Die Zeit erklärt das Internet:
Hass und Porno
Von Ole Reißmann am 14. Mai 2008 um 16:51 Uhr Kommentare (15)
Kategorien: Allgemein, Zeitungen
Wie das Internet Leben, Gesellschaft und Kultur verändert, zeigt Die Zeit in einer ausführlichen und differenzierten Serie. Die Erklärung ist umfassend – Links auf Hardcore-Pornoseiten inklusive.

Das ist Service: Die Zeit erklärt in ihrem Internet-Spezial nicht nur, wie das Internet so funktioniert und was das mit den Menschen macht, nicht nur soziale Netzwerke, Onlineshoppen und die ganze Bloggerei. Es wird nicht nur über islamfeindliche Seiten des blanken, menschenverachtenden Hasses und über kostenlose Hardcore-Pornoseiten geschrieben. Für den aufgeklärten Leser (und eben auch alle anderen) gibt es gleich noch die Links dazu. Denn hey, es ist das Internet, und Die Zeit hat verstanden, was da abgeht. Einen Link weglassen – das wäre ohnehin ein sinnloses Unterfangen. Google findet alles und die Jugend kennt sich eh aus.
Also sind die Links auf die Hardcore-Seiten sowohl in der Printausgabe als auch am Ende des Artikels im Internet dabei. Allerdings versehen mit dem Hinweis “Vorsicht! Websites enthalten nicht jugendfreies Material” – das kann man so sagen (zumindest sind die “hot teens” auf den Pornoseiten nicht offensichtlich minderjährig).
Der Link auf die islamfeindliche Seite wurde in der Internet-Version des Artikels allerdings entfernt. Den muss man hübsch selber in die Adresszeile des Browser tippen.
Was allerdings nichts an der Qualität der Beilagen ändert: Die bisher erschienen beiden Teile sind umfassend und lassen sich gut lesen. Die Texte sind allesamt nicht doof, es gibt ein Interview mit Internet-Überversteher Jeff Jarvis, es geht um Datenschutz, wirtschaftliche Interessen, soziale Netzwerke, Kommunikation und sehr viel mehr noch. Es gibt einen erfrischenden Artikel über die Wikipedia – tatsächlich, so etwas kann es heute noch geben – und zwischen den Zeilen schwingt kein ängstliches Unverständnis mit. Selbstverständlich ist das leider noch nicht.
Am Donnerstag erscheint der dritte Teil.
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15 Kommentare
“zumindest sind die “hot teens” auf den Pornoseiten nicht offensichtlich minderjährig” - da bin ich aber erleichtert! Danke für die gewissenhafte Recherche :-)
jean-claude
schrieb am 14. Mai 2008, 22:21 Uhr (Permalink zum Kommentar)tja, und das alles im guten alten print - dessen unmittelbares Ende hier schon mehrfach todsicher angekündigt wurde …
arbiter
schrieb am 15. Mai 2008, 00:11 Uhr (Permalink zum Kommentar)Ist dieses “Blättchen” jetzt nur ein `Special´oder schon ein Feuilleton? So eine Beilage ausgerechnet in Zeiten, in denen “der Journalismus überall auf den Hund gekommen ist. Verantwortlich dafür: die Verleger, die längst keine mehr sind.” Warum sollte so einer nicht auch mal für was Feines verantwortlich sein?!
Da macht es dann wirklich nichts, daß im Hauptblatt der altersmilde Mitherausgeber knochentrocken in hübscher Hofberichterstattung immer wieder neu abgefeiert wird und der Schildknappe Koch, Hessens eigentlich abgewählter Provinzfürst, als neuer außenpolitischer Herold die Kritikbelastbarkeit Chinas verkündet. Oder liegt auch das doch eher an Journalisten, die keine mehr sind?
Jedenfalls sieht das ZEIT Internet-Spezial nicht nach Wachablösung durch Web 2.0 aus, eher nach Futur III fürs junge Medium.
Klaus Jarchow
schrieb am 15. Mai 2008, 00:21 Uhr (Permalink zum Kommentar)Wo steht’s? Es steht online …
Lucas von Gwinner
schrieb am 15. Mai 2008, 08:34 Uhr (Permalink zum Kommentar)Die Beilagen sind wirklich gut gemacht – auch wenn die direkten Links nun nicht unbedingt nötig gewesen wären. Ich Frage mich nur wieso es die ZEIT schafft so kompetent über das Web zu berichten, während andere Blätter bei diesem Thema so derartig rumstümpern…?
Kleiner Programmhinweis in eigener Sache: Bei meiner Web-TV Sendung Tischthema.tv haben wir just unser Gespräch mit ZEIT-Geschäftsführer Dr. Rainer Esser veröffentlicht. Wen interessiert wie die Zeit es schafft seit über fünf Jahren die Auflage zu steigern, sollte sich das mal anschauen.
