World Press Photo Award:
Die Bilder des Jahres 2007
Von Ole Reißmann am 8. Februar 2008 um 15:51 Uhr Kommentare (12)
Kategorien: Allgemein
Ein erschöpfter amerikanischer Soldat in Afghanistan, stellvertretend für die Erschöpfung einer kriegsmüden Nation: Diese Aufnahme des britischen Fotografen Tim Hetherington ist das Foto des Jahres 2007.

World Press Photo of the Year 2007, Tim Hetherington, UK, for Vanity Fair, American soldier resting at bunker, Korengal Valley, Afghanistan, 16 September
80.536 Fotos, 5019 Teilnehmer aus 125 Ländern, 59 ausgezeichnete Fotografen aus 23 Ländern, 13 Juroren, zehn Kategorien, ein Gewinner. Das sind die fantastischen Zahlen des World Press Photo Award 2007.
Die weiteren Gewinner:
Nach der Preisverleihung am 27. April in Amsterdam wird die Ausstellung mit den Gewinner-Fotos in über 100 Orten auf der Welt gezeigt. Hier ist die Liste der Ausstellungsorte. Vom 1. - 25. Mai ist sie im Gruner und Jahr Pressehaus in Hamburg, vom 8. - 29. Mai im Papiersaal in Zürich, vom 30. Mai - 22. Juni im Willy-Brandt-Haus in Berlin.
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12 Kommentare
Wahnsinnig gute Fotografien.
fokussiert.com » Blog Archiv » Die Pressebilder des Jahres 2007Wenn der Moment zählt
schrieb am 10. Februar 2008, 01:11 Uhr (Permalink zum Kommentar)[…] sie noch nicht gesehen hat: unser Schwesterblog medienlese.com zeigt die wichtigsten Preisträger des World Press Photo Awards 2007. Beim Betrachten der Bilder wird schnell klar, dass es nicht um Schönheit, sondern um Inhalt […]
Oliver Timmermann
schrieb am 10. Februar 2008, 08:32 Uhr (Permalink zum Kommentar)Die Bilder mögen vielleicht nicht technisch perfekt sein, aber ich finde sie alle sehr ausdrucksstark. Oft zählt eben der Moment wirklich mehr..
Tamara
schrieb am 10. Februar 2008, 19:33 Uhr (Permalink zum Kommentar)Tolle Photos, einige haben es wirklich geschaft Stimmung einzufangen!
Jean-Claude
schrieb am 11. Februar 2008, 11:19 Uhr (Permalink zum Kommentar)@…hier kündigt sich eine Renaissance der inhaltstarken (und hoffentlich möglichst wenig manipulierten) Pressefotografie an. Wenn der Print klug ist (das ist nicht sicher) registriert er das. Mindestens mit der Fotografie ist print dem web überlegen; dort zählt Video.
Und noch eins: Fotografen müssen sich zuvorderst in die Ereignissen hinein begeben, wenn sie solche Bilder schiessen wollen. Journalisten hingegen schauen sich die grosse, weite Welt lieber im wohlig temperierten Büro an.
Vielleicht kickt der Erfolg von Fotografen ja auch zu Sesselfurzern (wenn’ss wahr ist, darf man’s schon so sagen) mutierte Journalisten wieder an, Ereignisse - und das heisst vor allem: Menschen - dort zu beobachten, wo sie sich ereignen bez. wo die Menschen Ereignisse er-, durch- und überleben(und manchmal eben auch nicht). Kein Betroffenheistjournalismus,sondern Journalismus ganz einfach, wie es sein sollte: aus erster Hand.
Ich bin sicher: Journalismus von unten wird wieder wichtiger. Derzeit kriegen wir ihn fast nur von oben. Er ist immer mehr interessengebunden. Die Leser merken das. Sie springen beim print nicht ab, weil print von der Technologie her out wäre, sondern weil Mediennutzer das web als authentischer empfinden.
Ich möchte die Parallelen jetzt nicht zu weit ziehen, aber das was in den USA gegenwärtig um den Präsidentschaftskandidaten Obama herum passiert, geht in diese Richtung. Das hat niemand voraus gesehen.
Jedenfalls: there is a straw in the wind. Man kann es spüren.
Wolf-Dieter Roth
schrieb am 11. Februar 2008, 11:33 Uhr (Permalink zum Kommentar)Das mit den sesselfurzenden faulen Journalisten wird hier langsam zum Klischee. Normal ist es umgekehrt: Die Kollegen wollen raus, dürfen aber nicht, weil (langweilige) Konferenzen anstehen und viele Artikel geschrieben werden müssen. Täglich ein Text. Mindestens.
