Shoppen mit Murdoch
Nach kurzer Verhandlung lag Geld auf dem Tisch: Rupert Murdoch übernimmt 15 Prozent an Premiere - und das könnte erst der Anfang sein.

In Spanien haben Toreros ?Cojones?, wenn sie wieder und wieder zum Stier in die Arena steigen. Sie haben Mut. Zweifelsohne hat der australische Medienmogul Rupert Murdoch Cojones. Er ist zum zweiten Mal im deutschen Medienmarkt auf Shoppingtour. Und steigt beim Pay-TV-Kanal Premiere ein. 287 Millionen Euro legt er für knapp 15 Prozent der Anteile hin. Die 16,4 Millionen Premiere-Aktien gab`s vom Kabelnetzbetreiber Unitymedia. Analysten gehen davon aus, dass Murdoch langfristig Premiere vollständig übernehmen wird.
Als 2002 das Kirch-Imperium, dessen Pay-TV-Segement auch zu Premiere gehörte, zusammenbrach, verlor Murdoch Milliarden. Die scheint er sich nun zurückholen zu wollen. Erst vergangene Woche hatte Premiere den digitalen Spartensender Giga übernommen. Rund um die Uhr Onlineschlachten, Spieletests und kurzweiliges Clipgewitter. Sparte scheint ?in? zu sein. RTL kann mit RTL-Crime seine Lizenzen an unzähligen Krimi- und Actionserien zweit- und drittverwerten, Sat.1-Comedy feiert Niels Ruf mit eigener Late-Night-Show und holt sich MTV-Moderateuse Sarah Kuttner ins Boot und Bibel-TV missioniert das Wohnzimmer.
Medienpolitische Irrlichter sind das keinesfalls. Digitales Fernsehen erfreut sich größter Beliebtheit. High Definition und Fernseher im Haustürformat sei Dank. Wenn der deutsche Zuschauer dann noch das Panelshowflächenbombardement (?Promi, ärgere Dich nicht?, ?Das weiß doch jedes Kind?, ?Genial daneben?) mit Werbung versüßt bekommt, fällt der Wechsel zum werbefreien Bezahlfernsehen umso leichter. Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia bietet beispielsweise 78 Kanäle für 5 Euro an. Die möchten man zwar nicht alle sehen. Aber man könnte.
Premiere Im dritten Quartal 2007 konnte Premiere sein Nettoergebnis von minus 32,6 Mio. Euro auf 0,1 Mio. Euro verbessern. Keine goldenen Zeiten, doch der Konzern ist gut für die digitale Zukunft aufgestellt. Murdoch scheint an die Vernunft der rund 4,2 Millionen Kunden zu glauben. Und daran, dass Fernsehdeutschland in Heerscharen zum spartigen Pay-TV konvertiert. Wer sich heute Abend auf ProSieben ?The Next Uri Geller? ansieht, erkennt das Dilemma.
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(8. Januar 2008 17:01) - medienlese.com » Blog Archiv » Schwarzseher sehen noch schwärzer
(14. Januar 2008 09:44)
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Klaus Jarchow
Meiner Einschätzung nach wird es eher so sein, dass all diese geschäftsideellen ‘Geldnasen’ das Medium ‘Fernsehen’ in der gleichen Rekordzeit auf den Hund bringen werden, wie sie’s beim Radio schon geschafft haben, bzw. im Print auf dem besten Wege dorthin sind. Nebenbei: Es gibt ein Leben ohne Massenmedien …
“Der Sabbat ist für den Menschen da, der Mensch aber ist nicht für den Sabbat da” (Markus-Ev.).
Teja Bernardy
Gewiß, es gibt ein Leben ohne Massenmedien! Schon vor der Herzog-Ruck-Rede ging ein Ruck durchs Haus, und der Stecker war aus der Steckdose. Den überflüssigen Stecker kurzentschlossen entsorgt. Hing ein TV-Gerät dran, das seit 15 Jahren niemand vermißt. Wer benötigt eigentlich zu all den Katastrophenmeldungen all die Katastrophenbilder?
Eine ganz andere Angelegenheit sind Medienmogule vom Format Murdoch oder Kirch, Bertelsmann, Springer/Dormann. Mitunter ist das Geschwätz von gestern, das heute niemanden mehr stört, entlarvend und listig hilfreich.
R. Murdoch: “Mit den technologischen Entwicklungen entgleitet dem Medienestablishment, den Herausgebern und Verlegern, die Macht. Jetzt ist es am Volk, die Kontrolle zu übernehmen.” Wer mag in den Demokratien, besonders in den westlichen, noch annehmen wollen, die Macht sei bisher vom Volke ausgegangen? Sie lag und liegt bei der Medienjunta. Und mit dem Einstieg in die IT-Wunderwelt gibt ein Mann wie Murdoch ja nicht die Macht ab, er möchte nur die Kontrolle beim Volk wissen, weiß er doch, politische Kontrolle durch Regierungen, so machtlos diese auch sind, engt den medialen Spielraum ein, verdunkelt Gewinnmaximierungsaussichten. Ohnehin wirft Murdoch die Frage auf “wie weit sich Zeitungen demokratisieren lassen?”. In seinem Imperium ohnehin eher nicht. Solche Frage ist einleuchtend negative Beweisführung und Feststellung, Zeitungen seien bisher alles, nur nicht demokratisch. Lohnt sich Widerspruch? Wäre er gerechtfertigt? Und noch einmal der große Zampano persönlich: “Zeitungen können zwar auch online Geld verdienen, aber das reicht nicht, um die Verluste zu ersetzen, welche durch das Internet entstehen.” Ganz gleich also, wie sehr Zeitungen sich auf das Internet einlassen, für den Verlag/Verleger geht die Rechnung nicht und nie auf. Anstatt einer Reorganisation des Zeitungsgeschäftes, dem langfristigen Verlustbringer, verschreibt sich der Verleger Murdoch völlig der IT, steigt beherzt ins Bezahlfernsehen ein, trotz des Kirch-Rasierklingenritts. Die geschäftsideelle “Geldnase”, wie Klaus Jarchow das nennt, ist ein so gewaltiger Riechkolben, daß er Scheuklappen wahrnehmungsfrei ersetzt, das Gesichtsfeld einengt, den Fokus auf
das Gewinnfernziel richtet, Gegenwart vernachlässigt, verkommen läßt. Das generiert aus sich heraus Gassigehen bis auf den Hund. So betrachtet sind Murdochs “Cojones” nur ein weiterer Ruck an der Leine in Richtung Abgrund. Lieblicher wird die Medienlandschaft dadurch nicht werden.