Österreichs neuer TV-Sender braucht Hilfe

Von Markus Kirchsteiger, 27. Dezember 2007 um 9.13 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Gut abgehangen oder billig produziert: Auf Österreichs neuem Privatsender Austria 9 laufen vor allem Uralt-Serien und Anruf-Shows. Dabei könnte der Fernsehmarkt mehr Wettbewerb gut vertragen - und Formate mit Qualität.

Austria 9?Helft mir doch!?, fleht die junge Blondine in die Kamera und schnalzt nervös mit der Zunge. Trommelwirbel seit drei Minuten. Nach zehn Minuten ruft noch immer niemand an, um das triviale Rätsel aufzulösen und die Chance auf 3000 Euro zu ergreifen. Kameramann und Moderatorin müssen lachen ob der Situation, doch dann kriegt sie noch die Kurve und wiederholt ihr Mantra: Acht Leitungen führen direkt ins Studio, 20 Geldpakete warten, die Chance auf einen fetten Gewinn und alles nur für eine billige Lösung.

Willkommen beim Anruf-Quiz von Austria 9, dem zweiten bundesweiten Privatfernsehsender Österreichs. Gestartet hat der über Satellit und Kabel zu empfangende Kanal am 12.12.2007 um 12 Uhr 12 – und zwar besonders originell und aufregend: nämlich mit einer Call-in-Sendung. Allerdings fast unter der Wahrnehmungsgrenze. Denn hätten nicht einige Zeitungen über den Sendestart berichtet, hätte man nicht einmal über Google die Homepage des Senders gefunden.

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6 vor 9

Von Ronnie Grob, 27. Dezember 2007 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Helden oder Verräter?
(sueddeutsche.de, Hans Leyendecker)
Krumme Touren in Unternehmen und Behörden werden meist von internen Informanten aufgedeckt. Ruhm ernten die Tippgeber hierzulande allerdings selten.

Die Bedeutung von Weblogs für Politikjournalisten (+)
(thewavingcat.com, Peter Bihr, pdf, 1118 kb)
“Weblogs haben für die Arbeit von Politikjournalisten in Deutschland derzeit eine geringe Bedeutung.”

Die Arroganz der Papierverfechter
(taz.de, Stefan Niggemeier)
Mühelos kann heute jeder seine Meinung ins Netz posaunen. Davon fühlt sich mancher Profi auf den Schlips getreten - doch das spricht für einen merkwürdigen Minderwertigkeitskomplex.

Die beispiellose Misserfolgsgeschichte von “Bild”
(bildblog.de, Max Goldt)
“An ‘Bild’ käme niemand vorbei, wird gesagt. Ja, warum denn nicht? Vielleicht sollte man erst einmal versuchen, an ihr vorbeizukommen! Meiner Erfahrung nach ist das gar nicht schwer.”

Ich blogge, also bin ich
(zeit.de, Thomas Groß)
Immer mehr Menschen produzieren sich im Internet. Wir treten ein in die Epoche des »digitalen Nihilismus«. Ein Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Geert Lovink.

Das Evangelium nach Google
(dasmagazin.ch, Rico Czerwinski)
Die Suchmaschine Google hat auf jede Frage eine Antwort. Eher: Tausende von Antworten. Gilt das auch für Vinton G. Cerf, den Vordenker des unheimlich mächtigen Unternehmens?

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Hans-Ulrich Jörges:
Im Zauberreich der Alphajournalisten

Von Klaus Jarchow, 26. Dezember 2007 um 8.22 Uhr, 24 Kommentare Kommentare

Wer für ein großes Medium Kolumnen und Editorials schreibt, der darf sich mit Fug und Recht zu den Alphajournalisten zählen. So auch Hans-Ulrich Jörges, Sielwärter und Zwischenrufer beim Stern. Erster Teil unserer losen Folge über Alphajournalisten.

Jörges Fans, die sich allwöchentlich zu Hunderten, vielleicht sogar Tausenden, vor dem Internet-Portal seines Magazins drängen, müssen dort allerdings eine strenge Inquisition über sich ergehen lassen. Der Verlag will erst einmal Adresse und Bankverbindung wissen, bevor sie zu den Quellen politischer Weisheit vordringen dürfen. Ein Hans-Ulrich Jörges bleibt Paid Content: Ihn gibt’s nur am Stück für einen Euro.