Fotografen haben zugegeben noch einen undankbareren Job als schreibende Kollegen. Und wer beides kann, darf muss seine Privatkamera mit in den Verlag bringen. Pech, wenn die dann wegkommt.
Hab mich aber schon gewundert über so einige Kommentare, die ich hier die letzten Tage in älteren Diskussionen gesehen habe. Über Angewidertseit über Journalisten, die am Abend grillen wollen und irgendwelche Gesundheitswasuachimmer (Schweizer Dialektwort) tragen. Igitt, Freunde, Familie, Privatleben, Feierabend. Gesundheit gar! “So eine Zeitung würde ich nicht kaufen wollen”. Nein, Jornalisen sollen gefälligst kettenrauchen und rackern bis 3 Uhr früh und auf dem Schreibtisch sterben? Danke, die Verleger freuen sich, jetzt können sie sagen “Leute, unser Leser will das so”. Das allerdings sieht keiner, in solchen Redaktionen hat keiner Zutritt, die haben keine Zeit für neugierige Besucher!
Es werden immer wieder die höheren Etagen gemeint, aber die unteren getreten. Wenn man dann aber wirklich vor Ort geht, bekommt man Vorwürfe, man mache sich mit dem Objekt der Berichterstattung gemein.
Wie gut, daß es Journalisten gibt. Über Anwälte zu schimpfen, wäre gefährlicher.
Jean-Claude
schrieb am 11. Februar 2008, 13:14 Uhr (Permalink zum Kommentar)@Wolf-Dieter Roth, Klischees sind manchmal einfach pure Realität. Kann man nichts machen. Für das Wort “Sesselfurzer” entschuldige ich natürlich sofort, möchte aber keinesfalls darauf verzichten. Weil es einfach trifft.
Das Wort übrigens, das du gesucht hast, heisst “Gesundheitszoccoli”. Das sind anatomisch geformte Holzschuhe, die man anzieht, wenn man sich irgendwo häuslich und bequem einrichtet, zum Beispiel in Redaktionen.
Ehrlich, ich weiss aus sehr, sehr naher Beobachtung, wovon ich hier rede.
Journalisten sind sich nicht gewohnt, kritisch beobachtet zu werden. Selbstkritik kommt nur zaghaft - und natürlich wieder zuerst aus den angelsäschsischen Ländern. Rony Grob hat hier weiter oben im Blog einen Beitrag aus faz.net aufgespiesst: “Flat earth news”. Der “Guardian”-Autor Nick Davis schreibt sich darin das Unbehagen über den real existierenden Journalismus vom Leib. Ueber 400 Seiten. Und angepflaumte britische Medien stimmen ihm beinahe befreit zu: Yeeees, so ist es!
Dieses Unbehagen spüre ich auch bei vielen Beiträgen hier auf Medienlese.
Es ist kein nationales, kein schweierisches, kein deutsches, kein britisches, es ist ein globales Phänomen.
Nicht Verlagsmanager und Verleger machen Zeitungen, Radio, TV und Internet, sondern die Journalisten. Natürlich in einem Rahmen, der vorgegeben ist. Aber den kann man notfalls sprengen.
Journalisten sollen aufhören zu jammern, man liesse sie ja nicht, sie würden ja so gern usw.
Es gibt wenig Berufsgruppen, die so viele wirksame Möglichkeiten haben, sich zur Wehr zu setzen: Dann sollen sie es doch gefälligst tun und nicht verkniffen warten bis jemand anders kommt, der sagt wie’s läuft - und sich dann wundern, dass es ganz anders läuft, als sie sich das gedacht haben.
Journalisten, die irgendwann mal sagen: “Schluss: Wir wolllen das nicht mehr”, haben nämlich Verbündete. Das wissen sie nur nicht, weil sie sich sehr wenig mit diesen Verbündeten auseinandersetzen: mit den Lesern! oder Usern.
Werden sich Leser und Journalisten dessen mehr bewusst , dass sie eigentlich das Gleiche wollen, werden manche Verlagsmanager und Mediaplaner rasch etwas kleinlauter.
Und Leser müssen wissen - und es auch zeigen, dass sie es wissen: Wenn sie Besseres von ihre Medien erwarten , und mehr Unabhängigkeit, keine Korruption usw., kostete es. Und zwar das Geld des Lesers, für Abos, im Einzelverkauf. Leser wie Journalisten können sich nicht länger darauf verlassen, dass die Werbewirtschaft 80 bis 90 Prozent des Aufwands finanziert - und dann darauf verzichten soll, Vorgaben zu machen, wie Medien auszusehen haben.
