6 vor 9

Ronnie Grob, 22. November 2007 08:54 Uhr, 6 Kommentare Kommentare

“Ich mag überhaupt kein Schlampen-TV” (Lesetipp)
(welt.de, Antje Hildebrandt)
Margarete Schreinemakers kehrt zurück. Vier Jahre nach ihrem letzten Comeback-Versuch in der ARD sendet sie im Frühjahr 2008 Internetfernsehen aus dem eigenen Kellerstudio. Im Interview mit WELT ONLINE spricht sie über ihr Leben als Workaholic und ihre neuen Pläne.

Die verschwiegene Investitionslücke
(werbewoche.ch, Karl Lüönd)
Nach den mageren Jahren ist wieder Zeit zum Investieren. Die Verleger tun es einmal mehr am falschen Ort.

Klimakiller Qualitätsjournalismus
(oe1.orf.at, Lukas Wieselberg)
Nach gängiger Meinung findet Qualitätsjournalismus im deutschen Sprachraum nur in Zeitungen statt.

Die Industrialisierung des Denkens
(telepolis.de, Rüdiger Suchsland)
Über den Verfall politisch-kultureller Information.

Wir holen den großen Bruder!
(jungle-world.com, Ron Steinke und Tobias Singelnstein)
Eine grundsätzliche politische Kritik an der Vorratsdatenspeicherung findet kaum statt. Ihre Gegnerinnen und Gegner begnügen sich damit, auf einen Einspruch des Bundesverfassungsgerichts zu hoffen.

Chaotisch - Die Turbulenzen beim Spiegel
(ndr.de, Video, 16:05 Minuten)
Der Spiegel hat schon immer für aufregende Schlagzeilen gesorgt - vor allem in eigener Sache. Das Montagsmagazin von Übervater Rudolf Augstein funktioniert auf eine einzigartige Weise: Denn über die Hälfte der Anteile gehören der Redaktion selbst. Diese Mitarbeiter KG hat nun für ein mediales Erdbeben gesorgt - in dem sie überraschend Chefredakteur Stefan Aust entmachtet hat. Sein Vertrag wird - anders als erwartet - nicht verlängert. Im und außerhalb des Spiegels reibt man sich nun die Augen: Warum der Putsch? Warum die Geheimhaltung? Und wer bloß könnte das Blatt in die Zukunft führen? Zapp über die Chaostage beim Spiegel.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

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6 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Jean-Claude

    schrieb am 22. November 2007 um 11:41 Uhr (#)

    “Die verschweigene Investitionslücke”.

    Jaaa, Karl Lüönd, jaaa! Jede Zeile sitzt und stimmt. Aber warum müssen das so alte Schlachtrösser (sorry, ist als Lob gedacht) wie Sie schreiben? Wo bleibt denn der Zorn des journalistischen Jungvolks? Wo sind denn diese ganzen Jungdynamiker? Warum schlagen sie in ihren Verlagen nicht endlich auf den Tisch, und zwar so, dass es kracht? Es ist ja schliesslich ihr Selbstverständnis, ihre Selbstachtung, ihre Existenz, um die es geht. Kapieren die das nicht?

  2. Ronnie Grob

    schrieb am 22. November 2007 um 17:26 Uhr (#)

    @Jean-Claude: Vielleicht haben sie Angst, entlassen zu werden. In Firmen, deren Geschäftsmodell nicht mehr den Zeitgeist trifft und die sich umstrukturieren müssen, um zu überleben, arbeiten Bosse, die nervös sind. Und oft nicht unterscheiden können, welche der vielen Vorschläge der vielen Berater und Mitarbeiter die richtigen sind. Irgendwann müssen dann Einschnitte gemacht werden und dann müssen in der Regel zuerst die gehen, die sich als “schwierig” erwiesen haben. Und “schwierig” ist schnell mal jemand, der selbst denkt. Wer sich “loyal” zeigt und de facto den desinteressierten Mitläufer macht, muss in der Regel nicht so schnell gehen (weil er vergessen wird).

    Ich weiss ja nicht, was man an den Journalistenschulen lernt, aber selber denken und diese Gedanken auch durchsetzen, selbst wenn es beim Versuch bleibt, offenbar nicht.

    Grundsätzlich frage ich mich das Gleiche: Wo ist es denn, das unzufriedene “journalistische Jungvolk”? Wo sind sie, die “Jungdynamiker”? Gibt es sie überhaupt? Muss man sich überhaupt mit 25, dazu noch während einer Hochkonjunktur, ängstlich an seinen Job klammern? Oder hat man wirklich nichts zu sagen? Und ist man dann nicht im falschen Beruf?

