medienlese - der Wochenrückblick

Ronnie Grob, 11. November 2007 um 13.00 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Haldimann und Pflegeheim, Kiffer und IQ, PR und Wahrheit.

Das Zürcher Obergericht verurteilte vier Mitarbeitende des Schweizer Fernsehens, weil sie eine versteckte Kamera eingesetzt hatten. Chefredaktor Ueli Haldimann, einer der Verurteilten, schrieb in einem Blogbeitrag dazu, es werde “nach Vorliegen der schriftlichen Begründung” entschieden, ob man den Fall ans Bundesgericht weiterziehen wolle - ein Vorgehen, zudem seltsamerweise der Gerichtspräsident aufforderte, “damit nachher Rechtsklarheit herrsche”. Blick.ch schrieb sofort dazu einen hämischen Beitrag mit dem Titel “Muss ich bald im Pflegeheim arbeiten?” - ein Artikel, der im Gegensatz zum Text “Jetzt grabscht das Gesetz nach Haldimann” nicht mehr online ist. Dass ausgerechnet ein Boulevardblatt sich freut, wenn die Pressefreiheit eingeschränkt zu werden droht, ist befremdlich. Ist das die in unserer Gesellschaft verloren gehende Solidarität, von der Blick immer schreibt?

In der Woche ging es der Zeitung auch um Cannabiskonsumenten. Während sie am 23.07.2007 noch titelte: “Kiffer anfälliger für Schizophrenie“, hiess es am 07.11.2007: “Kiffende Schüler sind fitter – und schlauer“. Naja, wenigstens ist man sich einig bei “SMS und E-Mail machen blöd“. Dort steht: “SMS und E-Mail schreiben kann den Intelligenzquotienten vorübergehend um bis zu 10 Punkte senken. Zum Vergleich: Haschisch senkt den IQ ‘nur’ um 4 Punkte”.

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Verblassende Medien

Klaus Jarchow, 10. November 2007 um 9.32 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Distanz kann so erhellend sein: Gestern saß ich mit meinem Onkel zusammen, der eine ziemlich bewegte Vergangenheit als Polit-Hippie hinter sich hat. Irgendwann, als wir uns diskursiv in die Haare gerieten, holte er ein altes, verstaubtes Buch aus dem Regal: Es ist von einem gewissen Jerry Rubin, nennt sich ‘Do it!’ und schildert die Unruhen 1968 in Chicago während des Parteitages der amerikanischen Demokraten aus Sicht der ‘Yippies’, der radikalsten Gruppe unter all den kiffenden ‘Revolutionären’ und Sexmaniacs, die in dieser Zeit der Provokation und der absolut gesetzten Devianz jung waren.

Das Buch lag damals in jeder besseren WG auf dem Klo“, sagte mein Onkel, “auf einem Stapel mit Gilbert Shelton und dem ‘Medizinrad‘. Die erste Ausgabe trug das chinesisch-revolutionäre Gelbrot des März-Verlages, meine Ausgabe hier ist ein Nachdruck aus dem Trikont-Verlag“. Heute, sagte mein Onkel, halte er nicht mehr viel von den Puffmais-Ansätzen solcher Spontanrevolutionäre, spannend aber sei es, die Medienstrategien dieser Gruppen zu verfolgen, die damals virtuos und voller Innovationsfreude eingesetzt wurden, die so aber heute einfach nicht mehr umsetzbar wären.

JerryRubin

Wir alle setzten damals voll und ganz auf das Bild, das wir boten. Wer lange Haare trug, war revolutionär, der Afghan-Mantel und das bestickte Stirnband machten dich zum Staatsfeind“, sagte mein Onkel: “Kaum jemand macht sich heute noch einen Begriff davon, wie neu und wirkungsvoll das Fernsehen damals war, tagelang diskutierten wir über irgendetwas, was wir GESEHEN hatten“. Oder in Jerry Rubins Worten ‘himself’: “Das Medium ist nicht ‘neutral’. Die Gegenwart einer Kamera verwandelt eine Revolution, macht uns zu Helden. Wir riskieren mehr, wenn die Presse da ist, weil wir wissen, daß dann all unser Unternehmungen innerhalb von Stunden der ganzen Welt bekannt sein werden“.

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ORF:
Scheitert die “größte Programmreform aller Zeiten”

Markus Kirchsteiger, 9. November 2007 um 11.09 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Ein Jahr nach der ?größten Programmreform aller Zeiten? laufen dem ORF die Zuschauer in Scharen davon (-5.8% innert einem Jahr). Dabei kann der im August 2006 gewählte Generaldirektor Alexander Wrabetz durchaus auf erfolgreiche Reformen verweisen.

Als der Journalist und Moderator Armin Wolf im Mai 2006 das Klima im ORF scharf kritisierte, wusste er noch nicht, welcher Sturm sich über der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalt bereits aufbraute. In seiner Dankesrede bei der Verleihung des Robert-Hochner-Preises, einer nach dem gleichnamigen Journalisten benannten Auszeichnung, las ORF-Journalist Wolf seinem Arbeitgeber die Leviten.