Verlagsmanager schwenken sofort auf den Druck von Lesern ein, wenn mit deren Wunsch nach besserem Journalismus Geld zu verdienen ist. Die Voraussetzung ist, dass die Leser das wollen. Es gibt Zweifel daran. Aber zumindest versuchen könnte man’s.
Wolf-Dieter Roth
schrieb am 11. Februar 2008, 19:48 Uhr (Permalink zum Kommentar)Jean-Claude, auch ich weiß, daß im Journalismus - wie in allen Branchen - vieles im Argen liegt. Und könnte so manche Schote erzählen. Ich fühle mich auch nicht persönlich angegriffen, nur kenne ich eben solche Zustände aus eigener Anschauung nicht. Faule Kollegen, ja. Wo gibt es die nicht? Aber das ist kein Regelzustand.
Daß allerdings die Leser auch die Verbündeten sind, nun, das ist eine sozialromantische Hoffnung. Da sind auch Leser dabei, die allea andere als Verbündete sind. Z.B. Stalker, Trolle und Juristen.
Zum Sesselfurzer, auch wenn er ja nur ein Sinnbild ist, gehört wiederum erstmal ein Sessel. Außer in der Chefetage und im Warteraum für Besucher kenne ich keine Sessel in Medienhäusern. Ich kenne natürlich die Schweizer Szene nicht, ich rede von Deutschland. Da kannst Du froh sein, wenn die Bürostühle eine Lehne haben.
Und ja, die Möglichkeiten eines Journalisten sind geringer als die der Leute, über die er berichtet. habe ich gerade heute wieder gesehen (und darf nicht darüber schreiben). Wer wirklich kritisch berichtet und das Maul aufmacht, ist ein störender Mitarbeiter. Auch wenn man Dir vorne sagt, man wolle solche Reportagen. Das sagen sie genau so lange, bis Du welche lieferst.
Und “Journalisten sind nicht gewohnt, daß man sie beobachtet”? Naja, das war vielleicht mal. Wie gesagt, ich kenne Fälle bis zum offenen Stalking. Sicher eine Entwicklung, die auch die Journalismuskritiker nicht gewollt haben.
Ja, ein Journalist kann viel tun. Kurzfristig. Aber er bekommt dafür dann langfristig, jahrelang eins in die Fresse. Und da ist dann von der Solidarität der Leser nach der Aufmerksamkeit der ersten Wochen genausowenig übrig wie bei verklagten Bloggern. Für Blogger sind diese Erfahrungen neu, unsereins kennt sie seit Jahren. Nur spricht keiner darüber, da genau das (Verbot, darüber zu sprechen) üblicherweise die Folge solcher juristischen Vorfälle ist.
Jean-Claude
schrieb am 12. Februar 2008, 00:10 Uhr (Permalink zum Kommentar)@ Wolf-Dieter Roth, meine Beobachtung ist nicht Faulheit im Journalismus, sondern eine unglaubliche Angepasstheit, ein Ducken, Ausklammern, Wegsehen, wo’s unbequem wird. Das ist noch nicht lange so.
Das Wegsehen geschieht natürlich nicht bei, sagen wir, Britney Spears, deren Name, wie ich gelernt habe, bei Google und Yahoo einer der am meisten nachgefragten ist. Warum machen Journalisten diesen Mist mit? Mal ne ironische Geschichte, aber doch nicht permanent und immer wieder, pausenlos, auf allen Kanälen, in allen Spalten.
Warum tun Journalisten sowas? Und warum sind relativ gebildete Chefredaktoren so gierig darauf? Weil ihnen jemand sagt, das müsse so sein - und dann machen die das einfach? So entsteht letztlich dieser völlig sinn- und zweckfreie Hype auf Google und Yahoo, von den man das Gefühl hat, er wirke wie ein bestellter Tranquilizer für die Masse: das Circus Maximus-Prinzip vom Brot und den Spielen.
Aus solchen Hypes entsteht der Eindruck, die Mehrheit der Leser wollte das so. Das ist die probateste und häufigste Ausrede für Medienmacher. Aber die Wahrheit ist mnach meiner Meinung eine andere: Als Medienksoument kann man sich dem gar nicht mehr entziehen. Man ist dem Mist pausenlos ausgesetzt. Ob man will oder nicht.
Nun ist das Britney-Beispiel ja harmlos. Aber dieser Mechanismus funktioniert eben bei x andern Themen genau gleich, wo es dann womöglich nicht mehr so harmlos ist.
Wenn es aber so ist, dass man Journalisten rudelweise abrichten kann - das ist ein Begriff aus der Hundeerziehung - dann funktioniert das bei andern Themen auch. Der erwähnte “Guardian”-Journalist gibt dazu das Beispiel des Irak-Kriegs und das Verhalten der Medien.
