Presserat will auch online rügen

Ole Reißmann, 19. Oktober 2007 11:44 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

Der Deutsche Presserat hat sich im vergangenen Jahr mit 945 Beschwerden beschäftigt, aus denen 36 öffentliche und sechs nicht-öffentliche Rügen hervorgegangen sind. Das meldete das Gremium zur freiwilligen Selbstkontrolle der gedruckten Medien am Mittwoch in Berlin.

Auf der Jahrespressekonferenz wandte sich Geschäftsführer Lutz Tillmanns gegen den Gesetzentwurf zur Online-Durchsuchung und zur Vorratsdatenspeicherung. Durch die Aushöhlung des Informantenschutzes sei die Pressefreiheit gefährdet.

In Zukunft wolle man sich auch mit auch Online-Medien beschäftigen, sagte Fried von Bismarck, Sprecher des Presserats und Verlagsleiter des Spiegel-Verlags, dem Berliner Tagesspiegel. Großes Thema des vergangenen Jahres sei Schleichwerbung gewesen, hier herrsche eine große Unsicherheit in den Redaktionen. Der Presserat plane eine “praktische Handreichung” zum Thema, sagte Bismarck.

Presserat: Erteilte Rügen

Grafik von medienlese.com mit Daten von Wikipedia und dem Deutschen Presserat

Beim Presserat kann sich jeder beschweren, der Verstöße gegen den Pressekodex bemerkt. Kritisiert wird der Presserat, in dem Verags- und Redaktionsleute vertreten sind, für seine allzu salomonischen Urteile. Stefan Niggemeier schrieb dazu in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung: “Er tut niemandem weh – außer denen, die sich von ihm wirksame Selbstkontrolle erwarten.”

Warum es den Presserat braucht und warum der Tiger doch nicht ganz zahnlos ist, hat Journalistik-Professor Michael Haller im Interview mit der taz erklärt (“Presserat läuft Slalom”, 29.11.2006).

Aktuelle Meldungen:

» Mehr lesen: Online (189), Presserat (4)

» Weitere Artikel der Kategorie "News" lesen

» Nächster Artikel: Auf Augenhöhe?
» Älterer Artikel: 6 vor 9

» Drucken
» Merken/E-Mail

1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Roger Martin

    schrieb am 10. Juli 2008 um 20:49 Uhr (#)

    Ja ja, es fehlt auf jeden Fall eine gewisse Kontrolle, aber bitte es gibt auch andere Möglichkeiten, als es durch den Pressrat zu machen! Das sollte man dabei nicht vergessen.
    Siehe hier: http://www.message-online.com/blog/2008/07/05/werden-blogger-durch-einen-kodex-gegangelt/


2 Trackbacks

  1. Grenzpfosten : Presserat will nun auch Online-Rügen aussprechen
    (9. November 2007 23:12)
  2. Webwilderer.de » Onlinejournalismus Gütesiegel
    (11. März 2008 12:31)

Einen Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

  • Neueste Artikel

    • vor 11 Stunden, 3 Kommentare

      Sammlung:
      Früher war alles schöner

      Titelblätter von einst zeigt eine Internetseite. Der Cover-Browser versammelt die Cover-Kunst von Magazinen wie Vogue, New Yorker – und jeder Menge Comics. » weiterlesen

    • vor 13 Stunden, 0 Kommentare

      6 vor 9

      Unerwünschte PR markiert man am Besten einfach als Spam. Und Menschen sind vor medialem Missbrauch schlechter geschützt als Fussballspiele. Mehr dazu in unserer täglichen Presseschau. » weiterlesen

    • Gestern, 2 Kommentare

      Hip-Hop-Hooray:
      Diekmann auf dem Cover von Hip-Hop

      Gib ihm Fünf: Wortakrobat und Oberstyler K.A.I. aka Diek-the-man ist auf dem Titel der aktuellen Hip-Hop. Das Internet macht's möglich ... » weiterlesen