Der neue Blick:
Erste Bilder, erste Meinungen
Der neue Blick ist da! Erste Beobachtungen in Zürich zeigen: Er wird gratis verteilt und von den Empfängern verschämt weggesteckt.
Der von der grössten Tageszeitung zum Problemkind geschrumpfte Blick (das Equivalent zur deutschen Bild-Zeitung) hat heute seinen ersten Tag in einer neuen Form. Statt zwei Bünden gibt es ihn in einem. Statt zu bezahlen, erhält man ihn gratis (jedenfalls heute und in Zukunft am Abend). Wenn man ihn umdreht, dann kann man auf der anderen Seite weiterlesen.
Während die einen meinen, dass es den Pendlern egal ist, was auf einer gratis abgegebenen Zeitung draufsteht (”Pendler sind unideologisch. Die grabschen schnell irgendwas, lesen es in der S-Bahn und lassen es beim Rausgehen liegen.”) - zeigen die ersten Beobachtungen ein anderes Bild. Die Leser greifen zu den gewohnten Gratiszeitungen und stecken den Blick ein, um ihn später zu lesen. Entweder sind die Konsumenten dem Neuen (Alten) gegenüber kritisch oder aber der Blick kämpft immer noch mit seinem (hart erarbeiteten und schon fast zerstörten) Ruf als “Schundblatt”, das anständige Leute nicht lesen.
Unsere Sonderkorrespondentin Lea Barmettler hat in Zürich erste Bilder vom und erste Meinungen über den neuen Blick eingefangen:

Der Blick heute wird gratis verteilt. Dieser Verteiler am Paradeplatz sagte Lea, der neue Blick sei super, er hoffe, dass das Design und der Inhalt in der Form bleiben, dann komme es gut.

Der Blick wird am Bellevue und am Paradeplatz verteilt, doch Leute, die das Blatt tatsächlich lesen, sind keine zu sehen.

Doch die Zeitung wird nicht nur verteilt, sondern auch an Fahrräder gehängt…

… oder an Bäume. Zusammen mit Sporthosen, die unglaublich sexy wirken.

Auf dem Titelblatt der ersten Ausgabe: Der enttarnte Rütlibomber.

Das neue geniale Konzept des sowohl-von-vorne-als-auch-von-hinten-lesens.

Für die erste Ausgabe musste natürlich der Eishockeyspieler mit dem weltschönsten Namen auf den Titel, Adrian Wichser.

Vom Layout erinnert es mich etwas an die Sonntagszeitung…

… oder nicht?

Ui, die Blick-Chefetage sendet per Video Liebesgrüsse aus Peking.
Vom Blick-Girl hat uns Lea leider kein Foto gemacht. Bürogenossin Jeanine Tröhler dazu: “Naja, fragt sich, welches Zielpublikum der Blick ansprechen will… mich jedenfalls nicht!”
Spontane erste Meinungen haben wir auch eingesammelt:
Eher positiv:
- gut: S. 12 mit Rückblick auf vorangehenden Bericht als Hintergrundinfo
- Schön: S. 20+21 mit doppelseitigem Bild. Hat zwar Magazinstil, ist aber trotzdem schön
- Doch nicht so cool: Magazin-/Heftlistil mit Partyfotos
- Schön: Magazin-stil-mässiges-Layout für zweiten Teil des Blicks (z.B. S. 36)
- Sport Blick in Grün: Denken da die Layouter bereits an die Fussball EM? Jedenfalls gefällt mir, dass er farbig daherkommt. Und mit farbig meine ich: Alles ausser Rot und Schwarz :-)
- Super, wie der Sportteil gemacht ist. Der Sport ist ja sowieso das Beste am Blick. Es hat mehr Text drin als früher. Die Rubriken “people” und “life” sind auffällig, die gefallen.
- Cool, dass Sport und Rest so geteilt sind und andere Leserichtung haben. Grün für Sport find ich mutig, weil rot einfach die Blickfarbe ist.
Eher negativ:
- Im Zug habe ich niemanden gesehen, der den Blick liest. Alle lesen Gratiszeitungen.
- Der neue Blick ist scheisse! Warum nur noch ein Teil?
- Voll schlecht, erinnert stark an den Sonntagsblick, visuell überladen, gewöhnungsbedürftig!
- Komisch, kein schönes Layout
- … wie immer: Warum kommt der Babynachwuchs der Wetterfee auf die Titelseite? –> SI-Stil
- Schade, dass es keinen separaten Sportteil mehr gibt, die Zeitung ist unübersichtlicher, hat sich stark den Gratiszeitungen angeglichen. Es gibt keine Gründe mehr, dafür zu bezahlen.
Update am 05.03.2008, 11:45 Uhr: Eben erreicht uns die Medienmitteilung von ringier.ch, die besagt, dass nicht nur mit Fussballshorts geworben wurde, sondern auch mit Büstenhaltern und Hemden mit Krawatten:
BHs befanden sich an Autospiegeln, Hemden an Strassenschildern und Fussballshorts in auf Briefkästen. Überdimensionierte Etiketten transportieren die Botschaften “Die heissesten People-Storys. Jetzt im neuen Blick”, “Die gnadenlosesten Interviews. Jetzt im neuen Blick.” und “Die schonungslosesten Sportberichte. Jetzt im neuen Blick.”
Blick will mit dieser Guerilla-Werbeaktion nicht nur für Aufsehen sorgen, sondern kümmert sich auch um das Danach: Alle Kleidungsstücke, welche die Passanten nicht schon mitgenommen haben, werden gewaschen und an eine karitative Stiftung übergeben.
Update am 05.03.2008, 11:55 Uhr: Auf heute-online.ch sind erste Screenshots vom neuen Blick am Abend (so lautet der Arbeitstitel des neuen Heute) zu sehen. Wir veröffentlichen sie hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion:


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3 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
- medienlese.com » Blog Archiv » Neue Leserzahlen: Ringier und NZZ verlieren
(25. März 2008 15:45)
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bugsierer
find ich toll, dass man jetzt guerillamässig auch werbematerial an bäumen und verkehrsschildern aufhängen kann. dachte schon lange, dass an bäumen noch platz dafür wäre.
Ugugu
Und der neue Blick ist ein Satiremagazin? Dann bestell ich gleich ein Abo…
S. Meyer
Wird nun in der Schweiz kritischer mit “Zeitungen” um, oder ist einfach nur das interesse an einfach gestrickten Themen geringer.
Ich bin mir jedenfalls nicht sicher was für eine Gesellschaft gefährlicher ist. Ein hoher Prozentsatz von Menschen die gar keine Zeitung lesen, oder ein hoher Prozentsatz an Menschen die eine Zeitung lesen die wichtige Themen versuchen in 2 Sätzen zusammenzufassen und das Gefühl geben sich damit eine Meinung bilden zu können.