Die 50 besten Zitate übers Internet
Listen mag man oder nicht. Wir mögen sie. Manchmal. Darum haben wir eine zusammengestellt mit Zitaten von mehr oder weniger wichtigen Persönlichkeiten, die sich über das Internet ausgelassen haben.
Der Spruch über die “Klowände des Internets” von Werber Jean-Remy von Matt ist Legende. Aber das ist nur das prominenteste all der Zitate, die von Journalisten, Wissenschaftlern und Politikern auf Podien und in Interviews losgelassen werden.
Wir haben 50 davon gesammelt:
«Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen.»
Michael Glos, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, im März 2007. [Quelle (Video), gefunden bei Handelsblatt]
«In zehn Jahren ist Google tot. Ich habe in der Tat die Hoffnung, dass das, was sich jetzt im Markt befindet, übermorgen nicht mehr existiert.»
Christian DuMont Schütte, Gesellschafter des Verlags DuMont Schauberg, am 27. August 2007 in der FAZ [Quelle]
«Browser. Was sind’n jetzt nochmal Browser?»
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries im Juni 2007, nachdem ARD-Kinderreporter sie aufforderten, “doch mal ein paar verschiedene Browser, die es gibt”, zu nennen. [Quelle (Video)]
«Ich habe Hunderte RSS-Feeds aboniert. Aber mal ehrlich, ich lese keinen einzigen. Macht aber Spaß.»
Peter Kabel, deutscher Internet-Unternehmer, auf dem Medienforum NRW 2006. [Quelle]
«Ein grosser Erfolg ist da im Moment, und eine Million Menschen spielen schon mit, das Online-Spiel Second Life. Darin erschaffen sich die Mitspieler virtuell ein zweites Leben, und zwar mit einer komplett neuen Identität, einer selbst ausgedachten Spielfigur, die aus irgendeinem Grund, den wir noch nicht verstanden haben, Avatar heisst.»
Anne Will, Moderatorin, in den Tagesthemen vom 7. November 2006 [Quelle (Video)]
«Of course, the “wisdom of the masses” produced a few 20th-century bummers, not least in Germany, Italy, the Soviet Union and China.»
Roger Cohen bereits im vierten Satz eines New-York-Times-Artikels über Digg.com und die Weisheit der Massen, 08.08.2007. [Quelle]
«Blogger verdienen nach meiner Ansicht nicht den Schutz des
Artikel 5.»
Stephan Holthoff-Pförtner, Gesellschafter der “Westdeutschen Allgemeinen Zeitung”, auf dem Medienforum NRW 2007. [Quelle]
«Ja. Leider ja.»
Hans-Christian Ströbele, MdB (Grüne), im Juni 2007 auf die Frage von ARD-Kinderreportern, ob er einen Computer habe. [Quelle (Video)]
«Ins Internet bin ich, glaube ich, einmal oder zweimal bisher gegangen. »
Hans-Christian Ströbele, MdB (Grüne), zu den Kinderreportern auf die Frage: “Benutzen Sie auch Internet?” [Quelle (Video)]
«Ich weiß nur, dass es Leute gibt, die da so ein Programm entwickelt haben, womit man mit einzelnen Fundwörtern dann was finden kann, aber ich mach das nie.»
Hans-Christian Ströbele, MdB (Grüne), auf die Aufforderung, mal ein paar unterschiedliche Browser zu nennen. [Quelle (Video)]
«Google hat Angst vor uns»
Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbandes Schweizer Presse (VSP), am 21.09.2007. [Quelle]
«Man kann eine erfolgreiche Website wie Google nicht nur bekämpfen, sondern muss auch versuchen, sie mit einer Alternative zu schlagen»
Norbert Neininger, Präsidiumsmitglied des Verbandes Schweizer Presse (VSP), im August 2007. [Quelle]
«Die Seuche Internet garantiert, dass die Bilder auf immer abrufbar sein (…) werden.»
Stefan Kornelius im Januar 2007 in der Süddeutschen Zeitung über das aufgetauchte Handyvideo von der Hinrichtung Saddam Husseins. [Quelle, Original nicht mehr verfügbar]
«Das Internet macht doof.»
Henryk M. Broder, Publizist, im Tagesspiegel, 09.01.2007. [Quelle]
«?Jekami”, jeder kann mitmachen, so hießen die vielen Amateurshows, als es noch kein Internet gab und 200 Leute die Freiheit hatten, ihre Meinung zu verbreiten. - Waren das schöne Zeiten.»
