medienlese - der Wochenrückblick

Ronnie Grob, 15. Juli 2007 um 19.15 Uhr, 3 Kommentare Kommentare

20min Schreibfehler, ein Blog, das sich dem Aufspüren von Rechtschreibefehlern der Gratiszeitung 20 Minuten verschrieben hat, erhielt offenbar elektronische Post aus der Redaktion: “Wo gehobelt wird, fallen Spähne. Und wo schnell gehobelt wird, fallen noch mehr Spähne. Aber wir haben das Problem erkannt und werden per 1. August ein Korrektorat einsetzen. Damit sollte sich die Fehlerquote massiv reduzieren. Freundliche Grüsse”. Die Jagd nach den Fehlern, die viele als kleinlich einschätzen, hat dennoch konkrete Aussagen hervorgebracht. In nur 20 Tagen wurden nach Angaben des Bloggers über einhundert Rechtschreibefehler gefunden. Eines der Online-Projekte der NZZ, NZZ Campus, wird ab dem 25.09.2007 gedruckt und die bisherige Beilage “Studium und Karriere” ersetzen. “Unter Anleitung der Redaktion” werden auch Blogger Texte beisteuern. Die Anzahl und Auflage von in der Schweiz erscheinenden Kaufzeitungen ging zurück: “1939 erschienen in der Schweiz noch 406 verschiedene Titel. Danach ging diese Zahl kontinuierlich um rund die Hälfe zurück. 1950 sank die Zahl unter 400 und 1980 unter 300. 2006 wurden noch 205 Titel gezählt.”

Zeit-Kolumnist Harald Martenstein änderte seine Strategie. Statt wie bisher Schmähbriefen “eisig-korrekt” zu entgegnen, will er neu stets die im Brief angeschlagene Tonlage wählen. So beantwortete er einen Leserbrief, der ihm vorschlug, die Fresse zu halten, so: “Sie haben Gehirn und Seele eines Dobermanns. Wenn Sie Hautausschlag kriegten, wäre es mir sehr recht.”

Exponenten des Tages-Anzeigers und der NZZ zofften sich. (jr) schrieb in einer Bildunterschrift, den Artikeln in der NZZ würde es meistens an Anmut fehlen, worauf NZZ-Redaktor Andreas Honegger einen Leserbrief schrieb: “Das war nun wirklich ein Hick unter der Gürtellinie, liebe Kolleginnen und Kollegen von der Werdstrasse.” Er beklagte sich darin über “dumme Sprüche” und “peinliche Anwürfe”, die “weder witzig noch bissig, noch geistreich sind”. Übrigens, weiss jemand, was ein Hick ist? In Ermangelung eines Dudens konnte ich nur bis zur Definition in der englischen Wikipedia vorstossen: “Hick is a derogatory term for an unsophisticated person from a rural area.” Blogger begaben sich in die Badeanstalt, fotografierten sich nicht in der Kabine umkleidende Menschen und empörten sich über deren Nacktheit. Die britische Regierung wollte zum Klimaschutz verstärkt gegen rülpsende Kühe und Schafe vorgehen und David Beckham begann zu bloggen.

Don Alphonso :
“Nicht pauschalisiert”

Peter Sennhauser, 15. Juli 2007 um 9.34 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

In der Kommentarspalte schon ausführlich abgehandelt, hier nochmals die “Berichtigung”, wie sie auch die Sonntagszeitung auf Rainer Meyers Intervention hin abgedruckt hat, zum Text “Schwätzer gegen Wadenbeisser” (online noch ohne die Korrektur des Namens und die Entgegnung von Don Alphonso):

“BERICHTIGUNG

In dem Artikel «Schwätzer gegen Wadenbeisser» in der Ausgabe vom 8. Juli berichtete die SonntagsZeitung, der in der deutschen BloggerSzene als «Don Alphonso» bekannte Journalist Rainer Meyer (im Artikel fälschlicherweise als Meier geschrieben) habe seine Standeskollegen pauschal als «zynische Dreckschweine» bezeichnet. Meyer legt Wert auf die Feststellung, dass er diese Betitelung nicht pauschal an alle Journalisten gerichtet, sondern im Zusammenhang mit käuflichen Medizinjournalisten verwendet habe.”

