Schöne Ansichten, #1

Zeitungen und Magazine stapeln sich, auf dem Boden, im Regal, im Altpapier. Müsste man nicht dies, nicht das aufbewahren? Nicht eine kleine Notiz machen? Hier drei schöne Ansichten aus den letzten Wochen.
Die Ruhezone

“Schauen sie auf dieses Bild”, rät André Mühling in der taz-Sonderausgabe zur Zukunft der Zeitung vom 15. September. Das Bild: Eine ganze Seite, leicht farbverlaufend von lind- zu dunkelgrün - in den Händen gehalten scheint die Rückseite sehr viel weniger durch als auf diesem Scan. Nur auf der äußersten linken Spalte ein kleiner Text über Reizüberflutung, Aufmerksamkeitsspannen und Nachrichtenterror im Sekundentakt. Die Antipode zur Titelseite, wo sich auf engstem Raum in winziger Schrift Meldungen drängen (Bild), so dass sogar der Titelschriftzug keinen Platz mehr findet und über die Meldungen gedruckt ist. Gestaltet hat Mirko Borsche, Art Director SZ-Magazins und “Visual Leader 2007″.
Die Textrasur

Neue Werbeformen im Magazin der Süddeutschen Zeitung? Nein, auch wenn die Heftgestalter hier findigen Mediaplanern eine Steilvorlage liefern. Im Rasierklingentext “Ein Kampf bis aufs Messer” (Heft 37, 14. September) schneidet scharfer Stahl weiße Flächen in den Text.
Das Gesicht

Im Zeit-Magazin erzählt Jürgen Leinemann von schlimmer Krankheit (“Das verflixte 70. Jahr”, Heft 40, 27. September). Ein Porträt von ihm, fotografiert von Jörg Klaus, füllt eine ganze Seite. Und was für ein Porträt: Pohrig, Haarig, Fettig. Während Magermodels durch den Computer noch dünner werden und jedes Haar getrimmt und richtig ausgerichtet wird, geht Klaus mit seiner Inszenierung in die entgegengesetzte Richtung. Sein Bild ist hyperrealistisch: Seht her, siebzig Jahre knorriger Mann.
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1 Kommentar zu diesem Artikel
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Janine
Ich finde, das ist mal was anderes. Auf alle Fälle ein Hingucker, denn mit sowas rechnet man in einer Zeitung eigentlich nicht. Und schon ist man in den dazugehörigen Text vertieft. Das soll wahrscheinlich auch bezweckt werden.