Cash Daily freut sich auf das «Ende der Anarchie im Internet»
Wussten Sie, dass Surfende, die Videos auf Plattformen wie Youtube einstellen, Anarchisten sind? Ich nicht. Aber Cash Daily weiss es. Kein Wunder: Die Gratiszeitung informiert schliesslich “aktuell und prospektiv”.
“Konzerne läuten Ende der Anarchie im Internet ein” - so lautet der Titel eines Texts auf Seite 3 (daily radar) der Ringier-Gratiszeitung Cash Daily von heute. Der Text ist online zwar lesbar, aber nicht ganz so einfach. Entweder lädt man sich die aktuelle Ausgabe im PDF-Format herunter oder man meldet sich für das Livepaper an.
In diesem kurzen Text steht aber, dass im Netz der Netze weitgehende Meinungsfreiheit herrscht und die geschäftlichen Möglichkeiten enorm sind.
Doch die Aufbruchszeiten sind offenbar vorbei. Neben immer mehr Gesetzen und Vorschriften wollen nun auch die grossen Medienkonzerne besonders “kreativen” Nutzern Grenzen setzen. Die Rede ist von Surfenden, die Videos auf Plattformen wie Youtube einstellen. Musik über Tauschforen freigeben, Bücher und Zeitschriften kopieren. Microsoft und Walt Disney sind bei der Aktion federführend. Ferner mit an Bord: die MTV-Mutter Viacom, NBC Universal, Fox, My Space, CBS und andere. Auf der Liste fehlt allerdings ein ganz Grosser der Branche: Google. Kein Wunder, denn der Suchmaschinen-Betreiber lebt nicht schlecht davon, Inhalte bereitzustellen, deren geistiges Eigentum bei Dritten liegt.
Seltsam. Ich dachte immer, die Online-Portale von Medienkonzerne leben nicht schlecht, weil ihnen von Suchmaschinen (in der Regel kostenlose Angebote) Besucher geliefert werden. Weil sich Cash Daily im Internet so ungeschickt aufgestellt hat, dass das Webangebot von Nutzern, die vielleicht an den produzierten Inhalten interessiert sind, unmöglich aufgefunden werden kann, profitiert Cash Daily als einer von wenigen Playern im Mediengeschäft nicht von Suchmaschinen.
Im nebenstehenden Inserat, das ich auf der Rückseite der Verlagsschwester Blick gefunden habe, steht:
CASH Daily ist die erste multimediale Wirtschaftstageszeitung der Schweiz und informiert aktuell und prospektiv über das Wirtschafts- und Börsengeschehen. Als kostenlose Printausgabe gratis am k Kiosk und als Livepaper. www.cashdaily.ch
Alles schön und gut, auch prospektiv ist ein schönes Wort im Zusammenhang mit Cash Daily. Dieser kurze Text muss jedoch als Wunschdenken eines ungenannten Redaktors dieser Zeitung eingestuft werden. Untermauert sind die Aussagen aus dem Artikel nämlich überhaupt nicht. Von der Studie “der Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers” überliefert der Text nur, dass bis 2011 “die Umsätze im World Wide Web auf rund zwei Billionen Dollar steigen”.
Ob Cash Daily mit ihrem von den meisten Konkurrenzangeboten abweichenden Onlineauftritt (vermutlich von besonders “kreativen” Kräften gestaltet) einen Grossteil dieses Kuchens erhält, ist fraglich. Nicht, weil sie etwas eigenes und anderes gewagt haben. Sondern, weil sie ihre Leser in einen Käfig einsperren und am liebsten nie mehr herauslassen wollen. Zudem verlangen sie, um überhaupt in diesen Käfig hereingelassen zu werden, einen Username und ein Passwort. Hat nun jemand dort was Schönes gefunden und will es jemand anderem zeigent, geht das auch nicht. Auch dieser muss sich erst brav anmelden und auf gut Glück durchklicken.
Vielleicht sollte man Ringier raten, mal bei Uwe Knüpfer von onruhr.de, wie das ist mit dem grossen Erfolg von Zeitungen im Internet, die man nicht findet. Die letzte Ausgabe von onruhr stammt vom 04.07.2007.
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1 Kommentar zu diesem Artikel
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Klaus
Anarchie? Ist damit die übergeordnete Form von Organisation gemeint? Dann sind die Anarchisten die obersten Organisatoren! Danke Cash Daily, dass du mich aufgeklärt hast!