Weltwoche und SVP Unheilige Allianz gestärkt

Ronnie Grob, 4. September 2007 21:33 Uhr, 10 Kommentare Kommentare

Am 30.06.2007 fragten wir uns, ob die Weltwoche noch als unabhängiges Blatt bezeichnet werden könne, wenn der stellvertretende Chefredaktor zusammen mit einem bekannten Parteiexponenten Interviews führt.

Am 12.07.2007 konnten wir feststellen, dass Ex-Welt-Chefredaktor Roger Köppel kein Problem damit hat (auch wenn dieses Vorgehen ein Einzelfall blieb) und die Kritik daran als das Geplärre einer Dorfmusik sieht.

Heute sahen wir im Weblog infamy eine Ankündigung eines Referats von “Herrn Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor der Weltwoche“:

Roger Köppel

Update am 05.09.2007, 9:10 Uhr, Stellungnahme von Roger Köppel.

Wie man das auch immer deuten mag - wie ein unabhängiger Chefredaktor einer unabhängigen Wochenpublikation sieht Roger Köppel hier nicht aus. Es ist weder die Rede von einem “Gastreferent”, noch ist sonst eine Abgrenzung von der “Partei des Mittelstandes” zu erkennen. Die Zeile “Mein Zuhause - unsere Schweiz” ist etwa dreimal so gross wie die Funktion des Redners, die überhaupt erst klarstellt, dass es sich beim Abgebildeten um kein Parteimitglied handelt.

Und die Schweizer Flagge ist riesig. Man stelle sich mal ein ein Stefan Aust oder ein Christoph Keese unter einer Deutschland-Flagge dieses Ausmasses vor. Aufzufinden ist das Flugblatt auf den Seiten der SVP Zug.

Chefredaktoren reden ja überall mal. Vielleicht sehen wir ja Köppel bald auf einem ähnlichen Flyer der SP. Oder der Grünen.

Wir drucken das Flugblatt hier ohne nachzufragen ab, denn das Ziel eines Flugblatts ist es ja wohl, die Leser auf den Inhalt von diesem aufmerksam zu machen. Ob der Flyer mit oder ohne Wissen von Roger Köppel zustande gekommen ist, wissen wir nicht. Aber wir fragen mal nach.

Update am 05.09.2007, 9:10 Uhr: Unser E-Mail an Roger Köppel wurde, anders als vorherige, beantwortet. Nachfolgend also drei spontane Fragen und drei kurze (bis sehr kurze) Antworten von Herrn Köppel darauf:

Wissen Sie, wie Ihr Referat von der SVP Zug angekündigt wird?

Nein.

Sind Sie damit einverstanden, dass Sie und damit die Weltwoche so präsentiert werden?

Kann ich nicht beurteilen.

Halten Sie die Weltwoche weiterhin für unabhängig?

Natürlich ist die Weltwoche unabhängig. Wir orientieren uns an erfolgreichen Werten/Traditionen der Schweiz. Welche Partei was sagt, ist sekundär.

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8 Kommentare zu diesem Artikel

  1. Lupe

    schrieb am 4. September 2007 um 23:22 Uhr (#)

    passt auf, dass der euch euren post-text nicht plötzlich heimlich abändert.

    es war eben eine bedingung der auns, dass er als gegenleistung für die finanzspritze beim kauf der weltwoche, seinen wahren politischen glauben nach aussen kehren müsse.

  2. Graxel

    schrieb am 5. September 2007 um 09:15 Uhr (#)

    mmmh, und wer sagt denn, dass Köppel kein SVP-Mitglied sei? Die Funktion des Redners stellt ja nur klar, dass er eben Verleger und Chefredaktor ist und in dieser Funktion auftritt, was aber eine Mitgliedschaft in der Partei des Mittellandes-, ääähh Mittelstandes nicht auschliesst.

    Oder ist das eine beleidigende äusserung? Dann wäre noch zu klären, ob für den Mittelstand oder für Köppel…

  3. Robert Holzwart

    schrieb am 5. September 2007 um 09:17 Uhr (#)

    warum noch überraschung spielen. es ist doch schon lange klar, wer köppel zahlt und welche ziele verfolgt werden.

  4. bugsierer

    schrieb am 5. September 2007 um 10:13 Uhr (#)

    man fragt sich, ob köppel nur schuderhaft ungeschickt ist mit seinen svp-affinen aktionen, oder ob es eine strategie des schleichenden outings ist, die irgendwann mal im weltwoche-untertitel “svp-postille” mündet.

  5. Jean-Claude

    schrieb am 5. September 2007 um 14:43 Uhr (#)

    Ist Roger Köppel so naiv? Tut er nur so? Oder sieht er auf dem Foto einfach besonders naiv aus? Ich fürchte: Er ist wirklich so.

  6. mds

    schrieb am 5. September 2007 um 22:48 Uhr (#)

    Roger Köppel ist AFAIK nicht Mitglied der SVP, jedenfalls würde eine SVP-Mitgliedschaft nicht zu seinem libertären (nicht liberalen!) Menschen- und Weltbild passen.

    Abgesehen davon würde ich mich freuen, ähnliche Artikel auch über andere Publikationen zu lesen; Interessenkonflikte, Eigentümer im Dunkeln, usw. gibt es nicht nur bei der «Weltwoche», sondern auch bei allen anderen Publikationen?

  7. Robert

    schrieb am 6. September 2007 um 15:29 Uhr (#)

    Libertär heisst:”extrem freiheitlich; anarchistisch” (Duden-Fremdwörterlexikon). Ein extremer Anarchist? Irgendwie wird das immer kurioser.

  8. Stefan

    schrieb am 21. Dezember 2007 um 20:13 Uhr (#)

    Roger Köppel ist nach eigenen Angaben Mitglied gar keiner Partei. Dass er sich inhaltlich der SVP annähert erklärt er als Vertretung eines gewissen Meinungspluralismus. Dass er beispielsweise Blocherfreundliche Inhalte veröffentlicht, liegt wohl tatsächlich daran, dass er journalistisch gegen den Mainstream wirken will. Ich kann mich da beispielsweise auch an einen Beitrag zum Klimawandel erinnern, in Form eines Interview mit einem Lügner des Klimawandels.
    Dass er ausserdem politisch immer eingleisig fährt kann ich mir kaum vorstellen, hat sich doch die Weltwoche vor den Bundesratswahlen 2003 hinter SP-Frau Calmy-Rey gestellt.


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  1. Angst-Allianzen | Bürger-Herold
    (5. September 2007 00:45)
  2. medienlese.com » Blog Archiv » Im Test: Die Weltwoche
    (5. Mai 2008 18:34)

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