Ex-Bundesrat Blocher dementiert Beteiligung an der Weltwoche

Ronnie Grob, 11. Februar 2008 16:03 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Christoph Blocher, abgewählter Minister, spricht in seiner wöchentlichen Rede an die Nation über Medien (Video, 18:28 Minuten, Dialekt). Er gibt zu, nicht alleine ein Fernsehgerät einschalten zu können und streitet eine vermutete Beteiligung an der Weltwoche ab. Er liest sie aber jede Woche, und das gründlich.

Ich habe einige interessante Passagen von schweizerdeutsch in deutsch übersetzt, und das ziemlich frei und unvollständig (wer ganz genau wissen will, was er denn jetzt gesagt hat, muss das Video gucken und sich selber eine Meinung bilden).

Das Gespräch mit dem “Alt-Bundesrat” führt, wie jede Woche, Dr. Matthias Ackeret, Journalist und Autor des Buchs “Blocher-Prinzip”:

Wenn Sie die Medienlandschaft anschauen - sie haben vor drei Jahren einen Vortrag gehalten an der Verlegertagung in Lausanne, an der Sie sagten, es gebe in der Schweizer Medienlandschaft nur einen Einheitsbrei. Hat sich das in den letzten Jahren verändert?

Es hat sich etwas verbessert - es ist nicht mehr ganz so schlimm wie in den 90er-Jahren. In den 90er-Jahren gab es für die grossen Fragen nur eine Meinung. Ich erinnere mich an den EWR: Mit ganz wenigen Ausnahmen (Schaffhauser Nachrichten, Finanz und Wirtschaft) gab es keine Zeitung, die dieses Thema neutral abhandeln konnte. Ich, der dagegen war, galt bis zum Schluss als Teufel in Person. Und zwar bis zu den sogenannt anständigen Zeitungen wie die NZZ - die brachte ganze Artikel, Populist und so, und konnte nicht mehr in der Sache argumentieren. Das ist heute anders: Zuerst mal ist heute niemand mehr für den EU-Beitritt, das ist die Änderung. Da sieht man auch, wie opportunistisch die Zeitungen sind. Zweitens, es werden doch Sachen aufgenommen: Ein neues Blatt mit neuen, jungen Journalisten ist zum Beispiel die Weltwoche. Die greift jetzt bewusst das Problem immer von einer anderen Seite an - damit auch verschiedene Meinungen da sind.

Das ist ja “ihre” Zeitung - sind sie daran beteiligt?

Das ist dummes Zeugs, ich war noch nie beteiligt. Das ist auch sowas: Die muss sofort in eine Ecke gestellt werden. Das ist mal eine Zeitung, die nicht immer gegen mich schreibt, sondern auch mal etwas Positives gefunden hat an meiner Tätigkeit. Und im Bundesrat sagt man gleich: “Uh, das ist ein Blocher-Blatt!” Die haben eine Riesenangst vor dieser Weltwoche. Die sagen zwar alle, sie hätten sie abbestellt und würden sie nicht mehr lesen - aber sie wissen immer, was drin steht. (…)

War diese Sendung hier, Teleblocher, auch Thema im Bundesrat?

Ja, das wurde behandelt. Ganz gefährlich, da kommt einer mit einer anderen Meinung! (…) Die anderen Bundesratsmitglieder wollten es eigentlich verbieten, konnten es aber nicht. (…) Pascal Couchepin beispielsweise fand, das sei ein ganz gefährliches Fernsehen: “Das kann nur ein Reicher!” Dabei habe ich dafür gar kein Geld ausgegeben.


Welches Medium hat politisch am meisten Einfluss?

In der Bevölkerung haben die Medien nicht den Einfluss, wie sie meinen. Ich habe doch viele Abstimmungskämpfe geführt in meiner politischen Zeit, in der ich alle Medien gegen mich hatte. Das Paradebeispiel war die Abstimmung zum EWR 1992. Wir haben ja gewonnen. Alle Medien auf der anderen Seite, die ganze Classe Politique, alle Kantonsregierungen, der Bunderat, das Parlament, die Gewerkschaften, der Gewerbeverband. (…) Medien haben nicht den grossen Einfluss, wie man immer meint.

Aber es ist doch interessant. Sie schimpfen oft über die Medien, sind aber dennoch populär in den Medien.