  3. Wolf-Dieter Roth

    schrieb am 22. November 2007 um 22:48 Uhr (#)

    Hochkonjunktur???? In welchem Land lebst Du denn, Ronnie? Ich merke grad mal, daß überhaupt Konjunktur ist und nicht mehr Depression. Aber Arbeit ist im Journalismus so oder so eigentlich immer genug da, nur am Geld mangelt es. Das allerdings ändert sich bei Konjunktur nicht, schließlich ging es ja auch vorher mit wenig Geld.

    Ja, Journalisten sollen kritische Artikel schreiben, die bei den Lesern gut ankommen.

    Und ja, Verlage mögen aber genau solche Mitarbeiter ganz und gar nicht. (”Er ist ein kritischer Mitarbeiter” im Zeugnis ist übrigens ein vernichtendes Urteil!).

    Deshalb ist mein vorletztes Buch nun auch nicht mehr bei dem Verlag zu haben, der es in Auftrag gab und wird dort nun sogar totgeschwiegen. Weil man nämlich über Abzock-Abmahnanwälte im lieben Deutschland nichts Negatives sagen darf. Das könnte dann nämlich den Verlag Geld kosten. Und das mag der Verlag überhaupt nicht. Wenn das Buch dagegen unbekannt bleibt und die Abmahnanwälte so weiter ungestört abkassieren können wie bisher, nerven sie den Verlag nicht. Denkt der jedenfalls. Ist meist ein Irrtum.

    Und ja, im Journalismus wird gefeuert, was das Zeug hält. War schon Henry Nannen für berühmt. Wobei der dann schon mal gerade Gefeuerte, die nicht schnell genug die Beine in die Hand nahmen, wieder einstellte. Das machen heutige Verleger nicht mehr. Mitarbeiter kosten nämlich Geld, also sollen lieber halb soviele doppelt soviel arbeiten.

    Das Jungvolk ist nicht unzufrieden. Das kommt erst mit der Erfahrung. 40jährige werden nicht deshalb weniger gerne eingestellt, weil sie langsamer sind. Sind sie nämlich nicht. Auch nicht, weil sie teurer sind. Sondern, weil sie sich nicht mehr alles gefallen lassen.

    Ist man im falschen Beruf, wenn man als Journalist schön brav still ist? Von Lesersicht aus ja. Aber wer fragt schon die Leser?

  4. Ronnie Grob

    schrieb am 23. November 2007 um 07:31 Uhr (#)

    @Wolf: Wie die Konjunktur so aussieht, ist immer Ansichtssache. Aber gegenüber 2004 sieht 2006 in den meisten Ländern besser aus (Wikipedia:Arbeitslosenstatistik, Schweiz: -0.5%, Deutschland: -1.5%). Und ich kann mich an Arbeitslosenzahlen von um die 10% erinnern.

    Dass es am Geld mangelt, glaub ich auch nicht. Es wird nur falsch ausgegeben (da, wo man es hat).

  5. Wolf-Dieter Roth

    schrieb am 23. November 2007 um 07:54 Uhr (#)

    @Ronnie: Die Werbeinnahmen steigen durch die Kunjunkturbesserung nicht an, weil die Unternehmen nun denken, na es ging doch die letzten Jahre auch ohne Anzeigenschaltungen, dann lassen wir das doch so.

    Eine Kollegin wollte mich vor 8 Jahren zu einem Händlermagazin locken, nachdem mein Blatt “PC-ONLiNE” aus strategischen Gründen (Verlag zum Verkauf schlanker machen) unsinnigerweise mitten im Dotcom-Boom, also im denkbar blödsinnigsten Moment, ohne Not zugemacht worden war.

    Ich habe es damals nicht gemacht, weil ich nicht alle 2 Jahre den Arbeitgeber wechseln wollte, auch wenn das damals üblich war. Blieb bei dem Verlag, und zwar bei dem Teil, der nicht verkauft werden sollte.

