Medienkritik mit Haaren

Von Ole Reißmann, 15. Oktober 2007 12:04 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Beim sonnabendlichen Bummel über den örtlichen Flohmarkt stolperte ich über einen gut gefüllten Karton mit alten Ausgaben der Zeitschrift Konkret - und über das “endgültige Titelbild”.

konkret1980

Konkret am 28. August 1980: Farbbericht vom Fahrrad-Boom

1980. Der erste Golfkrieg. Letztes Konzert von Bob Marley. Die neue Lust am Radfahren. Radfahren? Die Leser der Quick können sich auf den “Farbbericht: Die neue Fahrradwelle” freuen, beim Spiegel geht es “Zurück aufs Rad” und der Stern lockt mit “Fahrrad-Boom: Geliebte auf zwei Rädern”. Anlaß für Konkret, den Voyeurismus auf die Schippe zu nehmen und ebenfalls einen Frauenhintern abzubilden - konsequenterweise nackt und bei genauem Hinsehen leicht behaart.

Medienkritik damals. Die linke “Monatszeitschrift für Politik und Kultur” gibt es immer noch, erst kürzlich wurde Geburtstag gefeiert. Gratulationen allerorten, zum Beispiel in der Süddeutschen Zeitung (”Vor 50 Jahren startete das Magazin konkret“, Willi Winkler, 3.9.2007):

Im Namen der Wahrheit und mit Geld aus der DDR begann vor einem halben Jahrhundert das Magazin konkret. Die Liste der prominenten Autoren ist lang, geschrieben wurde gegen Nazis, die Wiederbewaffung - und alles, was die anderen nicht brachten.

Jedoch schrieb der Tagesspiegel (”Links geblättert“, Caroline Fletscher, 10.12.2002) schon Jahre vorher:

mittlerweile ist Konkret ein blasser Mythos der Linken, manchmal noch witzig, oft ärgerlich selbstbezogen, gelesen von einer ungenannten kleinen Zahl alter Recken, deren Weltbild nicht wackelt.

Für die Konkret schrieben unter anderem Stefan Aust, Günther Wallraff, Heinrich Böll, Sebastian Haffner, Daniel Cohn-Bendit, Fritz J. Raddatz, Alice Schwarzer - um nur einige zu nennen. Klar, dass dieses Stück linker Mediengeschichte bereits in Buchform gewürdigt wird (Bettina Röhl: “So macht Kommunismus Spaß! Ulrike Meinhof, Klaus Rainer Röhl und die Akte Konkret”). Zitat aus einer Rezension in Freitag (”Ins gemacht Bett“, Joachim Feldmann, 28.4.2006):

Bettina Röhl ist eine manchmal zu ausführliche, vielleicht auch gelegentlich geschwätzige, nichtsdestotrotz aber überaus lesenswerte Darstellung bundesrepublikanischer Geschichte vor dem so genannten Jahr der Revolte 1968 gelungen.

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    (9. Juni 2008 10:26)

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