Carla Bruni und Nicolas Sarkozy: Gemeinsam gegen die Medien » medienlese.com

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Carla Bruni und Nicolas Sarkozy:
Gemeinsam gegen die Medien

Von Ronnie Grob am 13. Februar 2008 um 18:11 Uhr Kommentare (8)
Kategorien: Allgemein, Interview, Zeitschriften

Carla Bruni, neue Ehefrau des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, hat dem Wochenmagazin L’Express das erste Interview nach der Hochzeit gegeben und äussert darin Medienkritik. Die Beziehung gegenüber den Journalisten hat inzwischen einen Kampfzustand erreicht.

Wo war noch mal die Liste? Ah, hier. Mit dieser Äusserung

La plainte justifiée de mon mari n’est pas contre un organe de presse, bien sûr, mais contre les “nouveaux moyens de désinformation”. Internet peut être la pire et la meilleure des choses. A travers son site Internet, Le Nouvel Observateur a fait son entrée dans la presse people. Si ce genre de sites avait existé pendant la guerre, qu’en aurait-il été des dénonciations de juifs?

sollte Carla Bruni eigentlich Einlass finden. Spiegel Online übersetzt den letzten Satz so:


Wenn diese Art von Web-Seiten schon während des Krieges existiert hätten, wohin wäre es dann mit den Denunzierungen gegen den Juden gekommen?

und spricht ihr gleich mal “die nötige diplomatische Sensibilität, um abzusehen, welche empörte Reaktionen dieser Vergleich französischer Medien mit der ‘Kollaborationspresse’ hervorrufen würde”, ab.

Irgendwie neu an der Sache ist eigentlich nur, dass in diesem Fall die Medien selbst, die sonst jeden “Nazi-Skandal” bereitwillig aufgreifen, betroffen sind. Und Carla Bruni sagt noch mehr. Auf die Frage, warum die Hochzeit denn so still von statten ging, antwortet sie: “Parce que tout ce qui n’est pas caché est considéré comme “mis en scène”, also, dass alles, was nicht versteckt wird, als “gestellt” eingestuft wird.

Auf die Nachfrage, ob denn ihre Hochzeit von den Medien sozusagen “gestohlen” wurde, sagt sie:

Les médias ne m’ont rien volé du tout. Très jeune, j’ai appris une chose: l’endroit d’où parlent les médias n’est pas celui où je suis. Ce qui ressort dans les médias et ce que je vis sont deux choses distinctes. Le résultat d’une exposition médiatique est toujours imprécis et souvent inexact, ce n’est pas très grave. Ce qui est grave, on le sait, serait que les médias ne soient pas libres. Dans notre pays, ils le sont, et c’est tant mieux. En arrivant à Pétra et en découvrant soudainement, au détour de la dernière gorge, les photographes et les cameramen, j’ai compris que, si on les empêchait de travailler, il serait dit que Nicolas se comportait de façon dictatoriale.

Ich versuche mal eine Übersetzung (4 Jahre Schulfranzösisch, Verbesserungen willkommen):

Die Medien haben mir überhaupt nichts gestohlen. Ich habe, sehr jung schon, etwas gelernt: Der Ort, von dem die Medien reden, ist nicht der Ort, an dem ich bin. Was von den Medien ausgegraben wird und was ich lebe, das sind zwei verschiedene Dinge. Das Resultat einer medialen Belichtung ist immer ungenau, oft inexakt, was nicht sehr schlimm ist. Was schlimm ist, sagt man, dass die Medien nicht frei seien. In unserem Land sind sie es, und das ist umso besser. Als ich in Petra ankam und plötzlich (…) die Fotografen und Kameraleute entdeckte, habe ich verstanden, dass, wenn man diese am Reisen Arbeiten hinderte, gesagt werden würde, dass Nicolas sich auf diktatorische Weise aufführe.

Das Internetportal von des Nouvel Observateur, nouvelobs.com, verantwortlich für die von Nicolas Sarkozy als “Fälschung” und “Hehlerei mit Fälschungen” verklagte und von vielen anderen Medien übernommene Meldung über Sarkozys angebliches “Komm zurück”-SMS an seine Ex-Frau, will natürlich keinen Vergleich mit “la presse collaborationniste” zulassen und findet die Aussagen von Bruni, die “extrêmement désolée” ist, sollte sie damit jemanden verletzt haben, “assez incroyable”.

Die Beziehung zwischen Präsident Nicolas Sarkozy und den Medien stellt sich immer mehr als eine Konfrontation heraus. Henning Lohse zum Beispiel berichtet für spiegel.de aus Paris, dass der “People-Präsident nervt”. Er war “nicht in der Stimmung für einen Plausch”, “nicht mal eine Antwort wollte der sonst so souverän wirkende Medienpräsident geben”. Er zeigt “zunehmend Nerven”, “denkt verzweifelt über Auswege aus der unsäglichen Popularitätsfalle nach”. “Im Umgang mit Journalisten” zeigt sich Sarkozy “dünnhäutig”:

Nach Bekanntwerden einer unglaublichen Sms (”Cecilia, komm zurück und ich annulliere mein Hochzeit”) sprach der frischgebackene Bräutigam zuerst von Lug und Trug, dann verklagte er den Autoren der Meldung und dessen Arbeitgeber, das Nachrichtenmagazin “Nouvel Oberservateur”. Allerdings wurde die Klage nicht zivilrechtlich, sondern strafrechtlich eingereicht. Ein Schritt, der das mögliche Strafmaß dramatisch nach oben treibt.