Das Aus für Webradios

Peter Sennhauser, 13. Juli 2007 um 9.07 Uhr, 7 Kommentare Kommentare

Seit gestern ist das Webradio in den USA akut vom Aussterben bedroht: Extreme Tantiemenforderungen der Musikindustrie machen die grösste Plattform für unbekannte Künstler kaputt.

Ein Appellationsgericht für den District of Columbia in den USA hat gestern die Berufung verschiedener Web-Radio-Organisationen sowie des National Public Radio (NPR) gegen extreme Erhöhungen der Sendetantiemen für kommerzielle Musik durch das “Copyright Royalty Board” abgelehnt. Damit würden ab Sonntag die Gebühren für das öffentliche Abspielen von geschützten Musikstücken (wozu das Webcasting auch gehört) um bis zu 1200 Prozent teurer, und das teilweise rückwirkend. Webradios müssten ausserdem 500 Dollar pauschaler Jahresgebühr bezahlen. Die Anpassungen wurden initiiert von SoundExchange, einer Organisation der Musikindustrie.

Nach Ansicht der Webcaster würde das den Untergang zahlreicher kleiner Webcasting-Betriebe bedeuten, die derzeit rund 7 Millionen Zuhörer via Internet meist mit Sparten-Musikprogramme bedienen.

Die grössten Musikdienste wie Yahoo, Pandora und andere, schreibt die Washington Post, könnten sich die Gebühren zwar problemlos leisten. Viele der kleinen Stationen und Hunderte von Hobby-Discjockeyes müssten ihren Laden dichtmachen - oder haben das schon getan.

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6 vor 9

Ronnie Grob, 13. Juli 2007 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Tagesshow
(dradio.de, Walter van Rossum)
Seit Jahrzehnten lassen sich Abend für Abend über zehn Millionen Menschen vor der 20-Uhr-Ausgabe der Tagesschau nieder. Karl-Heinz Köpcke, lange Zeit Chefsprecher der Tagesschau, wurde sogar von vielen als eine Art Regierungssprecher wahrgenommen. Und tatsächlich gibt sich die Tagesschau äußerst “offiziös”. (Das Manuskript zur Sendung ist als pdf oder im barrierefreien Textformat verfügbar. Dazu das Blog der Tagesschau: “Das tut richtig weh” )

2.0 und dann? Journalismus im Wandel (+ + + +)
(newsaktuell.de, pdf, 427 kb)
Was Journalisten von den aktuellen Trends im Internet halten und wie sie die Zukunft der Medien sehen.

Zeitungen und Zeitschriften buhlen um die Gunst der Leserinnen (+)
(nzz.ch, Monika Joss)
Die Presse will sich herausputzen, um dem weiblichen Publikum besser zu gefallen. Magazinartig aufbereitete Stoffe kommen bei diesem gut an. Doch noch überwiegt das männliche Lesepublikum.

Wie wird eigentlich die Quote gemessen?
(welt.de, Kolja Langnese)
Das Fernsehen ist voller Rätsel. Wie bekommt man ein Quoten-Messgerät? Gibt es eine Entschädigung fürs Mitmachen? Reality-TV hat bei den Statistikern von der GfK nachgefragt. Und wähnte sich im Quoten-Himmel.

“Wir sind keine Hippies”
(zuender.zeit.de, Katharina Kehl)
Wie lässt sich Frieden im Nahen Osten erreichen? Welche Art der Demokratie brauchen wir? Fragen, die arabische Jugendliche auf mideastyouth.com täglich diskutieren. Anonym, versteht sich. Ein Interview mit der Gründerin Esra’a Al Shafei.

Der Info-Express
(merkur.de, Daniel Hildebrand)
Nach ?Tagesthemen? und ?heute-journal? schaut der RM diesmal die private Konkurrenz. Und stellt fest: Kommerzielle Nachrichten sind zwar bunter, aber besser als ihr Ruf.

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier von Montag bis Freitag handverlesene Links zu Online-Storys aus alten und neuen Medien.
Link-Tipps gerne bis 8 Uhr an tipps.medienlese bei blogwerk punkt com.

Kurz und falsch informiert

Ronnie Grob, 12. Juli 2007 um 20.15 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

NZZ Online Tour de France 2
nzz.ch, Stand: 20:15 Uhr (Ausschnitt Hauptseite, Einfärbung: medienlese.com)

Wir empfehlen dazu diesen am 20.04.2007 auf NZZ Online erschienen Artikel.

