6 vor 9

Ronnie Grob, 12. Oktober 2007 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

«Es könnte doch noch alles gut werden»
(nzz.ch, Leif Kramp und Stephan Weichert)
Die Revolution im Mediensektor erschüttert die klassischen Zeitungen. Während Verlegerfamilien das Interesse an ihren Blättern verlieren, sehen Finanzinvestoren Renditechancen.

Vom Klassenkampf zum Kuschelkurs
(bilanz.ch, Dominik Flammer)
Viele Grossunternehmen inserieren nicht mehr im «Blick» – eine Folge der Kampagnen gegen Marcel Ospel oder Jürg Maurer. Nun will der Verlag wieder ins Geschäft kommen.

Treibhaus Berlin
(tagesspiegel.de, Lisa Wandt)
Wie sich Journalisten gegen Beeinflussung wehren.

Kilz geht in Verlängerung
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der Chefredakteur der “Süddeutschen” bleibt bis 2010. Wem das Blatt dann gehören wird, ist weiterhin offen.

Begnadet gehässig
(sueddeutsche.de, Alex Rühle)
Der Schriftsteller Maxim Biller ist mit “Esra” ein Fall fürs Verfassungsgericht geworden. Der Prozess um Persönlichkeitsrecht und Kunstfreiheit wird Rechtsgeschichte schreiben - egal wie das heutige Urteil ausfällt.

Seltene Wörter verändern sich am schnellsten
(spiegel.de, Holger Dambeck)
Linguisten beschreiben die Entwicklung von Sprachen gern auch als Evolution. Mit mathematischen Methoden haben Forscher jetzt bewiesen, dass Wörter im Grunde nichts anderes als Gene sind - und sogar den gleichen Gesetzen gehorchen, die in der Biologie gelten.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

“Die FIFA - Macht und Machenschaften im Weltfußball”

Ronnie Grob, 12. Oktober 2007 um 0.17 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Eine ARD-Dokumentation will sich mit dem Weltfussballverband FIFA beschäftigen. Da sich aber alle Beteiligten in Schweigen hüllen, steht der Präsident im Zentrum, Sepp Blatter. Neues bietet die Recherche kaum.

Fünf Jahre wurde recherchiert für “Das Schweigen der Quandts“, zwei Jahre für “Die FIFA - Macht und Machenschaften im Weltfußball“. Wir schauten zu und bloggten mit.

22:50: Die Sendung sollte beginnen, doch es laufen die Tagesthemen. Nicht mal die festen Sendeplätze sind feste Sendeplätze.

23:00: Das Wetter. Hochnebel.

23:04: Die Sendung beginnt mit Bildern der Weltmeisterschaft und Sepp Blatter, der meint, dass der Fussball eine bessere Welt schaffen sollte.

23:06: Gemäss Aussage eines Funktionärs hat Sepp Blatter die Weltmeisterschaften erfunden hat. War er denn 1930 schon auf der Welt? (Nein.)

23:07: Ein Gegensatz: Die FIFA wird als prunkvoller Verein präsentiert, Blatter aber präsentiere sich als der “Anwalt der Unterprivilegierten”.

23:08: Jedes Land, egal wie klein, erhält jährlich 250.000 Dollar von der Fifa. Ganz schön viel.

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Sind Makromedien lernfähig?

Klaus Jarchow, 11. Oktober 2007 um 18.39 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Ein Blog - das Mikromedium schlechthin - lebt und stirbt mit seinem Schreiber (oder seiner Schreiberin). Dessen Weltsicht und dessen Stil sind es, mit denen er - oder sie - Leser gewinnt. Könnte unter diesen Umständen die Anwendung auf den real existierenden Journalismus irgendwelchen Sinn machen?

Eindeutig sind diese Weblogs Medien, die freiwillig gelesen werden. Und zwar keineswegs wegen ihres Aktualitätsgehalts oder ihrer Recherchetiefe. Nur selten treffen wir auf einen Blogger aus Birma, der uns mit Vor-Ort-Bildern versorgt. In den meisten Fällen geben Blogger bloß ihren Senf zur existierenden Agenda hinzu. Dann sind es der individuelle Stil, der Witz und der Charakter des bloggenden Alter Egos, die für den Zuspruch sorgen.

Betrachten wir die Blogs versuchsweise als Vorbild, dann hieße die zwingende Folgerung für den Journalismus, dass er ebenfalls stärker ‘personenzentriert’ oder auch ’schriftstellerisch’ verfahren muss, statt ein obsolet gewordenes Objektivitätsideal noch länger so zu polieren, wie der Rentner seinen Opel Kadett. Die ‘Marke’ einer Zeitung, das wären unter heutigen Umständen gewissermaßen ‘die Namen, die sie im Schilde führt’.