Das hat noch kein französischer Präsident gemacht, entsprechend entsetzt war die Medienwelt. Die bisher eher folgsamen französischen Journalisten protestieren sogar gegen die massive Klageandrohung, es regt sich Widerstand. Die Kluft zwischen dem Medienpräsidenten und den Journalisten ist inzwischen soweit angewachsen, dass UMP-Präsident Jean-Francois Copé es am Wochenende sogar für opportun hielt, einen “Waffenstillstand” zwischen dem Staatspräsidenten und den Medien zu fordern.

Ob die “unglaubliche SMS” je geschrieben wurde, ist unklar, mir persönlich sowie politisch aber auch total egal. Vielleicht täten die Journalisten gut daran, das Privatleben in Ruhe zu lassen und sich mal wieder um Politik zu kümmern.

Man kann von Sarkozy halten, was man will, aber mir ist es lieber, ein Politiker sagt, was er denkt und lässt sich von den Medien nicht alles bieten. Deutsche Politiker erscheinen mir im Gegensatz dazu von Jahr zu Jahr mehr wie ein willfähriger Spielball von allen möglichen Publikationen, Gefässen, Stiftungen, Verbänden, Lobbyisten. Es gibt, wenn man als Politiker gewählt wurde, anderes zu tun, als alle möglichen Leute andauernd mit irgendwelchen Belanglosigkeiten zu beliefern. Und als Journalisten gibt es anderes zu tun, als solche andauernd von den Politikern zu fordern.

Zusätzliche Infos hier:

faz.net, 07.02.2008: “Sarkozy wollte zu Cécilia zurück

faz.net, 08.02.2008: “Der französische Präsident klagt beim Strafgericht

nouvelobs.com: “Le SMS de Sarkozy à Cécilia” (vorher: “L’obsession de Cécilia”)


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8 Kommentare

Torsten

Korrektur: wenn man diese am Reisen hinderte => wenn man diese am Arbeiten hinderte


Ronnie Grob

@Torsten: Frag mich nicht, wie ich auf “Reisen” kam, ich frag mich auch (vermutlich, weil sich “travelling” und “travailler” so ähnlich sind). Ist geändert, danke.


Sebastian

Naja, Sarkozy geht mit den Medien auch nicht immer ganz sanft um. Ich erinnere mich da an einen gefeuerten Redakteur, der die “Cecilia geht fremd Story” im Wahlkampf auf der Titelseite hatte… etc.


Jean-Claude

Wer so intim mit den Medien kungelt, wie Sarkozy vor und einige Zeit nach der Wahl, darf sich nicht ernsthaft wundern, dass die Medien die Grenzen nicht mehr einhalten. Sarko machte sein Privatleben bewusst zum Teil seiner Selbstdarstellung als Politiker. Wer dieses Spiel mal anfängt, kann nicht plötzlich entrüstet rufen: Stop! wenn’s ihm zu bunt wird. So läuft das Spiel nicht. Das muss ein Profi wie er wissen.

Zu seinem Ausflug ins Disneyland bei Paris mit der schönen Clara liess er ihm genehme Fotografen und Kameraleute einbestellen, die er dann fast hautnah an sich heran liess. In Jordanien und Aegypten stellten sich beide gern zur Schau, so lange es für Sarkos Image nützlich war (offenes Hemd, Rollex, teure Sonnenbrille, wow, was für ein Typ, unser Monsieur le Président!):”Das Paar provozierte regelrecht die angereisten Fotografen mit demonstrativ ausgetauschten Zärtlichkeiten”, beobachtete der TV-Journalist Heiko Engelkes (Text in der Februar-Ausgabe von “Cicero”.)

Sarko plauschte ausgiebig auf der Privatjacht des einflussreichen Medienjunternehmers Bolloré. Dass da gegenseitige Gefälligkeiten - man nimmt, man gibt - eine Rolle spielen, sagt einem die menschliche Erfahrung.

Nein, Sarko muss einem nicht leid tun.
Gut fand ich den Satz in “Cicero”:Inzwischen fragt sich die Grande Nation, wen sie sich da zu ihrem Präsidenten gewählt hat”?
In der Tat: Wer ist dieser Sarkozy wirklich. Vielleichtr raffen sich nach dem Honneymoon französische Journalisten ja jetzt auf, näher dahinter zu gucken und auch mal in der Sache aufmüpfiger zu werden, statt darauf zu warten, wem Madame Carla das erste Interview gewährt

Sarkozys Pressekonferenzen laufen ab wie ,bei Hofe. Fast das gesamte Kabinett muss zur Illumination des Grand Chefs dabeisitzen. Wäre ich Cheffredaktor von Le Monde, würde ich einen Kommentar auf der Frontseite mit dem Titel schreiben: “Please, come down Mr.President!” Auch auf die Gefahr hin, zur nächsten Pressekonferenz bei Hofe nicht mehr eingeladen zu werden.


