Bunt und in Farbe
Die Herausforderung: Ein bekanntes Thema gut aufschreiben, einen neuen Dreh finden, nochmal gründlich nachdenken - und auch: Gut verpacken. Zweiter Teil unserer Betrachtungen des Deutschen Herbstes im Blätterwald.
Nachdem schon in der Neon aktuelle Fotos der Tatorte abgedruckt waren, fotografiert größtenteils von Christian Diehl, zeigt nun Zeit Geschichte die “Herbstbilder” von Micha Bojanowski (”Wo es geschah. Im Wald von Dortmund, auf offener Straße in Köln, in einem Hochhaus in Erftstadt: Wie die Tatorte der RAF-Geschichte heute aussehen”). Menschenleere Szenen hat Bojanowski fotografiert - und verzichtet auf die Gegenüberstellung mit historischen Aufnahmen. Auf Spiegel Online gibt es ein Interview mit Bojanowski (“Wir sitzen in Baaders Zelle? Cool!”) und eine Bildergalerie, die Fotos werden außerdem im Schauspielhaus Stuttgart ausgestellt.

Zeit Geschichte 3/07: “Stammheim 1977″, Illustration von Martin Kluger
Zwei weitere interessante Arbeiten finden sich in der aktuellen Ausgabe von Zeit Geschichte: Rinah Lang hat mehrteilige Collagen geschaffen und zitiert darin, ähnlich wie Dieter Jüdt in der taz, bekannte Fotodokumente. Außerdem ist Hans-Peter Feldmanns umstrittene Fotoserie “Die Toten” abgedruckt, in der Opfer und Täter nebeneinander stehen: “Wir sehen die Opfer der Terroristen und sehen die Terroristen, die selber Opfer wurden”.

Der Spiegel, 10.9.2007: Titelgeschichte “Die Nacht von Stammheim”
Die Titelgeschichte des Spiegels, 23 Seiten lang, zeigt nicht nur im Gebäudeaufriss die Zellen der Gefangenen, sondern gleich auf den ersten Seiten auch die Leichen. Die aufwendig recherchierte Geschichte, erster Teil einer Serie, wartet auf mit 41 Fotos, viele davon in Farbe. Neben einer klassisch gestalteten Chronik werden die “Köpfe der RAF” in einem Infokasten portraitiert. Ansonsten: Viel Text, ergänzt um Zwischentitel in rot. Für diese kommt eine Schriftart zum Einsatz, die mit ihrer Schreibmaschinen-Form an Polizeiprotokolle und Prozessakten erinnert. Ansonsten verläßt sich der Spiegel auf die Wirkung der Fotos.

Welt am Sonntag, 2.9.2007: Dossier (?Deutschlands Drama im Herbst 1977″) mit Infografik
Die blutrote Hand, die in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in der vorherigen Woche einen RAF-Artikel begleitete, ist nicht zurückgekehrt. Der Artikel “Die Stimmen von Stammheim” ist statt dessen mit einem großen Farbfoto einer Demonstration im Jahre 1967 bebildert. Der Text ist über die zweiteilige Fernsehdokumentation von Stefan Aust und Helmar Büchel, die erstmals eine ganze Reihe bisher unbekannter Filmaufnahmen in Farbe zeigen. Das Foto, aus diesem Material, passt natürlich - ist aber trotzdem langweilig.
Wie Artikel um die RAF und den Deutschen Herbst in den nächsten Wochen gestaltet werden, wollen wir hier zeigen. Hinweise gerne in den Kommentaren.
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2 Kommentare zu diesem Artikel
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(1. Dezember 2007 17:11)
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Patrick Weiss
(Wen) interessiert Baders Zelle? Die deutsche RAF-Debatte ist noch lange nicht zu Ende, da Angehörige von Opfern sich noch oft missachtet fühlen, da viele “Wunden”, “Empfindlichkeiten”, Feindbilder fort bestehen, da in der Geschichte des “Kriegs” zwischen RAF und Staat eine Menge deutscher (NS-)Geschichte drin steckt. Da hilft der deutsche Voyer-Journalismus nicht weiter. Verpacken können sie, aber nachdenken?
Ole Reißmann
Auch nachdenken: “Stumme Gewalt” von Carolin Emcke im Zeit Magazin. Aber mir geht es hier vor allem um die visuelle Aufmachung — trotzdem gute Frage!