In der ORF-Information sei ?extrem viel Macht? auf eine Person konzentriert gewesen und zwar auf den ORF-Chefredakteur Werner Mück. Die beiden größten Parteien, SPÖ und ÖVP, hätten zwar in der Geschichte des staatlichen Rundfunks schon immer Einfluss ausgeübt. Doch von diesem ?Gleichgewicht des Schreckens? sei ?nur mehr Schrecken übrig? geblieben unter der Führung von Mück und Generaldirektorin Monika Lindner, die beide als bürgerlich, also ÖVP-nahe galten.

Wolf forderte in seiner Rede mehr innere Pluralität im ORF und untermauerte seine Mahnung vor einseitiger Berichterstattung damit, dass die Informationssendungen des ORF enorme Bedeutung für die Österreicher hätten:

Mehr als zwei Drittel der Österreicher sagen, das Fernsehen sei für sie die wichtigste Informationsquelle über Politik. Und für etwa ebenso viele Menschen ist das Fernsehen das glaubwürdigste Medium. Aber in der Fernseh-Information über österreichische Politik hat der ORF nach wie vor de facto ein Monopol.

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6 vor 9

Ronnie Grob, 9. November 2007 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Schlecht gelaunter Faust am Montagmorgen
(bildblog.de, Nils Minkmar)
“Kai Diekmann ist berühmt, reich, hat eine nette Familie und macht einen Job, der schon ganz andere verschlissen hat. Wann also schreibt der Mann ein Buch? Und vor allem: Warum?
So lassen sich die Reaktionen der versammelten Buchbranche auf die Verlagsankündigung zusammenfassen.”

“Datenschutz ist ungeil”
(neuegegenwart.de, Björn Brückerhoff)
Interview mit dem Journalisten und Schriftsteller Peter Glaser.

Aufgeplusterte Mitteilungen
(dradio.de, Stefan May)
Der Sprechtrainer und frühere Journalist Markus Reiter wirbt in seinem Buch für eine einfache und verständliche Sprache. Er polemisiert gegen die gezielt eingesetzte Phrasendrescherei von Politikern, Marketing-Experten, Wissenschaftlern und Medienleuten. Dabei nennt er Worte wie “Innovation”, “Priorität” oder “Nachhaltigkeit”, die vieles aussagten und nichts.

Das BKA will aufräumen
(freitag.de, Otto Köhler)
Wie das Bundeskriminalamt mit seiner derzeitigen Selbstreinigung dem “Spiegel” ein Problem schafft.

10 Blogs und ihre Einnahmen im Oktober 2007
(selbstaendig-im-netz.de, Peer Wandiger)
Neben meinen eigenen Blog-Einnahmen und -Statistiken schaue ich jeden Monat auch auf andere Blogger und deren Erfolge. Das möchte ich natürlich auch diesen Monat wieder tun. Also folgt mir zu den reichen und den ?möchte gern bald auch so reich sein?-Bloggern.

Die 10 wichtigsten Gründe nicht zu bloggen
(slideshare.net/horbach)
Eine etwas ironische Aufzählung.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Barcamp Berlin 2007:
11 Fragen an Cord Behrens

Ronnie Grob, 8. November 2007 um 22.30 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Cord Behrens, 29, mikestar.com

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Studie beweist:
Medienblogs haben eine höhere journalistische Qualität als Online-Zeitungen

Ronnie Grob, 8. November 2007 um 9.29 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Schöner Titel, nicht? Genau so wird doch im Allgemeinen von (Online)-Zeitungen mit Studien umgegangen. Man guckt schnell ins Fazit und bastelt sich daraus einen knackigen Titel.

Aber da die Originalquelle online verfügbar ist, kann nun jeder selbst gucken gehen und sich eine Meinung bilden. Wie das Mazblog, die “digitale Arbeitplattform der Schweizer Journalistenschule”, schreibt, hat sich Andres Hutter bei seiner Lizenziatsarbeit für die Uni Zürich mit Medienweblogs beschäftigt. Der Titel der Arbeit heisst:

Verbesserte Medienkritik oder Pseudo-Journalismus. Eine inhaltsanalytische Studie journalistischer Qualität in medienkritischen Weblogs” (pdf-File, 1216 kb)

Beschäftigt hat sich die Studie mit den Medienweblogs Bildblog, Blattkritik, Daily Error, gesammelte Bazismen, “heute” Satiremagazin, Medienspiegel, Österreichblog, Ostsee-Zeitung-Blog, Pendlerblog, Spiegelkritik sowie den Online-Zeitungen NZZ, FAZ und die Presse.

Wir wollen es uns aber doch nicht nehmen, ein paar Sätze aus dem Fazit zu zitieren (die uns natürlich freuen):

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6 vor 9

Ronnie Grob, 8. November 2007 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Die drei Krisen der Zeitung
(spiegel.de, Robin Meyer-Lucht)
Die Zeitungen scheinen den Höhepunkt ihrer Krise überwunden zu haben - doch die zunehmend demonstrative Fröhlichkeit ist noch immer ein Pfeifen im Walde. Zwar erholen sich die Anzeigenumsätze - doch die Printpresse steckt nicht nur in einer Krise, sondern gleich in dreien.

