Sensation:
X schweigt!
Das Online-Portal der ehemals grössten Boulevardzeitung der Schweiz macht die Meldung, dass sich einer von sieben Schweizer Ministern nicht zu den Wahlen äussern will, zum Aufmacher (”Blocher sagt nichts“). Ist das eine Meldung? Ja, aber nur für die Verantwortlichen des Ringier-Verlags. Wenn es eine Sensation ist, dass die eigenen Journalisten nichts herausgefunden haben, dann muss man sich ernsthaft Sorgen machen.
Alle anderen dürften für die Stellungnahme von Christoph Blocher bis zum Sonntag warten müssen. Es könnte nämlich gut sein, dass dieser herausgefunden hat, dass er die etablierten Medien gar nicht mehr braucht. Er hat ja ein eigenes Internet-TV mit einem freundlichen Sidekick, das ihn nicht mal was kostet.
Bild: Screenshot blick.ch
» Mehr lesen: Online (189), Zeitungen (384)
» Weitere Artikel der Kategorie "News" lesen
» Nächster Artikel: 6 vor 9
» Älterer Artikel: Interview mit Charles Liebherr, Schweizer Radio DRS
» Drucken
» Merken/E-Mail
12 Kommentare zu diesem Artikel
Einen Kommentar schreiben
Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.




Beiträge per RSS
blogwerk.com
theddy
So viel ich mal irgendwo gelesen habe gibt es eine Abmachung unter den Bundesräten, die Wahlen nicht zu kommentieren. Und hier scheint isch Herr B. mal dran zu halten - bis jetzt.
Der Gabriel
“ehemals grösste boulevardzeitung”?
also das versteh ich nicht ganz… 20 minuten ist ja keine boulevarzeitung, nur weil sie überall auf den boulevards herumliegt… und punkt.ch auch nicht, obwohl sie letzeres kriterium am besten erfüllt…
Ronnie Grob
@Gabriel: 20 Minuten sehe ich durchaus als eine Boulevardzeitung (wenn auch keine klassische). Und da diese den Blick bei der Menge an Lesern sowohl im Print als auch Online überholt hat, darf sich Blick schon seit längerem nicht mehr “grösste Boulevardzeitung der Schweiz” sondern nur noch “stärkste Boulevardzeitung der Schweiz” nennen.
Die Blätter, die rumliegen, sind tatsächlich ein guter Indikator. Den Blick findet man weder auf der Strasse, noch an einer Bushaltestelle, noch in Zugabteilen. Vielleicht müsste man mal in den Altersheimen suchen.
Der Gabriel
na ja… 750′000 leser sind nicht allzu schlecht für eine kaufzeitung, und stabil ist der blick im vergleich zum vorjahr auch geblieben, sowohl leser- als auch ausgabenverkaufsmässig (im gegensatz zu nzz, tagi, baz, die sich leserzahlenmässig im sinkflug befinden).
und ronnie: 20min.ch ist (noch) hinter blick im wemf-rating. ohne scheiss. blick.ch ist das besucherstärkste onlineportal einer schweizer zeitung. also zuerst mal die facts checken…
und: gratiszeitungen liegen nun mal überall rum. ich lass meine baz und meine nzz nun mal auch nicht liegen. ich bezahl sie schliesslich und nehm sie nach hause.
Ronnie Grob
@Gabriel: Du hast recht, im September war blick.ch noch vor 20min.ch. Setzen sich die Trends fort, wird sich das aber bald umkehren.
Der Gabriel
@ronnie grob
da bin ich allerdings einverstanden, die jungs bei 20min.ch sind gut ;-) - kann aber noch eine weile dauern…
Oliver
@DER GABRIEL: Also der Blick hat laut der jüngsten WEMF-Studie bei der Auflage eine Einbusse von 15000 Exemplaren hinnehmen. Stabil ist das also nicht…
Oliver
Nachtrag: Darüber hinaus hat der Blick nicht 750000 Leser sondern lediglich 690000… (Er verlor in den letzten beiden Umfragen 20000 resp. 5000 Leser, allerdings waren das jeweils keine signifikanten Änderungen)
Der Gabriel
Oliver: Du hast absolut recht, sorry. ich hatte die zahlen falsch im Kopf, sorry. Immerhin (puhh :-) hatte ich in einem Punkt recht: Der Leserverlust hielt sich stark in Grenzen, vor allem im Vergleich mit der (Kauf-)Konkurrenz.
Jean-Claude
@ Gegendarstellung: Herr Ronnie Grob, Sie behaupten oder deuten zumindest an, der “Blick” liege hauptsächlich “in Altersheimen” herum. Wir verwahren uns gegen diese herabsetzende Behauptung mit allem Nachdruck. Richtig ist vielmehr:”Der “Blick” liegt hauptsächlich in Altersheimen von stark ländlich geprägten Regionen herum.”
Wir bitten Sie, diese Gegendarstellung ohne Veränderung zu publizieren. Gezeichnet: Der Aktuar des “Schutzvereins Urbaner Senioren”(SUS).
Ronnie Grob
@Jean-Claude: Was es nicht alles gibt. :-) Hier in Berlin ist das übrigens anders. Man sieht viele, auch junge Leute in den ÖVs, die die 50 Cent Einheitsgebühr für eine der drei täglich erscheinenden Boulevardzeitungen ausgegeben haben; allerdings gibt es hier auch noch keine Gratiszeitungen. Der typische Blick-Leser hingegen ist männlich, über 50, hat vor kurzem das Rauchen aufgegeben und ist frustriert, dass er im Blick seine Meinung nicht wiederfindet.
Jean-Claude
@Ronnie, wart’s ab. Der typische “Blick”-Leser wird seine Meinung bald immer öfer in seinem Leibblatt wiederfinden, auch im “Sonntagsblick”. Die SonntagsZeitung ist da schon voraus gegangen. Das ist ein Prozess von ein paar Monaten. In andern Medien kannst du das jetzt schon nachvollziehen, der langsame Schwenk zur SVP hin, das Anbiedernde, das Verständnisvolle und das Arglos und Harmlos Tuende.
Kein Wunder: wenn in einzelnen Regionen die SVP an die 40 % holt (Aargau, Thurgau, St.Gallen, auch in der Waadt und sogar in Genf ist sie sehr stark). Das kann gar nicht ohne publizistische Folgen bleiben. Ist ja auch nicht verboten. Aber für das Land ist diese schleichende Gleichschaltung verheerend. Nach meiner Wahrnehmung stemmt sich die alte Tante NZZ noch am kräftigsten gegen den Trend (womit wir wieder bei den Senioren wären …)
Die Chefredaktoren werden für ihre geschmeidige Anpassung die üblichen staatsmännischen Worte finden, falls sie sich überhaupt dazu äussern.
Etwa in einem Jahr sprechen wir uns wieder zu diesem Thema. Dann wird man den unverkennbaren publizistischen Trend zur neuen Rechten belegen können. Falls ich falsch liege, gebe ich eine “Berliner Weisse” mit Schuss aus. Aber ich glaube nicht, dass du in diesen Genuss kommen wirst.