medienlese - der Wochenrückblick
Eva Herman, Leonid Breschnew, Liebesbriefe.
Eva Herman dominierte die Woche, weil sie kurz vor Ablauf einer Talksendung verabschiedet und sozusagen herausgeschickt wurde - der Moderator wollte sich mit seinen drei Gästen unterhalten. Reaktionen gab es zuhauf - unter anderem erinnerte man sich an Jehova (1/2). Spreeblick.com analysierte Hermans Aussagen genauenstens in linguistischer Hinsicht. Und über 2500 Kommentare gingen allein auf den welt.de-Artikel “Die öffentliche Hinrichtung der Eva Herman” ein. Mehrere Blogger hielten Eva Herman schlicht für dumm: Ninja Thoughts und Stefan Niggemeier zum Beispiel. Don Dahlmann meinte, sie sei von einer ziemlich umfassenden Schlichtheit beseelt (was aber so auch nicht stimmt). Eine Bloggerin vom Focus fand ihre Thesen “so dumm, dass man an Ihre Bücher sofort mit dem Feuerzeug dran möchte. So ein bisschen anbrennen will”.
Der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung, der 63jährige Hans-Werner Kilz, verlängerte für ein paar Jahre und sagte: “Wir müssen nach Wegen suchen, die Inhalte im Internet kostenpflichtig zu machen.” Jens Petersen schrieb, er kämpfe “mit dem Vorwurf, seine Redaktion genauso zu führen, wie einst Leonid Breschnew in der Endphase seiner Regierungszeit”.
Der Bloggofant wurde geboren und Dagens Nyheter aus Schweden fand es betrüblich, dass respektable Journalisten sich so krampfhaft Unwesentlichem widmen. Es sei nämlich ein grosser Irrtum, “dass Blogs bahnbrechend für unsere Zeit sind, vergleichbar mit dem Einzug von Internet oder Radio”. Die Frage, ob die Blogosphäre ein Geschlecht habe, wurde diskutiert anhand der Technorati Top 20.
Piero Esteriore, der mit ein Auto in den Ringier-Verlag fuhr, “bekam über 2500 Sympathie-Mails“. Im Chat kündigte er einen Liebesbrief an Bundesrat Leuenberger an: “Wir werden mit diesem Liebesbrief auch beim Guiness Buch der Rekorde teilnehmen. Ich denke, so einen langen Liebesbrief gab es noch nie”.
AP meldete, dass Tom Buhrow, Moderator der Tagesthemen, kein Toupet trägt und vielleicht im Alter eine Rentner-Band gründen möchte. Die ARD geriet auf die schiefe Bahn und Muslime lachten herzhaft, als Günter Wallraff in privatem Kreis aus Rushdies «Satanischen Versen» las.
Erst provokative Einträge seien für die Masse interessant, schrieb Reto Vogt im Beobachter. Wo? In sogenannten Blogs. Der Tages-Anzeiger erklärte den Erfolg von Apple: “Gerade unter Journalisten gibt es viele Dilettanten. Darauf konnten sich Apples Marketingstrategen verlassen”.
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2 Kommentare zu diesem Artikel
1 Trackback
- taking the red pill - » Das Zitat der Woche
(15. Oktober 2007 08:38)
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stefan niggemeier
Nur ein Hinweis: Carin Pawlak ruft, anders als das an vielen Stellen zu lesen ist (und anders, als man annehmen muss, wenn man nur die hier zitierten Sätze liest), nicht wirklich zum An- oder gar Verbrennen von Eva Hermans Büchern auf. Die beiden nächsten Sätze in ihrem Blog lauten:
Sie hat also offenbar einen drastischen Vergleich für das gewählt, was Eva Herman ihrer Meinung nach tut: Scheinbar harmlose Dinge sagen (”Feuerzeug”, “bisschen anbrennen”), die aber in Wahrheit nicht harmlos sind, weil sie eine geschichtliche Referenz haben (Bücherverbrennungen). Sie ahmt Eva Hermans Verhalten (wie sie es sieht) nach: Ich sag das jetzt einach, und wenn mich jemand deswegen Nazi schimpft, geh ich zu Kerner und nehme das zurück oder auch nicht.
Ich finde die Formulierung sprachlich verunglückt und schon die Idee mindestens gewagt. Aber ich glaube, man muss so fair sein, ihr nicht zu unterstellen, sie wolle Bücher verbrennen. Sie wollte zeigen, was man (zu Recht) nicht sagen darf.
Thomas Kurbjuhn
Hallo Herr Niggemeier! Alles, was Eva Herman gesagt hat, darf man nicht nur sagen, sondern muß es meines Erachtens auch. Und meines Erachtens muß man noch viel mehr sagen, siehe Eva Herman, die Nazimörder in meiner eigenen Familie und die deutsche Zukunft.