Gruß, Lucas
Ole Reißmann
schrieb am 15. Mai 2008, 08:53 Uhr (Permalink zum Kommentar)@Anna: “nicht offensichtlich”, ich wollte schon sehen, wohin die Zeit so verlinkt …
@Lucas: Ja, mir gefällt die Zeit auch sehr in Sachen Internet, das ist kompetent und Meilen von der Konkurrenz entfernt.
Micha
schrieb am 15. Mai 2008, 08:54 Uhr (Permalink zum Kommentar)Ich bin nach wie vor hin- und hergerissen von diesem “Spezial” (mit “z”, wir halten also die deutsche Sprache hoch!): Umfassend und differenziert stimmt, aber insgesamt sind mir zu wenig “Perlen” zwischen den vielen Texten. Manches ist - auch in anderen Printprodukten - bereits zur Genüge abgefrühstückt worden. Negativer Höhepunkt war im ersten Teil die alte Götz-Hamann-Geschichte über Facebook, die bereits im Januar ausführlich im Blatt erschien. Und dennoch: Freue mich jetzt irgendwie auf Teil 3.
jean-claude
schrieb am 15. Mai 2008, 09:06 Uhr (Permalink zum Kommentar)@) Klaus Jarchow : Und wo fällts auf, macht die Runde und bleibt nicht nur ein paar Stunde oder, wenn’s hoch kommt, einen Tag im Gespräch, sondern über Wochen? Tja, der sowas von tote print ….
Die Zeit erklärt das Internet: Hass und Porno «
schrieb am 15. Mai 2008, 09:58 Uhr (Permalink zum Kommentar)[…] “Das ist Service: Die Zeit erklärt in ihrem Internet-Spezial nicht nur, wie das Internet so funktioniert und was das mit den Menschen macht, nicht nur soziale Netzwerke, Onlineshoppen und die ganze Bloggerei. Es wird nicht nur über islamfeindliche Seiten des blanken, menschenverachtenden Hasses und über kostenlose Hardcore-Pornoseiten geschrieben. Für den aufgeklärten Leser (und eben auch alle anderen) gibt es gleich noch die Links dazu. Denn hey, es ist das Internet, und Die Zeit hat verstanden, was da abgeht. Einen Link weglassen – das wäre ohnehin ein sinnloses Unterfangen. Google findet alles und die Jugend kennt sich eh aus.” mehr […]
Klaus Jarchow
schrieb am 15. Mai 2008, 11:27 Uhr (Permalink zum Kommentar)@ Jean-Claude: Du meinst, nichts wäre so jung wie die Zeitung von gestern?
jean-claude
schrieb am 16. Mai 2008, 09:59 Uhr (Permalink zum Kommentar)@)Klaus: …nein, nichts ist so jung wie die Zeitung von übermorgen. Hier in diesem Blog sagen einige (und es sind offensichtlich keine Methusalems), sie seien gespannt auf den nächsten Teil der “Zeit”-Serie. Der erscheint in einer Woche!!!
Wenn es eine Zeitung - und ausgerechnet die “Zeit” - schafft, dass Leute gespannt auf die nächste Ausgabe warten, hat sie nichts falsch gemacht. Die besseren, mobileren, clevereren Print-Medien finden ihr Publikum. Ist doch ein bemerkenswertes Phänomen, dass dieses unpraktische Bettlaken namens “Zeit” kontinuierlich seit Jahren zulegt. Warum bloss?
Du siehst, ich möchte dich animieren: Anbalysier dieses Phänomen doch mal hier im Blog. Bin gespannt.
Klaus Jarchow
schrieb am 16. Mai 2008, 10:53 Uhr (Permalink zum Kommentar)Die ZEIT strichert nicht auf dem Boulevard herum - wie die Strizzis der anderen. So einfach ist das manchmal …
jean-claude
schrieb am 16. Mai 2008, 11:13 Uhr (Permalink zum Kommentar)@) Sorry, ich meins ernst: mal zwei- drei Nummern der “Zeit” auseinander nehmen. “No Boulevard” allein kanns nicht sein.
medienlese.com » Blog Archiv » medienlese - der Wochenrückblick
schrieb am 18. Mai 2008, 20:19 Uhr (Permalink zum Kommentar)[…] on the internet”. Populärste Beitrag der vergangenen Woche hier auf medienlese.com war die Pornoseiten verlinkende Zeit – die in einem Internet-Spezial bewiesen hat, dass sie das Netz besser versteht als die […]
medienlese.com » Blog Archiv » Der Experte warnt: “Elektronische Bildschirmmedien machen dumm”
schrieb am 23. Mai 2008, 13:07 Uhr (Permalink zum Kommentar)[…] finde es ausgesprochen ärgerlich, dass die Holzmedien einige gute Ansätze, die es bei ihnen manchmal ja auch gibt, im Handumdrehen durch solche Artikel wieder konterkarieren, wo sie mit dem publizistischen […]
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Anna
schrieb am 14. Mai 2008, 17:29 Uhr (Permalink zum Kommentar)