«Die News-Plattform ist für alle Medien offen»
(werbewoche.ch, René Worni)
Das auf Frühjahr geplante News Netzwerk von Tages-Anzeiger, BaZ und BZ zeigt erste Konturen. Projektleiter Res Strehle sagt, wie er sich das schweizweit grösste Medienportal vorstellt und wo das Projekt derzeit steht.

Armes reiches Mädchen
(woz.ch, Werner Aeschimann)
Man reagiert halt immer eine Spur gereizter, wenn die Medienmaschinerie wieder einmal so richtig heftig produziert. Wie kürzlich bei diesem «reichen und doch armen, traurigen Mädchen» («L’Equipe»), das eine Zeit lang am elegantesten und optimal einen Tennisball über die Netzkante zu spielen pflegte.

Amis müssen über alte TV-Gags noch mal lachen
(welt.de, Uwe Schmitt)
Weil die streikenden Gaglieferanten nichts liefern, laufen im US-Fernsehen Wiederholungen von Late-Night-Shows. Manche Witze von Vorgestern sind immer noch gut. Moderator Jay Leno hat die Streikposten besucht. Und eine der Desperate Housewifes spendierte Pizza.

Privatsphäre 2.0
(jungle-world.com, Elke Wittich)
Das Private war mal politisch und ist heute vor allem internet-affin. Warum Datenschutz bei vielen Usern kein Thema ist.

Web-2.0-Expo: Zwischen Euphorie und Blase
(sueddeutsche.de, Johannes Kuhn)
Ein Schlagwort feiert sich selbst: In Berlin will Internet-Guru Tim O?Reilly das neue Web vorantreiben - doch die wichtigen Fragen kann er nicht beantworten.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
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Barcamp Berlin 2007:
11 Fragen an Falk Lüke

Ronnie Grob, 7. November 2007 um 22.38 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Web 2.0 Expo Berlin:
Graue Wolken 2.0

Ronnie Grob, 7. November 2007 um 11.55 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

Die Web 2.0 Expo in Berlin findet auf einem riesigen Messegelände statt. Von dem werden aber nur wenige Räume eines Gebäudes genutzt. Ein Zwischenbericht.

Die Leute hier sind etwas traurig.

Regen
(Symbolbild)

Weil sie 1300 Euro (oder 670 Euro) bezahlt haben, um an diesem Event dabei zu sein.

Weil diese aber in Pfund abgezogen wurden.

Weil man, um sich darüber zu beklagen, in den USA anrufen muss.

Weil man dann nur eine weisse Tüte als Mittagessen kriegt, in dem sich ein Sandwich, ein Apfel, eine Tüte Wasser und ein süsses Stück mit Schokolade und einer Haselnuss drin befinden (so das Menu am Dienstag, hier ein Bild von einem anderen Tag).

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6 vor 9

Ronnie Grob, 7. November 2007 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Web 2.0 in der Schweiz – Realität oder nur Schlagwort?
(maz.ch, pdf, 1099 kb)
Wie setzen hiesige Unternehmen und Organisationen neue Online-Kommunikationsmittel ein? Das Interesse für Podcasts, Weblogs, Feedbacks, benutzergenerierte Inhalte, Austauschplattformen, Wikis etc. ist da, die Nutzung jedoch noch zurückhaltend. Dies zeigt die repräsentative Studie von MAZ und Bernet PR vom Nov. 2007.

Krankheit als Metapher
(perlentaucher.de, Robin Meyer-Lucht)
Über Frank Schirrmachers Internetrede.

Das Mitleid-Prinzip
(tagesspiegel.de, Harald Martenstein)
Unerfreuliches durch Verschweigen bekämpfen? Michel Friedman macht das einzig Richtige, um der NPD zu schaden: Er redet mit ihr. Auf fast 90 Seiten ist nun sein Interview mit dem Neonazi-Anwalt Horst Mahler einsehbar.

“Je mehr, desto besser” ist das Credo der Mediaplaner
(derstandard.at, Susanne Kristek)
Susanne Kristek über ÖWA Plus: Die Beweisführung über die Leistung seines Werbeträgers anzutreten ist ein Must-Have, das jede Website erfüllen sollte.

Das Schlachtfeld des Web 2.0
(focus.de, Torsten Kleinz)
Er gilt als der Erfinder des Begriffs ?Web 2.0?: Nun kündigt Verleger Tim O´Reilly heftige Konkurrenzkämpfe im neuen Internet an.

Schock deine Kinder, lies ein Buch
(sueddeutsche.de, Viola Schenz)
Gibt es etwas Peinlicheres, als die eigene Mutter beim Bravo-Lesen zu erwischen? Warum Jugendmagazine existenziell bedroht sind und ihnen neben Lesern auch die Stars abhanden kommen.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

 
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