6 vor 9
«Es könnte doch noch alles gut werden»
(nzz.ch, Leif Kramp und Stephan Weichert)
Die Revolution im Mediensektor erschüttert die klassischen Zeitungen. Während Verlegerfamilien das Interesse an ihren Blättern verlieren, sehen Finanzinvestoren Renditechancen.
Vom Klassenkampf zum Kuschelkurs
(bilanz.ch, Dominik Flammer)
Viele Grossunternehmen inserieren nicht mehr im «Blick» – eine Folge der Kampagnen gegen Marcel Ospel oder Jürg Maurer. Nun will der Verlag wieder ins Geschäft kommen.
Treibhaus Berlin
(tagesspiegel.de, Lisa Wandt)
Wie sich Journalisten gegen Beeinflussung wehren.
Kilz geht in Verlängerung
(taz.de, Steffen Grimberg)
Der Chefredakteur der “Süddeutschen” bleibt bis 2010. Wem das Blatt dann gehören wird, ist weiterhin offen.
Begnadet gehässig
(sueddeutsche.de, Alex Rühle)
Der Schriftsteller Maxim Biller ist mit “Esra” ein Fall fürs Verfassungsgericht geworden. Der Prozess um Persönlichkeitsrecht und Kunstfreiheit wird Rechtsgeschichte schreiben - egal wie das heutige Urteil ausfällt.
Seltene Wörter verändern sich am schnellsten
(spiegel.de, Holger Dambeck)
Linguisten beschreiben die Entwicklung von Sprachen gern auch als Evolution. Mit mathematischen Methoden haben Forscher jetzt bewiesen, dass Wörter im Grunde nichts anderes als Gene sind - und sogar den gleichen Gesetzen gehorchen, die in der Biologie gelten.
Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.
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Jean-Claude
“Vom Klassenkampf zum Kuschelkurs” :
So lassen sich Medien domestizieren und bleiben dabei selbstverständlich vöööllig unabhängig. Fällt niemandem auf, dass das Richtung Korruption läuft?
Und fällt auch niemandem auf, wie sanft und lieb fast alle Schweizer Medien mit der UBS umgingen, als dessen Chef Wuffli ratzfatz entlassen wurde und niemand genau wusste warum?
Und kürzlich wieder, als sich bei der UBS vier Milliarden Fr. in heisse Luft aufgelöst hatten? Hat man da in den Schweizer Medien Kritisches oder Nachhakendes gelesen? - Eben. Ausnahme war die “Bilanz” diese Woche *). In deren Berichterstattung hat immerhin das Image von Marcel Ospel “tiefe Kratzer” abbekommen. Mehr aber auch nicht.
In drei braven Interviews (Finanz und Wirtschaft, NZZ, Sonntagsblick) synchron am letzten Wochenende, durfte Marcel Ospel seine weitgehend unwidersprochene Sicht der Dinge darlegen, dass alles, im Grunde genommen harmlos sei und ihn keine Schuld treffe. Er ist ja schliesslich nur der oberste Chef der Bank.
Bei CASH selig, der einstmals grössten Wirtschaftszeitung der Schweiz, gab es eine interne Regelung, dass jedesmal, wenn ein Artikel über die UBS erschien - egal ob positiv oder negativ - vorher eine von der Bank beauftragte Agentur informiert werden musste. Darauf wurden allfällige Anzeigen der UBS für die betreffende Nummer zurückgezogen. Das hält Journalisten auf Linie. Den Fall kenne ich zufällig aus sehr berufenem Mund. Seitdem überrascht mich nichts mehr in dieser Richtung.
Aber wie gesagt: Selbstverständlich sind alle Schweizer Medien, besonders was die Belange des Finanzplatzes betrifft, vööööllig unabhängig.
*)ps. In der gleichen “Bilanz”-Ausgabe darf der umstrittene Bankier Thomas Matter, gegen den noch ein Strafverfahren läuft, unkommentiert auf vier Seiten darlegen, dass er, selbstverständlich völlig unschuldig ist. Der Hintergrund ist ein Streit von zwei “Finaciers”, die sich bei einem hochprofitablen Deal gegen- seitig ausgetrickst haben. Einer davon ist Thomas Matter.