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Seht her, junge Leser

Ole Reißmann, 11. Oktober 2007 um 12.26 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

fpf

Titelseiten am Dienstag (9.10.2007)

Ein Nachtrag zu den kleinen Änderungen bei der FAZ: Die Ausgabe vom Dienstag scheint die Foto-kritischen Leser beruhigen zu wollen. Alte Menschen geistern durch den Raum (Foto von Matthias Horn). Ein ordentliches Bild, das den Zustand der Greisen in der Gesellschaft treffend illustrieren mag - aber auf der Titelseite blass und beliebig bleibt. Traurige alte Menschen auf konservativer Zeitung: Junge Leser ködert das nicht.

Die erste Tugend eines Bildes ist es, ein Fest für das Auge zu sein.

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“Lachen Sie für Punkt CH!”

Ronnie Grob, 11. Oktober 2007 um 9.20 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Das Schweizer Fernsehen fragt:

Wird mit dem digitalen Fernsehen alles besser? Entscheiden Sie selbst.

Und stellt zur Beantwortung dieser Frage ein Video aus dem hauseigenen Satiremagazin auf YouTube, das sich, etwas verwirrend, da seit bald einem Monat eine tägliche Gratiszeitung unter genau gleichem Namen herausgegeben wird, “punkt.ch - Digitales Fernsehen” nennt.

(youtube.com)

Wer sowas lustig finden möchte, wird immerhin mit 200 Franken (ca. 120 Euro) entlöhnt.

6 vor 9

Ronnie Grob, 11. Oktober 2007 um 8.54 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

“Bild”-Zeitung: TV-Tipps vom Boulevard
(merkur.de, Dieter Anschlag)
Wo es nur möglich ist, schießt das Massenblatt gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Doch wenn’s ums Programm geht, empfiehlt die Redaktion ARD und ZDF.

Thesenpapier zum Thema “Weblogs und Journalismus”
(presseportal.de)
Der Deutsche Fachjournalisten-Verband (DFJV) veröffentlicht heute ein Papier mit zehn Thesen zum Verhältnis von Weblogs zum klassischen Journalismus.

“Wir haben alle etwas zu verbergen”
(taz.de, Daniel Schulz)
Die geplanten neuen Sicherheitsgesetze zur Online-Durchsuchung bedrohen die Arbeit vieler Journalisten, sagt Hendrik Zörner vom Deutschen Journalistenverband.

Bertelsmann: Von Nazis, Bigamisten und einem anderen Kapitalismus
(woz.ch, Oliver Fahrni)
Der Wirtschaftsjournalist und WOZ-Autor Gian Trepp hat eine Monografie über den Verlagskonzern aus Gütersloh verfasst. Bitte lesen.

«Hier dauert alles etwas länger»
(werbewoche.ch, René Worni)
Marc Görtz, 43, seit 2005 Geschäftsführer von Ringier-TV und seit 1. Juli in der Ringier-Geschäftsleitung verantwortlich für die elektronischen Medien, zur TV-Digitalisierung und den Aussichten, die Produzenten mit den neuen Medien haben.

NZZ auf Abwegen
(kobi.ch)

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“Das Autobahn-Argument!”

Ronnie Grob, 10. Oktober 2007 um 13.13 Uhr, 9 Kommentare Kommentare

Eklat in der Sendung “Kerner”, gestern abend im ZDF. Weil Senta Berger die Gesprächsrunde zu verlassen drohte, sah sich der Moderator dazu gezwungen, Eva Herman rausschicken. Dabei war das Thema vergleichsweise harmlos: Familienpolitik.

Es ist schon eine Strafe, sich eine Sendung mit Johannes Baptist Kerner anschauen zu müssen. Die wahre Strafe ist aber, sich diese Sendung in der ZDF-Mediathek anschauen zu müssen, die zwar hochaufgelöst und supercool daherkommt, aber mit hin- und herspulen grösste Mühe hat und mindestens fünf Mal abstürzt. Einmal geht mitten im Film einfach der Browser zu.

ZDF Screenshot
Screenshot zdf.de

Die Sendung lief so ab. Zuerst die Begrüssung der Gäste. Dann wurde Eva Herman mit den Zitaten konfrontiert, die ihr den Job beim NDR gekostet haben. Darauf erklärte ein Professor aus dem Publikum, was genau das Frauenbild in der Hitler-Zeit war. Ein gemäss Kerner ausgewiesener und anerkannter Experte für historische Fragen, der ihr eine “Verschwörungs-Pathologie” unterstellt, weil sie sie RTL dafür kritisiert, die Bänder der Pressekonferenz, die ihre Entlassung provoziert haben, nicht herauszugeben.

Es geht hin und her, es wird debattiert, wie genau Frauen und Kinder in der heutigen Zeit glücklich werden. Als das Gespräch auf den Begriff “Gleichschaltung” kommt (der, wie der Historiker erklärt, ein klar nationalsozialistischer ist), sagt Eva Herman, sichtlich genervt, dass sie über die gesamte Sendung über angegriffen wird:

Sie müssen nur Google eingeben und dann können sie jede Zeitung durchgehen. Welche Zeitung diesen Begriff bereits benutzt hat. Natürlich ist er da benutzt worden. Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf.

Der Historiker ruft:

Das Autobahn-Argument!

