Demnächst in Ihrem Briefkasten:
“Die Post”?

Florian Steglich, 3. September 2007 12:10 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Deutsche Post liebäugelt mit dem Einstieg ins Zeitungsgeschäft, schrieb gestern die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Eine Gratiszeitung sei in Vorbereitung. Das wäre ein Frontalangriff auf die Bild-Zeitung - ist aber vielleicht auch nur eine Drohkulisse.

Das Projekt sei so weit entwickelt, dass die Gratiszeitung in kürzester Zeit auf den Markt kommen könnte, so die FAS.

“Die Inhalte der Zeitung sind geklärt, die Vertriebsmacht hat die Deutsche Post sowieso - ihre Briefträger fahren Tag für Tag zu jedem Briefkasten in Deutschland. Selbst eine Millionenauflage könnte daher einigermaßen günstig an den Leser gebracht werden.”

Man kann sich ausmalen - und man wird es sich im Springer-Hochhaus in Berlin vorstellen können -, was es für die Bild-Zeitung bedeuten würde, wenn jeder Haushalt in Deutschland jeden Vormittag eine kostenlose Zeitung im Briefkasten liegen hätte.

Bild-Käufer sind nicht extrem treu - wo sich nach Preiserhöhungen bei anderen Printprodukten die Dellen in den Verkaufszahlen meist wieder einigermaßen ausbeulen, ist das bei der Bild nicht der Fall. Kostenlose Konkurrenz wäre also gefährlich. Das dürfte auch der Grund sein, warum die Axel Springer AG sich bisher - im Verbund mit anderen Großverlagen - so heftig gegen jeden Versuch einer Gratiszeitung auf dem deutschen Markt gewehrt hat.

Mit Widerstand müsste sicher auch die Deutsche Post rechnen. Deren Bereitschaft zur Rücksichtnahme auf Verlage ist jedoch sicher nicht größer geworden, seitdem diese ihr auf ihrem ureigenen Markt, der Postzustellung, Konkurrenz machen. Dort ist der größte Wettbewerber der Post die Pin-Gruppe - zu deren Eigentümern neben der WAZ-Gruppe und der Verlagsgruppe Holtzbrinck auch die Axel Springer AG gehört.

Eine Gratiszeitung der Post wäre also auch eine Retourkutsche. Wenn Du Dich in meinem Revier tummelst, wildere ich in Deinem.

Vielleicht aber ist es aber auch nur diese Drohung, die die Deutsche Post mit ihren Plänen an den richtigen Adressaten bringen will. Die Gratiszeitung als eine Art neue Atombombe: Jeder hat sie in der Schublade, aber niemand will sie benutzen. Das trifft auf die deutschen Großverleger schon lange zu, nun gesellt sich offenbar auch die Post zu ihnen.

Sie bestätigt die Pläne nicht und dementiert sie nicht. Aber vielleicht reicht es ja auch schon, dass die Nachricht in der Welt ist. Es ist darum noch lange nicht gesetzt, dass die Deutschen demnächst morgens am Frühstückstisch “Die Post” aufschlagen werden.

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