Süddeutscher Verlag verkauft:
Gelungene Überraschung zu Weihnachten?

Von Wolf-Dieter Roth, 25. Dezember 2007 09:27 Uhr, 4 Kommentare Kommentare

Noch schnell vor Weihnachten wurde bekannt gegeben, dass der Süddeutsche Verlag nun doch erfolgreich verkauft wurde. Aber nur mehrheitlich, denn 18,75 Prozent der Anteile bleiben bei einem der Alteigentümer. Kehrt nun endlich Ruhe ein - oder geht es jetzt erst richtig los?

Als ich vor einigen Jahren bei einem Objekt des Süddeutschen Verlags anheuerte, dachte ich “endlich mal was Solides”. Endlich mal einen guten Job machen können und nicht ständig darum zittern müssen, ob Objekt oder Verlag das nächste Jahr überleben. Weit gefehlt!

Es wurde vielmehr spätestens jeden zweiten Morgen wieder aufgeregt diskutiert, die Kollegen rannten durcheinander wie eine kopflose Hühnerschar: Ein neues Gerücht machte die Runde. Arbeiten? Wozu denn noch? “Nächste Woche ist hier doch sowieso Schicht!” - “Wir werden verkauft!” - “Wir werden zugemacht” - “Der Standort wird geschlossen!” - “Wir müssen alle nach Norddeutschland umziehen!”. Und so weiter. Vor Weihnachten gab es regelmäßig dramatische Szenen bei Mitgliedern der Verlagsgruppe.

Erst nach über zwei Jahren trat endlich eine Beruhigung ein. Doch derartige Ruhe ist im Verlagswesen meist trügerisch: Plötzlich bekam die ganze Mannschaft die Papiere. Naja, alle bis auf einen: Dem hatten Kinder die Woche zuvor seinen Briefkasten mit einem Kanonenschlag demoliert. Deshalb hatte er das verbeulte und nicht mehr schließende Teil abgeschraubt und noch nicht für Ersatz gesorgt. Der Kurier, der die Kündigung einwerfen sollte, wußte ob solcher unüberwindbaren technischen Probleme nicht weiter und drehte unverrichteter Dinge um.

Dem somit nicht wirksam gekündigten Mitarbeiter unterstellte man nun kurzerhand, den Briefkasten selbst demoliert zu haben und kündigte ihn jetzt fristlos - wegen mutwilliger Sabotage der ordnungsgemäßen Kündigung. Wo kämen wir denn hin, wenn ein Deutscher seinem Arbeitgeber keinen vorschriftsmäßigen Postbriefkasten für die ja zuvor extra avisierte Kündigung zur Verfügung stellt, und den Unglücks-Boten auch nicht ersatzweise auf einen Kaffee einlädt? Sondern stattdessen auf einem Pressetermin weilt?

Die fristlose Kündigung nahm man später wieder zurück. Es war ja sowieso schon alles egal: Der Verlag hatte ernsthafte Probleme. In den guten Jahren waren keine Rücklagen gebildet worden. Nun drohte das Aus. Gerade erst die Kirch-Pleite, nun war beim Süddeutschen Verlag die Kreditlinie aufgebraucht, denn die Banken waren nun für Medienunternehmen gar nicht mehr freigiebig.

Dieser Wirtschaftsskandal blieb Bayern erspart: Mit der Südwestdeutschen Medien Holding GmbH (SWMH) in Stuttgart fand sich ein fünfter Investor, der den Verlag auf Kosten der Unabhängigkeit rettete. Glück gehabt!

Doch das Geld wollte immer noch nicht reichen. Was nun? Der neue Investor bot an, den vier Familien, die den Verlag bislang besessen hatten, ihre Anteile abzukaufen. Auch andere deutsche Verlage, unter anderem DuMont-Schauberg, WAZ-Gruppe oder gleich zwei Holtzbrinck-Brüder, wollten zuschlagen. Ganz abgesehen von “Heuschrecken“, reinen Finanzinvestoren.

Da sich die Preisvorstellungen der SWMH und der vier Familien deutlich unterschieden, kam die Sache ein Jahr lang nicht voran. Wieder wurde in den Redaktionen und Unterverlagen nervös diskutiert. Dringend notwendige Einstellungen aufgeschoben oder abgeblasen - macht der Chefredakteur sein Blatt halt ohne Redakteure, was solls? Es ist ja noch keine Zeitschrift mit weißen Seiten erschienen, oder?

Nun ist es doch geschehen - anscheinend mußte nur noch eine der vier Familien zustimmen. Eine der vier weigert sich auch, zu verkaufen - und stellt zukünftig eine Minderheit von 18,75%. Aber die Süddeutsche ist gerettet!

Ja, die Süddeutsche Zeitung ist gerettet. Aber auch der Süddeutsche Verlag? Das wird sich noch herausstellen. Zwar wurden einige Verlagssparten 2007 noch hektisch verkauft - zuletzt beispielsweise die ohnehin gebeutelten Buchverlage. Doch gehören zum Süddeutschen Verlag noch etliche Fachverlage und andere Objekte. Will der neue Mehrheitsinhaber diese ebenfalls - oder ging es ihm nur um die Süddeutsche Zeitung und der Rest kommt unter den Hammer?

Auch 2008 wird im Süddeutschen Verlag zunächst noch keine Ruhe einkehren. Und es bleibt beim bewährten Motto: “Im nächsten Jahr stellen wir ganz bestimmt entweder neue Leute ein - oder das Blatt!”. Außer die SWMH äußert sich bald und positiv zur Lage der Teile des Süddeutschen Verlags, die nicht Süddeutsche Zeitung heißen.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Klaus Jarchow

    schrieb am 25. Dezember 2007 um 09:52 Uhr (#)

    Es heißt, dass auch bei der Stuttgarter Zeitung, dem neuen ‘Kooperationspartner’ der SZ, große Veränderungen anstehen: Jürgen Dannemann, einer der letzten ‘Verleger-Geschäftsführer’ Deutschlands, wird wohl gerade in den Ruhestand geschubst, an seine Stelle soll Richard Rebmann vom ‘Schwarzwälder Boten’ treten, der keineswegs so harmlos sei, wie es der heimelige Zeitungsname vermuten ließe. Er gilt als bloßer ‘Kostenminimierer’. Viel Raum also für ‘modernen Qualitätsjournalismus’, sowohl bei SZ wie bei StZ …

  2. Klaus Jarchow

    schrieb am 25. Dezember 2007 um 09:54 Uhr (#)

    Oops - der ‘Dannemann’ heißt natürlich ‘Dannenmann’.


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