Aber alles in allem: Ich bin nicht so pessimistisch. Es kommt langsam etwas in Gang, was uns wahrscheinlich noch erstaunen wird: Dass nämlich plötzlich viele Leute zum gleichen Zeitpunkt sagen könnten: Schluss jetzt, mit dem Mist. Nicht nur in den Medien. Sondern zum Beispiel auch mit den Abzockereien an den Finanzmäkten usw.
Ich meine, solche Signale in den USA auszumachen. Darum beobachte ich ja das Phänomen Obama so neugierig. Nicht weil mir seine Person oder seine politische Ideen so furchtbar imponierten, sondern weil man den Eindruck hat: Viele haben darauf gewartet, dass da einer kommt, der anders ist. Vielleicht ist er gar nicht anders. Aber die Erwartung ist so. Da kann dann unversehens mächtige Dynamik ins Spiel kommen. Da hat der “Spiegel ” dieser Woche dann auch wieder Recht: viele suchen offensichtlich den Messias.
Das ist dann auch nicht gerade das, was man sich wünschen würde. Das kann auch in die falsche Richtung kippen. Aber auf jeden Fall: da bewegt sich was, das auch Auswirkungen auf die Medien haben wird.
ps. Ich kenne übrigens mehrere deutsche Redaktionen, in denen es durchaus Sessel mit Rücklehnen gibt, auch für untere Chargen …
Wolf-Dieter Roth
schrieb am 12. Februar 2008, 08:39 Uhr (Permalink zum Kommentar)@Jean-Claude:
Warum hacken Journalisten auf Britney Spears rum? Weil es einfach ist. Die Frau war immer schon unbeliebt, man ist sich also des ohnehin raren Applauses der Leser sicher, sie ist aber außerdem am Ende und man muß keine juristischen Eiertritte ihrer Anwälte befürchten. Man versuche dasselbe beispielsweise mal mit der beim Leser im Durchschnitt sicher ebenso unbeliebten Verona Pooth. Dann kann sich angesichts geballter juristischer Attacken nur noch vor den Zug werfen.
Warum hacken manche Journalisten tagein, tagaus auf Bush rum? Ok, er gibt genügend Anlaß, man macht inhaltlich keinen Fehler, aber es ist auch wirklich keine News mehr. Aber: Maximal brockt man sich ein US-Einreiseverbot ein. Man mache dasselbe mit Gerhard Schröder, ein Jurist, auch nur über politisch völlig unbedeutende Dinge wie die Haarfarbe - und wird seines Lebens nicht mehr froh.
Du mußt als Journalist die Schere im Kopf haben, die Juristen machen Dich sonst alle. Wir hatten dieser Tage den Fall, daß ein freier Autor für uns einen Gerichtstermin wahr nahm. Doch bevor Parteien und Autor überhaupt vom Termin zurück waren, bevor überhaupt geklärt war, ob und was darüber zu berichten sei, lagen auch schon zwei E-Mails und ein Fax mit juristischen Drohungen vor, falls irgendwer es wagen würde, ein Sterbenswörtchen über diese - wohlgemerkt öffentliche - Verhandlung zu verlieren. Mit der Drohung juristischer Schritte, falls der Name dieses betreffenden Anwalts hier erwähnt würde. Nur daß den bis zu diesem Zeitpunkt schon deshalb niemand hätte erwähnen können, weil ihn niemand kannte - auch der Gastautor vor Ort nicht. (Er hatte auch niemanden interessiert.)
Das ist jetzt aber nichts Besonderes, das ist für Journalisten Alltag. Gerichtsreporter sind ganz schnell selbst Ziel der Anwälte, selbst wenn die eigentlichen Streihähne das Kriegsbeil längst begraben haben.
Nur: Darüber schreibt keiner. Feigheit? Nein, Maulkorberlaß. Wer darüber schreibt, wird verklagt, verliert seinen Job und wird dann weiter privat verfolgt. Zensur auf dem “Rechtsweg”. Alltag in Deutschland.
Die “Abrichtung”, das Dressieren der Journalisten durch die Rechtsanwälte, ist eine Frage des Überlebens. Dir kann hier nichts passieren, Du postest unter Pseudonym, sitzt außerdem nicht in Deutschland und lebst nicht vom Schreiben. Wenn ich ein falsches Wort sage, steht bei mir ein Anwalt auf der Matte und Streitwerte von 500.000,- sind keine Seltenheit, um klarzustellen, wer die Musik bezahlt. Und das sind leider nicht meine Leser. Wer als Journalist nur für seine Leser schreibt, kann über seine Ideale ganz schnell seinem Betreuer beim Arbeitsamt was vorjammern.