Roger Köppel steht zu seinem Angestellten Christoph Mörgeli

Ronnie Grob, 12. Juli 2007 um 10.39 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Weltwoche-Inhaber und -Chefredaktor Roger Köppel hält die Frage, ob es richtig ist, wenn ein Aushängeschild einer nationalen Partei zusammen mit seinem Stellvertreter Interviews führt, für eine Seldwyla-Debatte.

Blenden wir zurück: Am 30.06.2007 fragten wir uns, ob denn die Weltwoche noch unabhängig ist. Denn sie lässt einen führenden Politiker zusammen mit dem stellvertretenden Chefredaktor, Markus Somm, Interviews führen. Damals zweifelten wir noch, ob es sich bei Christoph Mörgeli überhaupt um den bekannten SVP-Exponenten handelt oder um einen Namensvetter.

Unsere damalige Mailanfrage hat Roger Köppel nicht beantwortet. Aber René Worni von der Werbewoche war so nett, und hat nochmals gefragt, wie denn das ist mit dem redaktionellen Mitarbeiter Christoph Mörgeli:

Das nimmt man Ihnen ab? Auch wenn Bundesrat Blocher bei Ihnen im Blatt schreibt, oder wenn SVP-Chefideologe Mörgeli als nunmehr redaktioneller Mitarbeiter Interviews führt?

Roger Köppel sieht keine Probleme:

Ich kann doch den hervorragenden Kolumnisten Mörgeli nicht einfach deshalb boykottieren, weil er in der SVP ist. Sollte ich ihn zu einem FDP-Beitritt überreden? Das Gleiche beim brillanten Formulierer Bodenmann. Ist er in der falschen Partei? Das sind Seldwyla-Debatten. Dorfmusik eins gegen Dorfmusik zwei. Da muss die Weltwoche darüber stehen.

Seldwyla? Seldwyla ist eine fiktive Kleinstadt. Und ein in der Schweiz oft genutzter Begriff, wenn es darum geht, irgendwelche Fragestellungen oder Diskussionen als belanglos zu bezeichnen. Er geht zurück auf die Novellensammlung “Die Leute von Seldwyla” von Gottfried Keller.

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6 vor 9

Ronnie Grob, 12. Juli 2007 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Tages-Diebe
(woz.ch, Göldin)
“Irritierend, wenn sich eigene Sätze und Gedankengänge in anderen Medien wiederfinden, geschrieben von anderen Menschen, verkauft als deren Eigenleis­tung.” WOZ-Inlandredaktor Göldin schreibt, der Tages-Anzeiger klaue aus der WOZ.

Roger Köppel
(werbewoche.ch, René Worni)
Seit Januar ist er unermüdlich daran, das Steuer herumzureissen und die Weltwoche auf Erfolgskurs zu trimmen. Im Gespräch mit René Worni erklärt der Neo-Unternehmer, warum er die totale Unabhängigkeit vorzieht, weshalb man im Fall von Volksheld Blocher allmählich dagegenhalten muss und wieso er sich manchmal fürchterlich aufregt.

Aus die Maus? Falsch!
(tagesspiegel.de, Andreas Kötter)
?Das Micky-Maus-Magazin? dominiert weiter im Markt der Kinderzeitschriften. Seit fast 56 Jahren erscheint das Heft - jede Woche.

Ein Stern geht auf Sendung
(sueddeutsche.de, Dagmar Deckstein)
Die älteste deutsche Automarke setzt jetzt auch auf das Kundenfang-Instrument Internet-Fernsehen. Vom heutigen Donnerstag an geht www.mercedes-benz.tv online.

Professoren und der Hund
(telepolis.de, Harald Taglinger)
Neben der Spur: Merkwürdiges zum Internet.

Nasse Gartengespräche über Medienjournalismus 2.0 07
(pottblog.de)

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Blick, die Zeitung der Pensionäre

Ronnie Grob, 11. Juli 2007 um 20.15 Uhr, 11 Kommentare Kommentare

Der 1959 gegründete Blick ist noch nicht mal 50 Jahre alt. Und doch deutet alles darauf hin, dass er bald in Rente gehen wird. Die nationale Relevanz ist dahin und neue Leser sind keine in Sicht.