Henryk M. Broder, Publizist, im Tagesspiegel, 09.01.2007. [Quelle]
«Das WWW ist auch maßgeblich für die Infantilisierung und Idiotisierung der Öffentlichkeit verantwortlich.»
Henryk M. Broder, Publizist, im Tagesspiegel, 09.01.2007. [Quelle]
«Im Internet wird zwar wahrscheinlich mehr kritisiert als in allen Zeitungen zusammen, aber kein Schwein interessiert das. Da gibt es Blogs und persönliche Homepages und weiß der Teufel was. Das findet aber niemand.»
Michael Ringier, Verleger, im Interview mit der taz, 15.09.2007. [Quelle]
«Na ja gut, es gibt das Internet. Aber es dauert zu lange, bis Sie sich dort alles zusammengesucht haben, und dann sollten Sie es auch noch an diesem unsäglich doofen Bildschirm lesen. Da hilft die Zeitung und sagt: Das ist heute für dich wichtig.»
Michael Ringier, Verleger, im Interview mit der taz, 15.09.2007. [Quelle]
«Im Internet finden ich ja meist nur, was ich suche. In der Zeitung finde ich Dinge, von denen ich gar nicht wusste, dass sie mich interessieren.»
Michael Ringier, Verleger, im Interview mit der taz, 15.09.2007. [Quelle]
«Im Internet finden Sie nur, was Sie suchen. Das aber verengt den Blickwinkel doch sehr.»
Frank A. Meyer, “Medienentwickler” beim Ringier-Verlag, im Interview mit dem Schweizer Journalist, Mai 2007. [Quelle]
«Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.»
Hans-Ulrich Jörges vom Stern im Juni 2007 über die “Blog-Szene” [Quelle]
«Überhaupt ist es doch sehr bezeichnend, daß der Siegeszug der Weblogs hierzulande nicht stattfindet, sondern fortwährend beschworen wird von den etabliertesten Medien, für deren Niedergang die Blogs ja eigentlich sorgen sollen. Die Demokratisierung wird von oben «verhindert», lange bevor überhaupt von Demokratisierung gesprochen werden kann. Ein Grund ist, daß die Blogger nichts wollen, außer aufgekauft zu werden; diese verdammten Nutten.»
Alexander Reich in der Jungen Welt vom 22.03.2007 [Quelle, nicht mehr frei zugänglich]
«Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern?»
Jean-Remy von Matt im Januar 2006 über Weblogs, die “Klowände des Internets”. [Quelle]
«Besserwissern, Wichtigtuern oder Paranoikern, die sich im normal life intellektuell verkannt, sozial missachtet fühlen oder einfach viel Zeit haben, bietet das Web 2.0 ein überaus reichhaltiges Angebot, ihren Neigungen rund um die Uhr nachzugehen. «You can’t always get what you want» - diese Songzeile der Rolling Stones von 1969 gilt fortan vielleicht nur für ihr reales Leben, aber nicht mehr für ihre virtuelle Existenz. Im Mitmach-Web bekommen sie jenen sozialen Kredit oder können jenes soziale Kapital anhäufen, das sie im Alltagsleben vermissen oder das ihnen aus welchen Gründen auch immer von Kollegen, Freunden oder Bekannten vorenthalten wird.»
Rudolf Maresch im Januar 2007 in Telepolis [Quelle]
«In die Top100 der Blogs kommt man schon mit 450 Zugriffen im Monat. Jede Schülerzeitung hat eine höhere Auflage.»
Tobias Moorstedt im Dezember 2006 bei jetzt.de [Quelle]
«Seit Internetnutzer ihre Bilder und Texte unkontrolliert auf extra dafür geschaffene Webseiten stellen können, scheint die Moral im Netz endgültig erodiert. Gewaltvideos und selbst gedrehte Pornos sind besonders beliebt. Auf Blogs, eine Art von Internettagebüchern und Kommentarseiten, beschimpfen sich User gegenseitig als Idioten oder drohen einander Schläge an.»
Marco Stahlhut im April 2007 anlässlich der re:publica bei Welt Online [Quelle]
«Man muss wissen, mit 450 Zugriffen im Monat kommt man unter die hundert erfolgreichsten Blogs in Deutschland, ja? Das ist ungefähr die Auflage einer Schülerzeitung. Also das kann wirklich nicht so richtig interessant sein.»
