Roger Köppel steht zu seinem Angestellten Christoph Mörgeli
Weltwoche-Inhaber und -Chefredaktor Roger Köppel hält die Frage, ob es richtig ist, wenn ein Aushängeschild einer nationalen Partei zusammen mit seinem Stellvertreter Interviews führt, für eine Seldwyla-Debatte.
Blenden wir zurück: Am 30.06.2007 fragten wir uns, ob denn die Weltwoche noch unabhängig ist. Denn sie lässt einen führenden Politiker zusammen mit dem stellvertretenden Chefredaktor, Markus Somm, Interviews führen. Damals zweifelten wir noch, ob es sich bei Christoph Mörgeli überhaupt um den bekannten SVP-Exponenten handelt oder um einen Namensvetter.
Unsere damalige Mailanfrage hat Roger Köppel nicht beantwortet. Aber René Worni von der Werbewoche war so nett, und hat nochmals gefragt, wie denn das ist mit dem redaktionellen Mitarbeiter Christoph Mörgeli:
Das nimmt man Ihnen ab? Auch wenn Bundesrat Blocher bei Ihnen im Blatt schreibt, oder wenn SVP-Chefideologe Mörgeli als nunmehr redaktioneller Mitarbeiter Interviews führt?
Roger Köppel sieht keine Probleme:
Ich kann doch den hervorragenden Kolumnisten Mörgeli nicht einfach deshalb boykottieren, weil er in der SVP ist. Sollte ich ihn zu einem FDP-Beitritt überreden? Das Gleiche beim brillanten Formulierer Bodenmann. Ist er in der falschen Partei? Das sind Seldwyla-Debatten. Dorfmusik eins gegen Dorfmusik zwei. Da muss die Weltwoche darüber stehen.
Seldwyla? Seldwyla ist eine fiktive Kleinstadt. Und ein in der Schweiz oft genutzter Begriff, wenn es darum geht, irgendwelche Fragestellungen oder Diskussionen als belanglos zu bezeichnen. Er geht zurück auf die Novellensammlung “Die Leute von Seldwyla” von Gottfried Keller.
In der Einleitung zu dieser Novellensammlung heisst es:
Der Kern und der Glanz des Volkes besteht aus den jungen Leuten von etwa zwanzig bis fünf-, sechsunddreißig Jahren, und diese sind es, welche den Ton angeben, die Stange halten und die Herrlichkeit von Seldwyla darstellen. Denn während dieses Alters üben sie das Geschäft, das Handwerk, den Vorteil oder was sie sonst gelernt haben, d. h. sie lassen, solange es geht, fremde Leute für sich arbeiten und benutzen ihre Profession zur Betreibung eines trefflichen Schuldenverkehres, der eben die Grundlage der Macht, Herrlichkeit und Gemütlichkeit der Herren von Seldwyla bildet und mit einer ausgezeichneten Gegenseitigkeit und Verständnisinnigkeit gewahrt wird; aber wohlgemerkt, nur unter dieser Aristokratie der Jugend.
Lustig, viele Blogger sind in dieser Altersgruppe. Könnte es sein, dass sie so gesehen werden? Als irrelevante, selbstreferentielle, jungnaive Müssiggänger, die sich stets gegenseitig ihren Wert versichern? Die fremde Leute für sich arbeiten lassen? Es wäre interessant, zu wissen, was Roger Köppel wirklich über Blogger denkt.
Ich bleibe dabei. Einflussreiche Politiker als Autoren: ja. Einflussreiche Politiker Seite an Seite mit dem stellvertretenden Chefredaktor: nein. Ob ich das nun als Seldwyler schreibe oder nicht, halte ich für unwichtig.
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(26. Januar 2008 14:18)
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andreas
Ich finde das jetzt sehr lustig. Roger Köppel geht nicht wirklich auf die Frage ein und reduziert statt dessen die Diskussion selber auf das alte Rechts-Links-Schema, gegen das er sich selber immer verwehrt. Wie Schizophren ist das?