    Habe sie gestern abend mal wieder getroffen. Jetzt klingt sie zwar immer noch begeistert, weil sie jetzt TV macht und das gefällt ihr. Aber:

    a) Das Magazin macht heute neben Print noch TV, Newsletter, Online, bald wohl auch noch Blogs, Podcasts, Direktwerbung … wann die arme Zielgruppe, die Händler, das alles überhaupt konsumieren und dabei trotzdem noch ihren Job machen soll, weiß man nicht, die Newsletter kommen morgens, mittags, abends, immer in HTML zum Nachladen und Rumklicken, also für den Leser so richtig nervig, um Hits zu machen. Die meisten bestellen das Zeug inzwischen ab (Newsletter und Blatt), weil es sie nervt.

    b) sie machen das mit der Hälfte an Redakteuren wie 2000

    c) trotz Todesfall wird niemand neu eingestellt. Der Chefredakteur ist auch weg, wurde aus den eigenen Reihen ersetzt, also allein dieses Jahr 2 Kollegen weniger.

    d) wenn doch noch wer eingestellt würde, gäbe es auch kein Tarifgehalt mehr. Das wurde bei der Verlagsgruppe vor einiger Zeit abgeschafft.

    Und das ist jetzt kein Negativbeispiel, sondern nur ganz normaler Durchschnitt.

    Also bei den Medien gibt es keine Konjunktur. früher lief die immer so 2 Jahre hinter der allgemeinen Konjunktur hinterher, jetzt ist einfach dauerhaft Rumgedümpel angesagt. Angeblich ist ja Online Schuld, aber das dümpelt mit.

    Vor einigen Monaten bewarb ich mich als Chefredakteur für eine Fachzeitschrift. Die zweite Frage im Interview (die erste war, ob ich eine gute Fahrt hatte) war “Glauben Sie eigentlich, daß so eine Zeitschrift noch eine Zukunft hat?” Ich hätte beinah geantwortet “Glauben Sie, daß ich sonst heute hier wäre?”, aber so etwas wird dann doch nicht so gut angenommen…vermutlich wird die Zeitschrift mit dem Ausscheiden des jetzigen Chefredakteurs, der mich gerne als Nachfolger hätte und bald in Rente geht, eingestellt. Vor 15 Jahren war es in ihrem Markt eine der wichtigsten Fachzeitschriften.

  6. Jean-Claude

    schrieb am 23. November 2007 um 10:19 Uhr (#)

    @R Ronnie, es hat wohl keinen Sinn, dass wir uns hier gegenseitig selbst bestätigen. Ich kann nur sage: Du hast recht. Aber warum melden sich Betroffene nicht? Weil sie sich nicht betroffen fühlen? Ich kann mir so viel Ignoranz gar nicht vorstellen.

    Nochmal zurück zu dem in diesem Blog zitierte Kommentar von Karl Lüönd, wirklich ein alter Kämpfer im Journalismus, dem man nicht mehr viel vormachen kann. Sein Text ist alarmierend, aber auch resignierend.

    Erstens: Der Text erschien in der “Werbewoche”, die Fachzeitschrift der Werber. Die machen sich mehr Gedanken über die Irrungen im real existierenden Journalismus als die Journalisten selber. Das darf wirklich nicht wahr sein!

    Zweitens: Es sind Sätze drin, die jeden Journalisten aufheulen lassen müss(t)en, weil sie an die Substanz ihres Berufs und an ihre Selbstachtung gehen. Zum Beispiel:”Verleger und vor allem Journalisten würden erschrecken, wenn sie einmal zuhören könnten, wie über sie, über ihre Kompetenz und ihre Reputation in den Chefetagen geurteilt wird.”

    Ich weiss, dass Lüönd Recht hat, weil ich die gleichen Erfahrungen auch schon gemacht habe. So etwas muss doch jedem Journalisten in die Knie einfahren. Und zumindest muss von dieser Seite mal die Frage kommen: Hallo, was ist hier los? In welchem Film sind wir gelandet? Stimmt das, was die hier behaupten? Wo liegen die Ursachen usw.?

    Drittens: ein weiteres Zitat. In Politik und Wirtschaft werde die wachsende Zahl von Spin Doctors und Medienberatern im Umgang mit Journalisten von Auftratgebern so instruiert:”Füttert den Drachen, aber haltet uns die blöde Bande vom Leib.”

    Und das Grösste: “Die blöde Bande” lässt sich das alles offenbar widerspruchslos gefallen.

    Ich nehme gerade den “Tages-Anzeiger” zur Hand, einer der zwei grössten Tageszeitungen des Landes. Frontaufmacher von heute:”FCZ-Fans entführten einen Anhänger des Grashopper-Clubs”.

    Eine wirre, dümmliche Geschichte, die durchaus einen ernstzunehmenden Hintergrund haben könnte, nämlich : Rasten die heimischen Fussballfans vor der Euro 08 aus? Aber darüber steht im Fronaufmacher kaum was.

    Lüönd hat Recht!


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