Siegfried Weischenberg, Kommunikationswissenschaftler, im Mai 2007 bei einer Diskussion von Deutschlandradio. [Quelle (mp3), gefunden bei Stefan Niggemeier]
«Damals [bei der Zeitung "Die Woche"] gab es das Internet auch schon und Internetauftritte, natürlich hat die “Woche” auch da mitreagiert, aber wir haben keine Blogs gemacht, wir waren eigentlich mit unseren Leserbriefen zufrieden, das hat uns gereicht, und die Zeitung war nicht so auf Exhibitionismus angelegt wie Leserreporter, die auf Exhibitionismus angelegt sind.»
Manfred Bissinger, vielfacher ehemaliger Chefredakteur, im Deutschlandfunk, Mai 2007. [Quelle (mp3), gefunden bei Stefan Niggemeier]
«Blogs sind ja eine Aneinanderreihung von persönlichen Befindlichkeiten von Leuten, die eigentlich für den Journalismus oder für die Öffentlichkeit keine wirkliche Bedeutung haben.»
Manfred Bissinger, vielfacher ehemaliger Chefredakteur, im Deutschlandfunk, Mai 2007. [Quelle (mp3), gefunden bei Stefan Niggemeier]
«Das Internet ist ein Ort der Jagd, der Ablichtung, der Durchleuchtung. Im schlimmsten Fall: ein Ort von Hinrichtungen, sexuellem Missbrauch, ein Ort für Fahnder und Datenschützer. Im harmloseren Fall: Eine eskapistische Quatschwelt»
Bruce Willis, Schauspieler, im Interview mit der Süddeutschen Zeitung, 23.06.2007. [Quelle]
«Das Internet ist heute so etwas wie die universelle Plattform des heiligen Krieges gegen die westliche Welt. Es ist Kommunikationsmedium, Werbeträger, Fernuniversität, Trainingscamp und Think Tank der Islamisten zugleich.»
Wolfgang Schäuble, Bundesinnenminister, 14.09.2007. [Quelle]
«Ich sage voraus, dass sich das Internet bald zu einer Supernova aufbläht und 1996 katastrophal kollabieren wird.»
Robert Metcalfe, Elektrotechniker, 1995. [Quelle]
«Das Internet hat kein Gewissen. Es ist eine Datenbank. Das Internet ist nicht menschlich (…). Im Internet sind wir alle leblose Puppen, synthetische Produkte.»
Franz Josef Wagner, BILD-Kolumnist, 23.11.2006. [Quelle]
«Einem Menschen wird man auf seinem Weg zum Bäcker begegnen, aber niemals im Internet.»
Franz Josef Wagner, BILD-Kolumnist, 23.11.2006. [Quelle]
«Zudem ist die virtuelle Welt, in der wir angeblich den Rest unseres Lebens surfend und frohlockend verbringen, nur mäßig attraktiv. Sie riecht nicht gut und fühlt sich nicht attraktiv an. Sie macht Kopfschmerzen und schwindelig.»
Mathias Horx, Trendforscher, am 24.03.2001 in der Welt. [Quelle]
«Schwätzen macht Spaß. Bloggen ist sogar geil. In Wahrheit ist es peinlich und pubertär.»
Klaus Kocks, PR-Berater, im November 2006. [Quelle]
«Blogs personalisieren den Medieninhalt, sodass wir nichts mehr lesen, was über unsere eigenen Gedanken hinausgeht.»
Andrew Keen, Autor des Buchs «Cult of the Amateur», September 2007. [Quelle]
«The internet is producing the cult of the amateur, a dumbing-down of culture, in which innocence is replacing expertise as the determinant of value.»
Andrew Keen, Autor, im Guardian-Blog comment is free, 10.08.2007. [Quelle]
«Today’s internet, quite literally, turns the mass media age on its head. Anyone with internet access can publish anything online, which results in the mob chaos of YouTube, the blogosphere and Wikipedia.»
Andrew Keen, Autor, im Guardian-Blog comment is free, 10.08.2007. [Quelle]
«Wir haben das Internet als interaktives Medium überschätzt»
Dieter Gorny, Medienmanager, im November 2002. [Quelle]
«Ein Internet wird niemals eine Apotheke ersetzen können.»
Thomas Jung, Apotheker, November 1999. [Quelle]
«Die meisten Kenner sind sich einig, dass das Internet-Angebot zu neunzig Prozent aus Schrott besteht. Aber die restlichen zehn Prozent bedeuten immer noch eine gewaltige Materialfülle.»
