Welt am Sonntag:
Titelseite verkauft

Ronnie Grob, 2. Dezember 2007 22:03 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Heute lungerte ich auf der Suche nach Lesestoff in der Bäckerei rum. Zuerst guckte ich in den Spiegel, aber da stand “Magie des Forschens” neben gezeichneten Kindern. Also eine Sonntagszeitung. Da man nicht das halbe Blatt durchlesen kann, während einem die beschäftigungslose Bäckerin in den Rücken starrt, muss man sich wohl oder übel nach der Titelseite richten. Also, FAS, Tagesspiegel, BamS? Hm. Die B.Z. berichtet, dass sich Eisbärinnen in “die Höhle der guten Hoffnung” zurückgezogen haben, ein neuer Knut droht. Vielleicht die WamS? Was ist denn das? Ein Weihnachtsthema? Die Welt ist voller Wünsche? Karstadt erfüllt Wünsche?

Wams Titelwerbung

Welt am Sonntag TitelseiteDie richtige Titelseite sieht man erst auf Seite drei (da, wo früher ganz andere Dinger warteten, jedenfalls in Boulevardzeitungen).

Nichts gegen neuartige Werbeformen, aber wieso soll ich ein Produkt kaufen, dessen Inhalt ich suchen muss unter der Werbung? Das mich dazu noch mit vier Werbebeilagen belästigt, mit denen ich persönlich überhaupt nichts zu tun habe?

Vielleicht würde es mich auch stören, wenn es eine Gratiszeitung wäre - siehe auch «Pirate Daily» - die komplett unter den Haken gekommene Abendzeitung - aber ich habe für dieses Produkt heute 2.50 Euro bezahlt. Dafür hätte ich in dieser Bäckerei in Berlin-Friedrichshain 50! Schrippen erhalten. Was in sicher 5 Papiersäcke hätte gefüllt werden müssen. Die ich gratis dazu erhalten hätte.Welt am Sonntag mit Beilagen

Doch genug der Gedankenspielereien. Ich werde ein Blatt, deren Titelseite ich zuerst suchen muss, kaum wieder kaufen. Ist es nicht absurd, gleichzeitig anderswo für die Inhalte der Titelseite Werbung zu schalten - während man seine eigene Titelseite mit Werbung zupflastert?

Die Welt ist voller Wünsche. Und die Welt am Sonntag erst. Werbung ist wichtig, fast alle Medien leben davon. Ich zum Beispiel habe mir am Freitag einen Laptop gekauft wegen einer Werbung auf einer Website, die ich beruflich zwangsläufig sehr oft ansteuere. Wenn man aber seine Arbeit, seinen Journalismus, seine sich einsetzenden Mitarbeiter so mit Werbung überdeckt, dann muss man sich nicht wundern, wenn sich irgendwann alle davon abwenden. Die Mitarbeiter in die Gleichgültigkeit, die Leser hin zu anderen Produkten.

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