Letzthin dachte ich mir: Wer eigentlich liest überhaupt noch den Blick, die ehemals “grösste” und inzwischen “stärkste” Schweizer Boulevardzeitung? Doch dann war ich einkaufen, in einem grossen Schweizer Einkaufscenter, so um zehn Uhr morgens. Und zufällig sah ich nacheinander drei Menschen, die den Blick lasen. Sie hatten drei Gemeinsamkeiten: Sie waren alle männlich, sie waren alle im Rentenalter und sie sassen alle alleine an einem Tisch im Coop-Restaurant.

So liest man den Blick. Aus Gewohnheit. Wegen den Titeln kauft man sich nämlich, einzelne Ausgaben ausgenommen, die Zeitung schon längst nicht mehr. Als Beispiele für die Einfallslosigkeit und Beliebigkeit der Titel können wir die von Montag und Dienstag dieser Woche nehmen:

Blick 09 07 2007

Blick 10 07 2007

Dass Roger Federer schon wieder Wimbledon gewonnen hat, hat jeder Schweizer noch am Sonntagabend erfahren (Live-Berichterstattung Schweizer Fernsehen, Meldung in vielen anderen den Abend begleitenden Sendungen, Radio, Internet, etc.). Dass die Schweiz ein unglaubliches Weltwunder ist, ist irgendwie auch keine Meldung.

Gestern abend räumte dann die Blick Online mit dem angeblichen Mythos der “Myspace-Generation” auf. Um die These etwas glaubwürdig zu untermauern, wurde ein armer Volontär dazu verknurrt, aus junger Sicht gegen diese neue Konkurrenz zu schreiben:

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6 vor 9

Ronnie Grob, 11. Juli 2007 um 8.54 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Showdown beim “Spiegel”
(ftd.de, Lutz Meier und Katrin Elger)
Der jüngste Streit im Verlag des “Spiegel” dreht sich zwar um die TV-Tochter. Doch in Wahrheit geht es auch darum, wie lange Chefredakteur Stefan Aust noch bleibt - und was danach kommt.

Wo bleiben die Verlage?
(boersenblatt.net, Wulf D. v. Lucius)
Die Zeit, in der Informationsprodukte von wenigen für viele hergestellt wurden, wird abgelöst von einer Ära, in der die Nutzer selbst Inhalte beisteuern. Das stellt alte Geschäftsmodelle infrage.

“Ich bin jetzt verdammt betrunken”
(spiegel.de, Konrad Lischka)
Es gibt Web-Unternehmer, die plaudern in öffentlichen Netzforen über ihren Alkoholkonsum oder den Kampf gegen ihr Übergewicht - und überschreiten dabei gelegentlich die Grenze zur Selbstentblößung. Ein Jurist hat eine Firma gegründet, um peinliche Postings aus dem Web 2.0 zu löschen.

Die Pfleger des Rauchtums
(taz.de, Hendrik de Boer)
Die “Tagesthemen” senden Meinungen zum Nichtraucher-Schutzgesetz - und befragen nur Raucher und Wirte.

Mediale Gipfelstürmer
(verdi.de, Günter Frech)
Irrationales Sicherheitsbedürfnis pointiert auf?s Korn genommen.

1000 digitale Meisterwerke: Der Newsroom der Welt-Gruppe in Berlin
(normanemailer.blogspot.com)

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Redesign von NZZ Online wird von der Leserschaft abgelehnt

Ronnie Grob, 10. Juli 2007 um 10.07 Uhr, 13 Kommentare Kommentare

Die Neue Zürcher Zeitung serviert ihre Inhalte neu. Das Portal NZZ Online fällt auf durch Leserbeteiligung und viele Bilder, fällt ab durch Unübersichtlichkeit, verwirrende Navigation und schwammige Grenzen. Und es fällt durch: bei den Lesern.

NZZ

Am 17.06.1997 wurde NZZ Online aufgeschaltet und feierte somit letzten Monat sein zehnjähriges Jubiläum. Das Portal bietet dazu einen Blick zurück sowie die zehn Jahre im Zeitraffer.

Was hat sich auf den ersten Blick geändert? Es gibt mehr bunte Bilder, mehr Themen, eine unklare Navigation und mehr, aber schlechter positionierte Werbung.

Einen ersten Überblick über die Aufnahme des neugestalteten Portals gibt die neugeschaffene Kommentarfunktion und die dort eingestellten Kommentare. Wir haben die ersten 105 Kommentare zum das Redesign begleitenden Artikel ausgewertet:

NZZ Online Auswertung

Der negative Teil überwiegt also. Befassen wir uns mal mit den Details, vielleicht findet man so heraus, an was das liegt:

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