Medienlese bietet seinen Lesern aus Anlass des Weihnachtsfestes Gelegenheit, einmal einen echten “Zwischenruf” auch ohne Obolus kennenzulernen. Wir haben höchstselbst eine Printausgabe des Stern (Nr. 52/2007) am Kiosk erstanden, um unseren Lesern im Detail zu zeigen, wie wahrer Qualitätsjournalismus sich zum wahren Wort verhält.

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Süddeutscher Verlag verkauft:
Gelungene Überraschung zu Weihnachten?

Von Wolf-Dieter Roth, 25. Dezember 2007 um 9.27 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Noch schnell vor Weihnachten wurde bekannt gegeben, dass der Süddeutsche Verlag nun doch erfolgreich verkauft wurde. Aber nur mehrheitlich, denn 18,75 Prozent der Anteile bleiben bei einem der Alteigentümer. Kehrt nun endlich Ruhe ein - oder geht es jetzt erst richtig los?

Als ich vor einigen Jahren bei einem Objekt des Süddeutschen Verlags anheuerte, dachte ich “endlich mal was Solides”. Endlich mal einen guten Job machen können und nicht ständig darum zittern müssen, ob Objekt oder Verlag das nächste Jahr überleben. Weit gefehlt!

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Niklaus Meienberg (Teil 1):
“Wer will unter die Journalisten?”

Von Ronnie Grob, 24. Dezember 2007 um 9.09 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Große Geister dürfen erst dann als groß gelten, wenn sie tot sind. Solange sie noch leben, mag kaum jemand die Wahrheit ertragen, die sie äußern. So ging es auch Niklaus Meienberg, der seiner eigenen Art wegen ein Schreiberleben am Rande der Redaktionen zubrachte. Jetzt, 14 Jahre nach seinem Tod, wird er als einer der größten Journalisten gehandelt, den die Schweiz je hatte.

Niklaus Meienberg
Niklaus Meienberg 1983 in Zürich (Foto: Keystone)

Wer Meienbergs Text “Wer will unter die Journalisten - eine Berufsberatung 1972″ heute liest, merkt schnell, dass sich, was die Abschottung des Berufsstandes der Journalisten gegenüber Neulingen in 35 Jahren nicht viel geändert hat. Wie schrieb es Bernd Graff von der Süddeutschen Zeitung? “Die etablierten Medien verfügen über rigide Aufnahmeverfahren und praktizieren bei journalistischem Fehlverhalten im besten Fall Sanktionierungen.” Dabei garantiert es doch das Grundgesetz, dass jeder Idiot Journalist werden darf (Stefan Niggemeier in der taz).

Niklaus Meienberg schrieb dazu, nachzulesen im Sammelband “Reportagen I“:

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medienlese - der Wochenrückblick

Von Ole Reißmann, 23. Dezember 2007 um 12.57 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Süddeutsche verkauft, Kiewel gefeuert, erste Pin-Töchter insolvent und Zeit-Archiv geöffnet

Verkauft: Die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH) übernimmt weitere Anteile am Süddeutschen Verlag und damit der Süddeutschen Zeitung. Ende Februar 2008 soll die SWMH 81,25 Prozent am Verlag und damit am “Marktführer unter den überregionalen Zeitungen” (Tagesspiegel) besitzen. Zur SWMH gehören diverse Regionalzeitungen. “Nur der ungleich bekanntere Axel-Springer-Verlag bedient Tag für Tag mehr Leser in Deutschland”, schreibt Georg Merck in der FAS. Dort gibt es auch eine vereinfachte Darstellung der Beteiligungsverhältnisse, mehr über die SWMH beim Manager Magazin.

Gefeuert: ZDF und MDR trennen sich von Moderatorin Andrea Kiewel, nachdem ein PR-Vertrag mit der Firma Weight Watchers bekannt wurde. Bereits seit 2001, so der Spiegel, sei Kiewel im Dienst der Gewichtsabnehmer unterwegs. Die Zusammenarbeit habe sie aber später ihrem Arbeitgeber verschwiegen, so auch einen Vertrag vom November 2006. Ihre Botschaft von Diät-Erfolgen brachte sie unter anderem in den Sendungen “Kerner” und “Riverboat” unter. Im Januar warb sie auch in der Sendung “Lafer! Lichter! Lecker!”, das ZDF sendete versehentlich am Donnerstag eine Wiederholung. Als wäre das nicht schon peinlich genug, muss Kiewel nun ertragen, wie die Bild-Zeitung über sie und ihr Privatleben herzieht (kein Link, deswegen).