Daniel Weber und Peter Haffner im NZZ Folio, Februar 1996. [Quelle]
«Was wir überlegen, ist, ob wir nicht die Pionierphase im Netz, was die Verbreitung von Radio und Fernsehen angeht, für beendet erklären sollten.»
Norbert Schneider, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, im April 2007 in der taz. [Quelle]
«Printprodukte haben unersetzbare Materialqualitäten, die man optimieren kann: bequem zu handhaben, gut zu lesen, rascher Überblick, Tastbarkeit - und nicht zu vergessen: Man kann sie wegwerfen. Das werden die Zeitung und Zeitschrift der Online-Welt immer voraushaben - und das lässt sie überleben.»
Norbert Bolz, Medienwissenschaftler und Zukunftsforscher, im Tages-Anzeiger vom 19.03.2007. [Quelle]
«Blogs werden zu Briefen - und die werden ja auch oft nicht gelesen.»
Norbert Bolz, Medienwissenschaftler und Zukunftsforscher, auf der Next07-Konferenz, zitiert nach Thomas Knüwer. [Quelle]
«Für fast alle Arbeiten an den höheren Schulen – und sicher für alle Arbeiten an den Grundschulen – ist die Suche nach Material im Internet nicht nur unnötig, sondern schadet sogar.»
Clifford Stoll, Lehrer und Autor, 1999 in seinem Buch “LogOut”. [Quelle]
«Why is it drug addicts and computer afficionados are both called users?»
Clifford Stoll, Lehrer und Autor. [Quelle]
«Wenn irgendwann so etwas auftaucht wie “Acrobat Reader”, ist für mich auch schon wieder Feierabend. Ich habe es auch noch nie geschafft, im Internet Musik anzuhören oder mir einen Videoclip anzugucken. Ich habe auch keinen Drucker. Und was ich im Jahr vielleicht drei mal mache, ist, einen Text zu mailen.»
Harald Schmidt, Entertainer, im Juni 2003. [Quelle]
«Ich sehe Hausfrauen vor verstaubten Gummibäumen, die sich ausziehen.»
Monika Piel, Intendantin des WDR, im Juni 2007 auf dem Medienforum NRW über ihre Erfahrungen mit dem Web 2.0. [Quelle]
«Das Internet? Gibts diesen Blödsinn immer noch?»
Homer Simpson, Sicherheitsinspektor im Kernkraftwerk Springfield. [Quelle]
Mitarbeit: Ronnie Grob
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blogwerk.com
Jean-Claude
Naja, die Zitate sind ja ganz interessant, aber seien wir ehrlich: ein wenig mehr Pfeffer würde Medienlese schon auch gut tun, damit die Leute sich herausgefordert fühlen und sich einklinken. Irgendwie ist Bloggen immer noch eine Ghetto-Angelegenheit.
Ihr habt schon mal einen Hinweis gebracht auf stefan-niggemeier.de gebracht. Dort läuft z.B. eine hoch interessante Kontroverse über den Klimawandel, bisher gegen 400 zum Teil lange, interessante Einträge und nur wenig Blödler. Wenn man dort die Links nutzt hat man in kurzer Zeit einen faszinierenden Ueberblick übers Thema. Man weiss zwar danach immer noch nicht, ob die “Skeptiker” oder “Alarmisten” Recht haben, aber man kriegt ein Gespür für die Komplexität des Themas. Sowas geht nur im Blog. Nicht auf Papier. Lohnt sich unbedingt, da reinzuschauen.
dani
Mein lieblings Internet Zitat ist immernoch dieses: ?Wenn man im Internet die Pornos verbieten würde gäbe es bald nur noch eine Seite - und auf der steht ?Gebt uns die Pornos wieder!? Doctor Cox, Scrubs… ;-)
Mar Ci
Was nicht sonderluch überraschend ist: Das letzte Zitat gefällt mir immer noch am besten.
Sandmanns-Fahrrad
Zwischen den Zeilen gelesen: Die Presse hat Angst vor dem Netz, eine Konkurrenz, die das gedruckte Medium verdrängt:
Aktuelle Zahlen gefällig?
http://www.ivw.de/index.php?menuid=52&page=3
Erik
Diese Liste ist ein Lieblnk.
Glückwunsch ;)
Jean-Claude
Sorry, aber wenn ich diese Einträge lese, scheint mir, als hätten viele Internetfreaks nicht kapiert, was ein Blog ist: ein Diskussionsforum, wo man debattiert, sich fetzt, mit Links auf zusätzliche Infos aufmerksam macht usw. und dadurch neue Einsichten gewinnt.