Peter Sennhauser

Mit Verlaub, Jean-Claude - Sarko muss einem in der Tat nicht leid tun. Aber dieser selbstbefruchtende Aufreg-Journalismus durch Hofklatsch-Berichterstattung mit nachfolgender Kritik der Protagonisten ist einfach nur widerlich. Mit dämlichen Meta-Geschichten bolzt man zuerst Auflage und regt sich, nachdem man sich bereitwillig hat instrumentalisieren lassen, auch noch künstlich drüber auf, weils die nächste böse Geschichte gibt. Ronnie hat’s hier treffend abgehandelt. Das wäre mir ja egal, wenn es nur auf den Klatschspalten stattfände, aber es ist längst zum Stil des “Politjournalismus” geworden.

Wie weit das Spielchen getrieben werden kann, beweisen die “Brot-Und-Spiele-Medien” aus der Celebrity-Szene - da gehts langsam aber sicher buchstäblich ans Lebendige. Bis zur zynischen Schmerzgrenze der Realsatire treibt es in Los Angeles die Celebrities-”Nachrichten”-Agentur TMZ, die fast ausschliesslich Show-Monster wie Britney Spears als Tanzbären vorführt und die kriminell agierenden Papparazzi als Opfer verkauft - vor ein paar Tagen wurde die Spears gar für eine “Amokfahrt” gegeisselt, weil sie es wagte, an einer Ampel bei gelb links abzubiegen - worauf der hinter ihr herhetzende Tross von Papparazzi sich nicht abhängen lassen wollte, ein gutes Dutzend Autos bei Rot abbog und beinahe eine katastrophale Massenkarambolage verursachte - und für diese aus den (TV-!)Überwachungs-Helis gefilmte Szene wird am Ende die Spears an die Wand genagelt.

Britney interessiert mich so wenig wie Sarkozys Privatleben, aber der geifernde Eifer, mit welcher immer breitere Kreise des Journalismus das ursprünglich mit Homestories angezettelte Showgebaren jetzt zugleich ausschlachtet und verdammt, der widert mich einfach nur an.


Jean-Claude

@Peter, im wesentlichen stimme ich dir zu. Aber es gibt schon ein Wechselspiel zwischen den Protagonisten (Sarko , Spears etc.) und den Medien. Wer das das Rugbyspiel mitspielt und es als Teil seiner Karriere betrachtet, kann sich nicht wundern, dass gefowlt wird. Politik (teilweise) und Journalismus (fast ganz) gehören nun mal zum globalen Showbizz.

Die geschilderten Erscheinungsformen widern einen tatsächlich an. Aber was ,zum Teufel!, tun?

Wir landen hier häufiger mal bei diesem Thema. Viel haben diesen uns ständig ungefragt angelieferten Mist satt. Daher ist es für Leser sicher durchaus interessant zu erfahren, wie der Mist zustande kommt, wer daran wie dreht, wer kassiert, wer manipuliert und wer das zahlende Publikum für dumm verkauft. Dein Beispiel mit der Amokfahrt zeigt, wie Mechanismen laufen. Das sollte man häufiger mal beschreiben.

Aber ich möcht schon auch wissen, was Journalisten, die Tag ein, Tag aus damit konfrontiert sind, dazu meinen. Warum sind die so schweigsam? Denen müsste doch irgendwann mal der Kragen platzen.


Wolf-Dieter Roth

Mich erinnert es jetzt eher an Schröder. “Der Medienkanzler”, der seine Regierungserklärungen am liebsten in der BILD verbreitete, aber dann plötzlich sauer war, wenn seine Haarfarbe bzw. die Echtheit der Haare Thema wurde.

Ja, natürlich ist das eigentlich seine Privatsache, ob er ein Toupet trägt. Aber wenn man zuvor ständig mit den Medien bis in den Privatbereich gekungelt hat, wirkt es plötzlich zickig.

Von dem “bedingt abwehrbereiten” Verteidigungsminister ganz abgesehen, der sich mit seiner “Homestory” mit Freundin im Pool nun wirklich selbst abgeschossen hat.

Man muß mal die ältere Generation fragen, so 60+, denen ist Sarkozy völlig suspekt, weil man über ihn praktisch nur noch über die Affäre/Partnerschaft/Ehe mit Carla Bruni hört und das für einen Politiker nicht gerade seriös wirkt. Wer sich selbst für die Medien zum Affen macht, braucht sich dann nicht wundern, wenn die nicht wissen, wo sie aufhören müssen.

Britney Spears: Da ist eigentlich jede Berichterstattung peinlich. Für den Berichtenden. Aber der Eisbär zieht halt nicht mehr…


[…] mich wirkt die Aversion von Nicolas Sarkozy und Carla Bruni gegen einige Medien jedenfalls nun nicht mehr so sehr wie ein “Eklat” (spiegel.de), wie “eine […]


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