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Magazine im Dezember

Von Ole Reißmann, 21. Dezember 2007 um 11.32 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

Global mit Monocle, verliebt in Dummy, überrascht von Vnity Fr und auf Zeitreise mit Mare: Jetzt um Weihnachten könnte man, um Familie und Freunde zu besuchen, womöglich eine längere Zugreise vor sich haben. “Jetzt ‘ne Zeitschrift” - aber welche? Vier Vorschläge.

 vanityfair_cover.png

Nicht nur Zeitungen verkaufen ihre Titelseite, auch Magazine können dem Lockruf des Geldes nicht widerstehen: Die aktuelle Ausgabe der Vnity Fr, ähm, Vanity Fair ist mit einem doppelten Cover versehen. Die erste Seite mit ihren fehlenden Vokalen ist Teil einer Werbekampagne von BMW, die so einen neuen Flitzer bewerben. Das Wort “Anzeige” sucht man vergeblich. Das Heft, es trägt die “Nr. 1 / 20. Dezember 2007″, kostet dafür nur einen Anstands-Euro. Kurz nach Neujahr erscheint dann wohl “Nr. 2 / 3. Januar 2008″, die Nummerierung verstehe, wer will. Genug der Nickeligkeiten, denn der Jahresrückblick hat, wie versprochen, wirklich gute und schöne Bilder. Manchmal sind Überschriften etwas arg gewollt (”Bock auf Block!” zum Cruise-Film “Valkyrie”, “Titanische Gefühle” zur “MS Explorer”-Havarie, “Hart, aber Blair”), dafür gibt es die wichtigen visuellen Momente der Zeitschrift in einer Ausgabe gesammelt und die anderen können auf den Speicher oder zu Ebay gestellt werden.

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6 vor 9

Von Florian Steglich, 21. Dezember 2007 um 8.54 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Klageflut gegen Schäubles Schnüffel-Gesetz
(Süddeutsche Zeitung, Heribert Prantl)
“Es ist ein Sturm der Entrüstung: 70.000 Deutsche unterstützen eine Verfassungsbeschwerde gegen das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung.” - und man kann sich noch anschließen: Bis zum 24.12. beim AK Vorratsdatenspeicherung.

Die Worte der Verwirrten
(FAZ, Stefan Niggemeier)
“Nun ist nicht auszuschließen, dass Menschen, die dumm genug sind, für teures Geld an dieser Art Sendungen teilzunehmen, auch dumm genug sind, solche Antworten zu geben. Bemerkenswert aber ist, dass diese Menschen in außerordentlich überdurchschnittlicher Zahl ?Money Express? zu gucken scheinen und nicht die Programme der Konkurrenz.”

Warum wir Weihnachten Wiederholungen wollen
(welt.de)
“Sissi, der kleine Lord, die Hoppenstedts, Familie Heinz Becker – manche Sendungen gehören zu Weihnachten wie die Tanne und die Gans. Auch wenn wir längst wissen, wie es ausgeht, schalten wir jedes Jahr ein. Elf Autoren erklären, warum sie ihre Lieblingssendungen immer wieder gucken.”

Recherchieren und erzählen
(NZZ, Thomas Schuler)
” Als Tom Wolfe noch Reporter war, behauptete er, faktische Erzählungen lösten den Roman als vordringliche Literaturform ab. Sein «New Journalism» stand jedoch unter dem Generalverdacht, Fiktion und Fakten zu vermischen. Heute findet das Genre zurück zu seinen Wurzeln und erlebt als «erzählerischer Journalismus» ein Revival.”

Der Raub der Augsburger Puppenkiste
(faz.net, Alex Westhoff)
“Die Helden der Eltern aus der Augsburger Puppenkiste sind auch die Helden ihrer Kinder geworden. Viele der so liebevoll wie klar inszenierten Geschichten zwischen den Kistendeckeln sind zeitlos schön. Seit langer Zeit aber schon gibt es keine neuen Moritaten mit den Marionetten im Fernsehen mehr. Die Frage ist: Warum?”.