Margarethe Schreinemakers sagt:

Es kann nicht sein. Das kann nicht sein, was du hier sagst. Tut mir leid. Egal, wer hier auch immer applaudiert, es tut mir leid. Nein. Das kannst du so nicht sagen. Es geht nicht.

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6 vor 9

Ronnie Grob, 10. Oktober 2007 um 8.54 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Der langsame Dschihad
(zeit.de, Jürgen Krönig)
Westliche Medien haben den islamistischen Totalitarismus oft falsch verstanden. Ein Essay.

Gratisblätter drängen nach Deutschland
(handelsblatt.com, H.-P. Siebenhaar und Oliver Stock)
Die Verlage in Deutschland stellen sich wieder auf den Konkurrenzkampf mit einer überregionalen kostenlosen Tageszeitung ein. Die bisher letzte Gratiszeitung hierzulande war vor sieben Jahren in Köln am Widerstand der etablierten regionalen Verlage gescheitert. Medienkonzerne haben bereits Abwehrpläne in der Schublade.

Ende der Patriarchen
(medienheft.ch, Wolf Ludwig)
Eine Übernahme jagt im Mediensektor die nächste - international und national. Neben den grossen Medienkonzernen mischen jetzt anonyme Investoren die Szene bei Fernsehen, Online und Print neu auf. Ist das Modell der Besitzerfamilien am Ende?

Von Blogger zu Autor
(watch-berlin.net, Video, 11:56 Minuten)
Wirres trifft heute auf Harald Martenstein und spricht mit ihm über das web 2.0, die Unterschiede von Print- und Online Medien und warum Martenstein sich nicht auch mal als Blogger versucht.

Die Schrecklichen
(extradienst.at, Bruno Jaschke)
Kein Redaktionsstatut der Welt verbürgt ein Menschenrecht auf angenehme Interviewpartner. Ob präpotent, aggressiv, übellaunig, verschlossen, banal, anmaßend oder jenseits des gefragten Themas: Wen prominente Journalisten als besonders unsympathisch erlebten.

The Ten Most Incomprehensible Bob Dylan Interviews of All Time
(nymag.com)

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Leser-Reporter:
Wer zahlt wie gut?

Ronnie Grob, 9. Oktober 2007 um 11.45 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Was macht man, wenn man aus dem Fenster blickt und Pete Doherty, Britney Spears und Prinz William nackt im eigenen Garten Joints rauchen? Man guckt wieder weg. Oder man macht Fotos und ruft die Boulevardpresse. Wer aber zahlt wie gut?

“Die Armee der arschgeweihtragenden Leser-Reporter ist die schlimmste Guerilla unserer Zeit.” So werden sie eingestuft, die Produzenten von Inhalten ohne Ausweis. Ungeachtet dieser Kritik machen sie weiter und versorgen, wie auch die professionellen Anbieter, die Welt mit zum Teil zweifelhaften Inhalten. Während früher die Ehre, den eigenen Hinweis oder Namen oder sein eigenes Bild in der Zeitung sehen zu können, ausgereicht hat für eine kostenlose Übergabe von Inhalten, wollen seit Neustem immer mehr Leser Geld dafür. Weil sie wissen, dass damit noch mehr Geld zu machen ist.

Deshalb haben einige Portale damit begonnen, Leser-Inhalte, die sie attraktiv finden, einheitlich zu bezahlen. Wir haben aufgelistet, wieviel es für was gibt und was der Haken dabei ist.

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Von Blogwerkern und Mistkratzern

Peter Sennhauser, 9. Oktober 2007 um 9.00 Uhr, 8 Kommentare Kommentare

300 mal “6 vor 9″: Mehr als ein Jahr lang hat medienlese.com-Redaktor Ronnie Grob uns täglich sechs medienrelevante Artikel serviert - noch vor dem Frühstück. Eine unspektakuläre, reife Leistung. Unaufgeregt und seriös, und so gar nicht den Vorstellungen manches selbsternannten Blogpapstes dessen entsprechend, was “Kommerzblogger” angeblich tun.

Na und? Machen das nicht Dutzende von Bloggern? Ich wage zu behaupten: Nein. Nicht in der Qualität von 6 vor 9. Nicht mit der Disziplin (sechs lesenswerte Links jeden Tag genau sechs Minuten vor neun ) und der Ernsthaftigkeit von Ronnie Grob. Und ich weiss, wovon ich rede, denn wie die andern Blogwerker habe ich ihn hie und da vertreten müssen. Es ist harte Arbeit, diese sechs Links zu finden.

Ronnie wird dafür bezahlt - denn medienlese.com ist Bestandteil des Online-Verlags Blogwerk AG. Seit mehr als einem Jahr arbeiten wir am Aufbau dieses Unternehmens. Mit 16-Stunden Tagen, viel Herzblut und gelegentlichen Abgründen der Frustration. Wir tun es, weil wir daran glauben, dass durch das Internet die Medienwelt bereichert werden kann, dass der Journalismus sich von der vielbeklagten Dominanz der Grossverlage emanzipieren kann, und zwar ohne dass er in den brotlosen Untergrund geht.

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