Lottmann für lau

Ole Reißmann, 15. Dezember 2007 18:13 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Es liegt noch keine drei Monate im Regal: Journalist und Popliterat Joachim Lottmann verschenkt sein Buch “Auf der Borderline nachts um halb eins” als PDF.

Joachim Lottmann
Lottmann-Buch: Gedruckt oder ausgedruckt?

Immer schön ablottern: Mit seinen radikal subjektiven Texten schrieb sich Kulturjournalist und Autor Joachim Lottmann an die Speerspitze der deutschen Popliteraten, seine Reportagen stehen in SZ, FAS, taz und Welt am Sonntag. Zuletzt erschienen die Bücher ?Die Jugend von heute? und ?Zombie Nation? von ihm.

Zum Beispiel die Geschichte über die Autorin Alexa Henning von Lange: Ganze 24 Stunden sollen die beiden miteinander verbringen. Der so entstandene Text handelt dann aber vor allem von Lottmann selber, der neben von Lange gleich eine ganze Ladung Bekannte in seinen alten Wartburg lädt und sich im Detail darüber auslässt, wie die Party-Planung vonstatten geht, wer wo mit wem – und warum nicht. Man muss so etwas schon mögen.

Dem Objektivitäts-Dogma der faktenorientierten Qualitätspresse setzt er bisweilen eine Melange aus gefühlten Erinnerungen und Zuspitzungen entgegen. Schließlich geht es Lottmann ?um das Festhalten eines diffusen Zeitgeistes, eines Gefühls das in der Luft liegt?, schreibt Daniel Erk auf jetzt.de - und das ist natürlich großartig überzogen, sehr böse und munter unterhaltend.

Das Buch

Sein aktuelles Buch “Auf der Borderline nachts um halb eins” versammelt 41 Texte, die ergänzt wurden um ausführliche und ausufernde Fußnoten. Das Buch gibt es für zehn Euro zu kaufen, etwa über den Verlag, oder als kostenloser Download. Mit dem Hinweis auf 25.000 verkaufte Exemplare stellte Lottmann das PDF zum Buch auf seinen Blog.

Das alte Papiermedium macht sich trotzdem schicker, nicht nur als Staubfänger im heimischen Bücherregal, sondern auch als Informationsträger: Allzu lieblos kommt das PDF daher, bisweilen stimmen die Zeilenumbrüche nicht, Kapitel fangen unten mit der letzten Zeile einer Seite an - Schusterjungen und Hurenkinder grüßen. Noch eine Warnung: Lottmann kolportiert in seinem Blog, ein Ausdruck der Datei mit einem Tintenstrahldrucker koste locker 40 Euro.

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