Was ich hier lese, ist nur Gejammer, Selbstbestätigung und Schulterklopfen: Was sind wir doch für tolle Missverstande! Und was sind die andern bloss alles für Deppen! Die 50 Zitate reizen nun wirklich, sich damit auseinanderzusetzen. Aber da kommt ja nix, himmelherrgottnonemol!
Peter Sennhauser
@ Jean-Claude: Ich verstehe nicht. Das Gestammel einiger Ahnungsloser ist eine nette Pausenunterhaltung, mehr nicht. Warum sollen wir uns mit der Ignoranz einiger Pappnasen auseinandersetzen, die nichts kapieren wollen? Ich diskutiere lieber die Gedanken von Leuten, von denen ich was lernen kann.
Jean-Claude
@Peter, das ist doch schon mal n’ Blog-Beitrag von dir. Das ist ja genau das, was ich sage: der Reiz eines Blogs ist die Auseinandersetzung. Nur mit gegenseitigem sich selbst Zitieren bleibt es Selbstbefriedigung.
Ich behaupte, Internetfreaks leben häufig in einer Traumwelt. Das zeigt die Qualität der Blogs, insbesondere wenns ums Netz geht. Ich red jetzt mal nur vom deutschsprachigen Raum. Ich muss nochmal Stefan Niggemeyer erwähnen. Im deutschsprachigen Raum kann man Blogs dieser Qualität an einer Hand eines Sägewerkbesitzers abzählen (von der zwei Finger der Säge zum Opfer fielen). Viele Blogs bez. die meisten funktionieren nur als Ghetto-Welt von gegenseitig “Sichselbstbestätigern”. Medienlese nehme ich jetzt natürlich mal davon aus …
Im übrigen habe ich kürzlich eine Studie über US-Blogs gelesen (die kennst du ja besser). Eine Aussage war: Blogs funktionieren nur national und gerade in den USA häufig nationalistisch, in sich gekehrt ja oft geradezu authistisch. Dass da sich eine internationale Community vernetze und sich mit einander austausche (was Internetfreaks ja permanent behaupten) ist ein Kindermärchen. Das heisst: Diese grosse Chance, die kein anderes Medium zu bieten hat, wird überhaupt nicht genutzt. Auch sonst ist die Interaktivität viel geringer, als die Community der Wissenden behauptet.
Natürlich hast du recht, dass die Zitatensammlung der “50″ zum Teil amüsante, zum Teil oberdoofe Aussagen enthält. Natürlich haben mich die Aussage eines Herrn Ströbele auch entsetzt. But thats reality. Mit der musst du dich wohl oder übel auseinandersetzen.
Es sind ja nicht alle Aussagen nur doof: z.B. der Hinweis, dass weltweit die Auflage von Tageszeitungen steigt (nicht allerdings in Europa und den USA). Dass in der Schweiz inzwischen die sechste Gratiszeitung herauskommt , ganz uraltmodisch auf Papier gedruckt, dass mehr Bücher denn je gedruckt, verkauft und gelesen werden - obwohl Gedrucktes ja vöööllig out ist, und dass die meisten Leute tagsüber schon dauernd am Screen hängen und in der Freizeit gar nicht mehr so drauf aus sind, sich stundenlang im Internet zu tummeln. Diesen psychologisch wahrscheinlich ziemlich verbreiteten Effekt habe ich noch nirgendwo analysiert gelesen.
D.h. all die grandiosen Voraussagen , die wir im Ohr haben, haben sich bisher nur sehr, sehr zum Teil bewahrheitet. Mir behagt übrigens diese Kontrastellung Internet gegen Print und umgekehrt überhaupt nicht. Beides geht mehr und mehr eine Symbiose ein, aber viel viel langsamer, als alle gedacht haben. Das eine wird das andere nicht verdrängen, zumindest noch sehr, sehr lange nicht.
Die meisten Internetfreaks haben das noch nicht geschnallt (Ich nehme dich da ausdrücklich aus, da du ja Austausch und Auseinandersetzung suchst). Und ich bleibe dabei: Die meisten Internetfreaks haben nicht kapiert, wie ein Blog funktioniert. Zumdindest nützen sie in unseren Breitengraden die riesigen Möglichkeiten nicht aus.
Die sollen mal aus ihrem Ghetto rauskommen und sich einmischen, tammisiech!