Vorratsdatenspeicherung interessiert Journalisten nur mäßig
(newsroom.de)
“Die 80 Teilnehmer einer Veranstaltung in Mannheim zeigten sich erstaunt, daß der Saal mit 300 Sitzplätzen nicht voll belegt sei. Insbesondere wurde kritisiert, daß sich die Journalisten sprichwörtlich an einer Hand abzählen ließen.”

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Schluss mit der Lektürefolter

Von Klaus Jarchow, 20. Dezember 2007 um 14.12 Uhr, 39 Kommentare Kommentare

Im Online-Journalismus gelten andere Regeln: Leser müssen angefixt und begeistert werden – und das muss nicht der Niedergang des Qualitätsjournalismus sein. Nur müssen Journalisten sich wieder als Autoren begreifen und nicht bloß als Content-Lieferanten. Klaus Jarchow gibt Hilfe zur Schriftstellung.

Das Zeitungsmachen roch früher nach Guttapercha und Fixogum. Überall standen die braunen Flaschen mit dem dicken verklebten Pinsel herum, aus dem Fotosatz trafen die Artikel in meterlanger Spaghettiform ein, die an den Layouttischen zu Spalten zusammengeschnitten und aufgeklebt wurden - und dann kam natürlich in der letzten Minute immer diese dicke Anzeige von Javaanse Jongens herein. Die sollte ausgerechnet auf die Doppelseite, die gerade für Repro und Druck zusammengefriemelt worden war. Schon musste wieder ein Artikel dran glauben: Er wurde erbarmungslos zusammengeschnibbelt. Und wehe, der Schreiber quakte!

In solchen antiken Arbeitszusammenhängen haben viele journalistische Schreibregeln ihren Ursprung, die heute noch gelehrt werden wie die zehn Gebote, obwohl sie Online keinen Sinn mehr machen. “Ein Text muss von hinten her zu kürzen sein“, lautet eine dieser Weisheiten. Deshalb habe sein Inhalt vom Wichtigen zum eher Unwichtigen fortzuschreiten. Ja, wieso und warum denn? Diese Regel bedeutet letztlich doch nur, dass ein Text immer langweiliger wird, je länger der Leser ihn liest.

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6 vor 9

Von Florian Steglich, 20. Dezember 2007 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Neuer Bertelsmann-Chef steuert Konzern um
(manager-magazin.de, Klaus Boldt)
“Der designierte Konzernchef Hartmut Ostrowski will nach Informationen von manager magazin den Medienkonzern Bertelsmann umbauen. Geplant sind etwa die Übernahme der Buchverlagsgruppe Harper Collins und der Verkauf der Beteiligung an Sony BMG. Zur Disposition könnte auch der Anteil am Verlagshaus Gruner + Jahr stehen.”

Sat 1 - Beinahe überflüssig
(FR Online, Jan Freitag)
Das ganze Elend von Sat 1 ausgezeichnet zusammengefasst: “So liest sich das Portfolio jenes Senders, der TV-Legenden wie Anke Engelke und Gerichtsshows, Sandra Maischberger und die Late Night, Erich Böhme und investigative Schäferhunde hervorbrachte, wie eine Liste des gediegenen Scheiterns.”

Journalismus und Internet - Online oder gar nichts
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
“In den USA stellen immer mehr Verlage ihre Printausgabe ein und auf Web um. Das Modell der Zukunft?”

When Will Google?s ?Big Project? YouTube Bring in Profits?
(Mediashift, Mark Glaser)
“While the site was sold to search giant Google for an eye-popping $1.6 billion in November 2006 there?s still one thing it hasn?t accomplished, by most people?s reckoning: profits.”

Ökologisch suspekt
(taz.de, Jenni Zylka)
“Internetportale mit Tipps für kritische Konsumenten liegen im Trend. An Werbung mangelt es ihnen nicht - deswegen aber an Glaubwürdigkeit”.

Lokalmedien - Heimatlos im Netz
(Spiegel Online, Jan Philipp Hein/Boris Hellmers)
“Internet-Unternehmen entwickeln unter Hochdruck lokale Dienste, doch die meisten Verleger regionaler Medien missachten die Gefahr: Ihre Webseiten hinken der Zeit chancenlos hinterher. Mit ihrem vermeintlichen Sparprogramm verschärfen sie die Krise ihrer eigenen Branche.”

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
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