medienlese - der Wochenrückblick
Wehrmut, Bloggen als Beicht-Instrument, Alien-Geschöpfe.
Das Schweizer Portal persoenlich.com jubelte über eine Studie, in der 75 Prozent von 1367 Befragten aus Deutschland angaben, dass sie die gedruckte Tageszeitung auch in Zukunft für unverzichtbar halten. In einer ersten Fassung hiess der Untertitel: “Trend geht zu Printmedien zurück“. Wohl etwas gar mutig, denn in der zweiten Fassung heisst es jetzt: “Tageszeitungen bleiben unverzichtbar”. Dafür musste Uli Rubner, wohl unfreiwillig, lesen, die “Eintstellung” von “Facts” bleibe ein “Wehrmutstropfen“. Wir, auch nicht fehlerlos, verweisen auf die Unterkategorie “Beliebte Fehler” von korrekturen.de.
Wie sagte ein Springer-Manager, hinter vorgehaltener Hand aber im vollen Ernst, vor 3 Jahren, dem facts.ch-Macher Christoph Lüscher? “Dieses Internet wird irgendwann wieder verschwinden, hoffe ich manchmal, wenn ich Abends nach Hause gehe”.
DerWesten startete, und Christian Jakubetz fasste es so zusammen: “Journalistisch jedenfalls - und noch reden wir auch im Netz in erster Linie von Journalismus und nicht von Gimmicks - ist der Westen zumindest am Tag 1 nahe an der Bankrotterklärung.”
Nina Hagen wurde in eine Talksendung über UFOs eingeladen und war prompt unhöflich - wer hätte das gedacht. Sie bezeichnete den Wissenschaftsjournalisten Joachim Bublath als “Alien-Geschöpf”, worauf dieser “Ich fühle mich hier wie in einem Kuriositäten-Kabinett” sagte und die Runde verliess.
Julian Popov schrieb in Dvenik, einer bulgarischen Zeitung: “Bloggen ist ein globales Beicht-Instrument. Man kann Wut entschärfen, öffentlich Fehler bereuen und der Welt Fakten verkünden, die es nicht in die Zeitungen schaffen. Politiker haben offensichtlich begriffen, dass sie über Blogs und YouTube die ansonsten desinteressierte Nation erreichen können.”
In Russland gibt es gemäss RIA Novosti insgesamt etwa drei Millionen Blogs und 770 Blogservices: “Die russischsprachige Blog-Community wächst schneller als die globale und hat sich im letzten Halbjahr um 74 Prozent vergrößert, während das weltweite Wachstum bei 41 Prozent lag.”
Die Welt schrieb über einen Elefanten, dem “US-Forscher” 1962 LSD gespritzt wurde, in einer 3000fachen Dosis, die einem Menschen hätte zugemutet werden können: “Der Elefant trompetete laut, kippte um und starb innerhalb einer Stunde. ‘Offenbar reagieren Elefanten sehr empfindlich auf LSD’, folgerten die Wissenschaftler.”
Eine weitere Schweizer Gratiszeitung wurde angekündigt, die 100 angeblich informativsten Blogs wurden gerankt und Jacques Pilet war “besorgt, wie das Fernsehen die Zuschauerzahlen um jeden Preis hochzutreiben versucht”.
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5 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
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(4. November 2007 10:46)
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Klaus Jarchow
Kommt mir das jetzt nur so vor - oder bist du tatsächlich in diesen Bullshit-Orkan geraten, der fast täglich die Hänge von Old Media zu uns Talbewohnern hinabzubrausen pflegt?
N.N.
Dieter Moor is back! Habe ihn erstmals heute wieder im TV gesehen - angekündigt wurde das schon früher. Endlich hat der vormalige Kunststücke (ORF) Moderator wieder ein Format, das ihm entspricht. Für Night Moor (SF) war er schlicht zu gut. Nun gesehen in ttt (ARD): da sage ich einfach nur: Danke, danke, danke.
Bringt mir noch Frank Hoffmann zurück (Trailer, ORF; Round Midnight, Ö3) und die Welt von TV, Radio ist für mich wieder i.O.!
Jean-Claude
@Klaus, in der Schweiz ging kürzlich die fünfte nationale Sonntagszeitung an den Start - und ist ziemlich erfolgreich - und das in einem Markt von 7 Mio. Menschen. Wochenzeitungen sind doch jene Mediendinosaurier, die überhaupt keine Ueberlebenschance mehr haben, nicht wahr? Demnächst wird die siebte Gratis-Tageszeitung auf den Markt kommen. Der Print ist sowas von tot. Mein Gott, ist der tot. Gell?
Im übrigen: Die Leserbriefspalten der Sonntagszeitungen sind so reichhaltig wie kaum ein Blog. Das spricht alles überhaupt nicht gegen das Internet, sondern dafür, dass der Print noch lange, sehr lange eine wichtige Rolle spielen wird. Ja und?
Diese alberne Konfrontation Internet gegen Print sollte man auf medienlese nicht weiter fortsetzen. Sie bringt einfach nichts, weil sie realitätsfern ist.
Nach meiner Wahrnehmung hat der Bullshitorkan seine Richtung geändert …
Klaus Jarchow
@Jean-Claude: Mir ging es ja nur darum, zu zeigen, aus welcher Richtung der Wind meist weht bei dieser zugegebenermaßen höchst ermüdenden Diskussion um Print und Blogs. Wenn’s mal andersherum käme - mein Gott, wer austeilt, der muss auch einstecken können …
Jean-Claude
@Klaus : Naja, die Argumentation sollte schon Hand und Fuss haben. Auch in einem Blog.