Peter Sennhauser
Du hast mit einigem recht, mit anderem kriechst Du jenen auf den Leim, die aus eigenem Interesse ständig behaupten, das Web und die Blogs funktionierten nicht.
Hier in den USA haben sich einige Journalisten und andere Experten von den weitgehend korrumpierten Grossverlagen emanzipiert und feiern gigantische Erfolge: Weil sie das Vertrauen ihrer Leser haben. Vieles davon ist sehr speziell und natürlich auf die Hightech-Industrie und Silicon Valley bezogen (TechCrunch, GigaOm), anderes ist politisch (huffington post) und wieder anderes branchenspezifisch (buzzmachine, sehr, sehr lesenswert, grade für Dich). Diese Leute haben ein Publikum, von dem einige unserer Zeitungen in der Schweiz nur Träumen können: Hunderttausende, die täglich vorbeischauen und den einen Artikel lesen - oder sich ihre Quellen gleich via RSS-Feed (Erklärung dazu oben rechts auf dieser Seite…) zusammenstellen. Das unglaubliche Wachstum dieser Einzelmasken-Medien ist in den USA mit drei Dingen zu erklären: Eine viel höhere Webaffinität als in Europa (kommt noch, ist eine Frage der Zeit), ein Markt von 300 Millionen bestens ausgestatteten Konsumenten - und der Rest der Welt, denn der liest ebenfalls Englisch.
Das erklärt zum Teil, warum die Deutsche Blogosphäre so klein geblieben ist und warum Blogs in Europa kaum international funktionieren - auf die englischsprachigen trifft das ganz bestimmt nicht zu.
Dass die Deutsche Blogosphäre sich so gern mit sich selber beschäftigt statt mit relevanten Dingen, ist meiner Ansicht nach ein weiterer Grund, weshalb sie so klein geblieben ist: Es sind zwar keine “irrelevanten Tagebücher von Katzenliebhabern”, aber teilweise ein dünkelhafter e. V. von Leuten, die gerne schreiben, sich freuen, den etablierten Medien plötzlich quasi “gleichgestellt” zu sein - und in ihrem Siegestaumel gar nicht mehr anders können, als über sich und die andern zu schreiben. Denn damit haben sie ein garantiertes Publikum.
Grade darum mag ich aber auch darüber weder nachdenken noch schreiben: Ich weiss nicht, was das selbstverliebte Gejammer soll. Am wenigsten interessieren mich die, die ständig über die bösen Linksammler, Kommerzblogger und die Verschmutzer des thematisch ach so reinen Blog-Brunnens herziehen - nur um sich damit der Links und der Aufmerksamkeit der andern zu versichern.
Die Hunde bellen links und rechts von der Karawane, doch die zieht weiter. Vielleicht langsamer als erwartet.
Aber wer behauptet, das Web und die Blogger hätten nichts bewegt, der erkläre mir die Panik der Regierungen in Weissrussland, China und Burma.
laetitia
da
laetitia
das letzte Zitat “gebt uns die Pornos wieder” gefällt unserer Redaktion einstimming sehr gut….
http://www.berlinstartup.de
Jean-Claude
@danke, Peter. Da erfährt man doch endlich mal was Weiterführendes. Das Jammern über den Linkklau kann ich auch nicht nachvollziehen. Die Links sind oft spannned - vorausgesetzt, man trampelt dabei nicht gegenseitig ewig in den eigenen Gärtli herum. Das langweilt nur. Internet ist nun mal ein Massenmedium. Mit dem elitären Quatsch “wow, wir Internet-Pioniere! sollte man endlich aufhören.
Peter Sennhauser
Jean-Claude, ich hab ausserdem mehrfach drüber geschrieben, und bin dabei hier auch schon zu der Bildebene gelangt, die Du verwendest. Und ein Beitrag in der SoZ wurde zur selbsterfüllenden Prophezeiung.
Jean-Claude
@ Peter, es ist halt das Schicksal von Journalisten und von Blogs, dass manches mehr als nur einmal gesagt wird und das Gleiche vielleicht auch von verschiedenen Personen …
Peter
Mein Lieblingszitat fehlt: Das, bei dem Helmut Kohl über den “Stau auf der Datenautobahn” schwadronierte. Sonst eine imposante Liste. Und erschreckend.
