roche und ihrem deutlichen Buch “Feuchtgebiete”. Diese Woche war die Bestseller-Autorin kurz zu Gast bei “Schmidt & Pocher”.

Wir zeigen vier Videos zur Erklärung. Eigentlich haben Schmidt & Pocher es nicht so mit dem Niveau:

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