PS: Mail mir das doch mal, in welchen deutschen Redaktionen Sessel mit Rückenlehnen stehen. Mein Rücken würde es danken. Wenn es dann noch Bohnen in der Kantine gibt, lerne ich vielleicht auch das Sesselfurzen noch und mache endlich Karriere. (Aber auch Kantinen gibt es kaum mehr - Journalisten sollen ja “hungrig” sein, auch wenn das anders gemeint ist…).
Jean-Claude
schrieb am 12. Februar 2008, 10:16 Uhr (Permalink zum Kommentar)@ Wolf-Dieter Roth, das ist ein aufschlussreicher Blick in den journalistischen Alltag. Danke.
Für mich bleibt aber doch die Frage: Warum lassen sich Journalisten so viel gefallen?
Journalisten (ich generalisiere jetzt mal unzulässig) haben sich ihren Berufsstolz abkaufen lassen - für wenig Geld. Ich kenne die Honorare und Löhne in der Branche einigermassen. Die sind zum Teil lächerlich, gemessen an dem, was man von Journalisten verlangt bez. erwartet.
Mir ist schon klar, dass Journalisten häufig beträchtliche Risiken eingehen, falls sie ihren Job noch ernst nehmen . In der Schweiz läuft gerade eine Zehn-Millionen-Klage eines Bankiers gegen zwei Wirtschaftsjournalisten. Allein die Klage hat schon präventve Wirkung auf die gesamte Branche.
In diesem Fall steht die Redaktion dahinter, was längst nicht immer der Fall ist. Stellt sich allerdings heraus, dass sie Fehler gemacht haben, vielleicht auch nur kleine, steht ihre Karriere auf dem Spiel. Das ist wahrscheinlich in jeder Branche so, aber im Journalismus klaffen Anspruch und Wirklichkeit mittlerweile in einem Mass auseinander, das man nur noch grotesk nennen kann.
Gerade deswegen wäre es wichtig, dass Journalisten in eigener Sache den Mund aufmachen. Medienkonsumenten interessiert es nämlich schon, was da hinter den Kulissen abgeht.
Wolf-Dieter Roth
schrieb am 12. Februar 2008, 11:20 Uhr (Permalink zum Kommentar)“Für mich bleibt aber doch die Frage: Warum lassen sich Journalisten so viel gefallen?”
Da kann ich nur nochmal zitieren:
“Wer darüber schreibt, wird verklagt, verliert seinen Job und wird dann weiter privat verfolgt.”
Habe ich selbst schon erlebt. Und die Redaktion, geschweige denn der Verlag steht ab einem bestimmten Punkt nicht mehr hinter so attackierten Redakteuren. Genau das wissen die Angreifer, verkünden es sogar stolz in Foren.
Insodern korrigiere ich mich: Zeig mir nicht den Job mit den Redaktions-Bürosesseln, zeig mir einen Job in der Industrie, wo ich nicht mehr täglich im Fadenkreuz von Trollen und Juristen stehe. Das wäre dann wirklich mal ein lebenswertes Leben, mit Feier- udn Grillabend, und niemand, der sich darüber aufregt, solange man sein Tagwerk ordentlich gemacht hat.
Aber natürlich will das keiner. Als ich mich in einer PR-Agentur beworben hatte, sagte man mir “danke, aber wir schätzen Ihre Artikel sehr, auf die wir dann verzichten müßten, an der Front sind Sie für uns nützlicher”. Daß ich aber nicht dauernd im Sperrfeuer stehen will, interessiert dabei niemand.
Daß Journalisten so den Buhmann machen dürfen (Überbringer schlechter Botschaften wurden schließlich immer schon geköpft), ist durchaus gesellschaftlich gewünscht. Wenn einmal ein Pulitzer-Preisträger bei rauskommt, dann nur, weil die Sch**** so am Kochen war, daß wirklich nichts mehr ging und man die Flucht nach vorne ergriff. Auf ein Watergate kommen mindestens 10 Reportergates und ruinierte Karrieren und 100, die wußten, wann sie doch besser die Klappe halten sollten. Und kein Leser macht sich Gedanken um sowas. Keiner käme auf die Idee, zu fragen “wo ist mein Lieblings-DJ/Autor/Reporter Max X hingekommen?”. Abgesehen davon, daß das auch niemand weiterhälfe, es passiert auch nicht. Es gibt keine Solidarität zwischen Schreibern und Lesern.
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Manuel
schrieb am 8. Februar 2008, 21:37 Uhr (Permalink zum Kommentar)