Jean-Claude
Das Zitat ging ein wenig anders. In einer Diskussionsrunde, befragt nach der Zukunft der “Datenautobahn”, sagte er, das sei nicht Sache des Bundes. Autobahnen fielen in das Ressort der Bundesländer…
Es ist, muss man gerechterweise sagen, schon ein paar Jährchen her. Er war noch Kanzler. Müsste um 1996 rum gewesen sein.
Jim Beam
Habe den hier in den 50 vermisst:
Senator Ted Stevens haelt das Internet fuer ein System von Roehren:
http://www.youtube.com/watch?v=f99PcP0aFNE
Fuer Leute, die sich das Gestammel der US-Version von Stoiber nicht anhoeren wollen, hier der Extrakt:
“Senator Stevens erklärt uns das Internet”
http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,424965,00.html
Wer nicht genau weiss, wie die Legislative funktioniert, dem sei uebrigens der Film “Ein ehrenwerter Gentleman” empfohlen.
online magazine
Super quotes - danke fürs publizieren.
tball
Schon interessant zu lesen wie wenig Plan einige Politiker von dem Thema Internet haben. Die Zitate sind echt gut.
Tobi
In zehn Jahren ist Google tot. Da bin ich echt mal gespannt ob das so kommen wird.
PartyPlanung
Herrliche Zusammenstellung.
Gebookmarkt! ;)
George
1.) Das Internet ist ein Medium.
2.) Medien sind wie Geschmacksverstärker. Sie lassen sich anwenden sowohl auf Schokolade als auch auf Scheisse.
3.) Das Faszinierende an dieser Gesellschaft beim Umgang mit den Medien ist, dass die meisten Leute zwar Schokolade zum Essen bevorzugen, ihre Nase aber lieber in Scheisse stecken.
Fragen:
- Warum fordern Sie die Leute auf, irgendwo abzuschreiben, statt sich selbst zu äussern?
- Macht die Anzahl der Wiederholungen das Original interessanter?
Wunsch:
- Fordern sie die Menschen auf, Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen (ein Resultat der Aufklärung) und das Denken nicht zu delegieren!
Peter Sennhauser
@George
Das Internet ist etwa so sehr ein Medium wie eine Telefonleitung oder ein Notizblock.
Das Internet lässt sich demnach nicht “anwenden”.
Das Faszinierende am Internet ist, dass die Menschen nicht nur konsumieren (wie sie das bisher mit Medien getan haben), sondern selber Inhalte schaffen, diskutieren, weitereintwickeln.
Wo fordern wir die Menschen auf, abzuschreiben? Diese Kommentarspalte ist doch wohl kein (Aus-) Malbuch?!
Jean-Claude
@Na ja Peter, jetzt hast du etwas sehr als Technokrati geantwortet. So, wie ich dich aus deinen sonstigen Quotes einschätze, bist du das ja nicht. Ich finde schon manchmal auch, es könnte etwas mehr fetzen auf medienlese. Irgendwie haben die Leute eine Hemmschwelle, ihre Meinung zu äussern. Ist das besonders schweizerisch, weil medienlese aus der Schweiz kommt? Gerade im Medienbereich gibts doch genügend Leute, die daran gewöhnt sein müssten. Wo sind die denn? Winterschlaf?
Wolf-Dieter Roth
@Jean-Claude
Na wenn man den Medienzirkus eine Weile miterlebt hat, ist man dankbar, wenn es mal nicht fetzt. Wer es deftig mag, kann ja Freitag nachmittag ins Heise-Forum gehen. (Zu anderen Zeiten durchaus interessant dort).
Und: Peter hat genau die richtige Definition. “Das Internet” ist ein Transportmedium, ein Trägermedium. Das ist technisch gesehen z.B. FTP, E-Mail, WWW, Streaming. Medientechnisch gesehen erstmal Telekommunikation. Die Funktion eines Massenmediums gibt es nur in einigen Teilen des WWW, und selbst da humpelt sie, weil es technisch eben kein Broadcast, kein Massenmedium ist, wie z.B. beim Rundfunk. Wenn 1000 Leute das Radio anmachen, fängt es deshalb nicht an zu rauschen oder zu stottern. Wenn 1000 Leute einen Webradiostream anmachen, sehr wohl.
Stattdessen wird aber nicht mal nur das gesamte WWW, sondern sogar das gesamte Internet als Massenmedium eingestuft. Auch E-Mail. Auch, wenn ich zwei Rechner per LAN verbinde. Klar, für die Spammer ist E-Mail Broadcast. Für mich aber nicht. Ebenso, wie ich etwas vor einem Rundfunkmikrofon an alle sage, am Schnurlostelefon oder Handy aber nicht. Oder eine Zeitung ein Massenmedium ist, das Trägermedium Papier aber nicht.