(…) Früher gab es die Parteipresse, das war eigentlich ehrlicher. Heute sind alle sogenannt überparteilich und untendran sind sie natürlich alle parteiisch, das ist ja klar. Was ich nicht gut finde, ist dieser Einheitsbrei. Im Fernsehen ist das so, weil es ein Monopol ist (…). Ich bin für die Meinungsvielfalt. Ich bin auch schon in den 60er-Jahren den Diskussionen nie ausgewichen. Die Freisinnigen haben die Linken damals ausgegrenzt, auch wenn die damals militant waren und jede andere Meinung totgeschlagen haben, in dem sie Eier geworfen haben. Ich wurde auch angefragt für die FDP, doch ich konnte nicht beitreten, mir war das zu absolut, zu elitär.

Wie steht es mit dem Projekt einer SVP-Tageszeitung?

Ich wäre nicht dagegen, aber das übersteigt unsere Kräfte. Eine selbsttragende Tageszeitung würde auf etwa 150 Millionen Franken Kosten kommen, das haben wir vor ein paar Jahren ausgerechnet. Ich bin mir nicht mal sicher, ob die Leute eine Tageszeitung einer Partei lesen wollen. Sie haben heute andere Möglichkeiten und viele lesen ja auch gar keine Zeitungen mehr, schauen nur noch Fernsehen. Ich kenne hochgebildete Leute, die nur noch 20 Minuten und die Weltwoche lesen. Da habe ich eine Wochenzeitung, in der die Themen gut aufgearbeitet werden und die täglichen Meldungen, das reicht mir. Das ist ein ganz anderer Markt. Das Thema einer eigenen Wochenzeitung ist zu überlegen, wir werden das prüfen.

Welche Zeitungen lesen Sie?

Als Unternehmer war die wirtschaftliche Presse im Vordergrund, das Wall Street Journal und die NZZ. Die NZZ ist im wirtschaftlichen und im aussenpolitischen Teil noch immer die beste Tageszeitung. Im Inlandteil ist sie halt parteipolitisch verfilzt mit den Freisinnigen und den Linksfreisinnigen, das ist nun halt so. (…). Als Bundesrat las ich dann das WSJ nicht mehr, das war nicht mehr nötig. Was ich immer lese und gründlich lese, ist die Weltwoche. Das ist wirklich eine Zeitung, die einen neuen Aspekt bringt, und auch mal auf der liberalen und konservativen Seite. Das ist immer interessant, ich lese sogar den kulturellen Teil (wenn auch weniger gründlich) (…) Ich lese übrigens Zeitungen immer Abend, nie am Morgen.

Wie sieht es aus mit Internet und Fernsehen?

Internet kann ich gar nicht “schauen”, im Fernsehen schaute ich ab und zu mal Sendungen, jetzt als Bundesrat hatte ich “im Kasten” einen, da konnte ich meine Abwahl verfolgen. Ich musste aber einer Sekretärin rufen, sie soll mir das Gerät einstellen, weil ich nicht wusste, wie das geht. (…)

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4 Kommentare zu diesem Artikel

  1. bugsierer

    schrieb am 11. Februar 2008 um 19:03 Uhr (#)

    dass er computer nicht kann, war ja schon bekannt. aber einen fernseher einschalten kann doch sozusagen jeder depp, da hats doch nur einen grossen knopf…?
    da herr blocher gerade in den wanderferien in südamerika und damit kommunikationstechnisch etwas ab vom schuss ist, stellt sich die frage, womit denn die svp in diesen tagen schlagzeilen machen würde, wäre da nicht die unsägliche couchepin affäre.

  2. mds

    schrieb am 11. Februar 2008 um 20:23 Uhr (#)

    Alt- oder Ex-Bundesrat? Abgewählt oder nicht wiedergewählt? Rede an die Nation oder Fernsehinterview?

  3. Ronnie Grob

    schrieb am 11. Februar 2008 um 21:04 Uhr (#)

    @MDS: Gehen jeweils beide Lösungen, oder sehe ich das falsch?

  4. mds

    schrieb am 11. Februar 2008 um 21:09 Uhr (#)

    @Ronnie Grob: Ja, genau ? zumindest ist keine Variante offensichtlich richtig und man kann jeweils für beide Varianten argumentieren ? meine persönlichen Favoriten sind Alt-Bundesrat, nicht wiedergewählt (juristisch betrachtet, faktisch abgewählt), Fernsehinterview.


1 Trackback

  1. Überparteilichkeit als Farce » Beitrag » Die Blogdenunzianten
    (12. Februar 2008 15:04)

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