Wenn Leute, die keine Ahnung haben, über das Internet entscheiden, ob Politiker oder Juristen, dann ist das nur solange komisch, bis dabei blöde Urteile und Gesetze rauskommen. So wie jenes, das in Deutschland E-Mail rundfunkgebührenpflichtig gemacht hat. Obwohl mir der Rundfunk meine E-Mails nicht schreibt und ich das auch nicht haben wollte. Oder bei den Domainkloppereien, wo dann ein deutscher Sender mal eben einer schweizer Bank (der UBS) eine Domain wegnimmt, die die 5 Jahre intensiv genutzt hat, unter der sie bekannt ist, weil er nicht einsehen will, wie “diese blöden Techies” das Domain Name System konstruiert haben und was das zur Folge hat - nämlich daß das schweizer Bankgeheimnis plötzlich komplett für’n Popo ist, weil nun vertrauliche Mails an die Bank ausgerechnet im deutschen Rundfunk landen und dann wieder deutsche Staatsanwälte mit ebensoviel Ahnung wie die 50 Hanseln oben sagen “Das Unterschlagen von E-Mail ist im Gegensatz zu Papierpost nicht strafbar, weil es sich bei E-Mail um keine körperliche Sache handelt”.
Ich glaube, aus den Bereichen Jura & Co. brächte ich 50 ähnlich “intelligente” Zitate zusammen, bei denen bloß keiner lachen und so mancher noch “na der hat aber Recht und diese blöden Tekkies stören ohnehin nur” sagen würde…
Oder was dieser Tage ein Polizist sagte, als eine Neonazigruppe ihren Wahlkampf auf etlichen Gästebüchern privater Homepages und Blogs führte:
“Das ist eine offizielle Pressemitteilung der Bürgerrechtsbewegung xxx xxxx, die Sie auf der Seite xxx-xxxx.org nachlesen können und die somit nicht zu beanstanden ist”.
Es käme wohl kaum einer auf die Idee, daß es legal ist, eine “offizielle Pressemitteilung” politischer Gruppen, egal welcher Couleur, ungefragt allen Leuten ungefragt an die Hauswand zu sprayen. Aber kaum ist es Internet, ist auf einmal alles anders. Weil jeder immer denkt, na Internet, das ist doch was ganz anderes. Und das ist es eben nicht. Es ist nur praktischer als Brieftauben. Aber immer noch lediglich ein Telekommunikationsmedium. Darin dann nützliche Dinge zu tun, ja das ist dann zwar eine eigenständige Sache, aber nicht “das Internet”.
Anton Lerry
Klar das Web ist im wandel. Inhalte werden nun auch oft von den Usern selber erstellt. Sobald sich die Bandbreite der Internetzugänge weiter erhöht kann man sicher von einem Massenmedium sprechen.
Nancy Casta
http://www.alexmero.com/german_writer/zitate,7.html
Panthera-IT
«In zehn Jahren ist Google tot. Ich habe in der Tat die Hoffnung, dass das, was sich jetzt im Markt befindet, übermorgen nicht mehr existiert.»
Ja sicher, ich glaube, Google wird noch mächtiger.
Gerhard
Ein Freund machte mich auf Ihre ausgezeichnete Zitat Sammlung aufmerksam. Aus meinem Forum heraus habe ich auch prompt darauf verlinkt.
Die Zitate entsprechen dem Vortrag eines Diplomaten Beraters, den ich zu einem kleinen internen Treffen von Usenet Providern eingeladen hatte. Der Diplomaten Berater äußerte sich zu den Kenntnissen, die wir auf ministerieller Ebene erwarten dürften im Frühjahr dieses Jahres folgendermaßen:
Drei von fünf Ministern sind ohne ihre Sekretärin nicht in der Lage, einen Computer sauber herunter zu fahren. Höchstens einer kann eine Suchmaschine korrekt bedienen. Soweit einer der Herren überhaupt in der Lage ist, selbstständig einen Browser zu bedienen, wird er überwiegend die Erotikinhalte des Webs ansteuern. Mit mehr Kenntnissen dürften wir weder auf der ministeriellen Ebene noch bei den Staatssekretären rechnen.
Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass sich deutsche Politik so weltfremd mit dem Internet befasst. Es ist wohl höchste Zeit für jüngere Politiker.