Kanzlerin feiert Personalwechsel beim Spiegel
Die deutsche Kanzlerin und der deutsche Vizekanzler besuchen ein Personalfest bei der Zeitschrift Spiegel. Warum eigentlich?
Im am heutigen Sonntag erschienenen Spiegel (Ausgabe 27/2007) steht in einer Hausmitteilung auf Seite 3:
Wechsel an der Spitze des SPIEGEL-Hauptstadtbüros: Rund 300 Gäste, darunter Kanzlerin Angela Merkel, 52, Vizekanzler Franz Müntefering, 67, und der langjährige Aussenminister Hans-Dietrich Genscher, 80, kamen ins Berliner Restaurant Borchardt, um Büroleiter Gabor Steingart, 45, zu verabschieden. Er arbeitet künftig in Washington.
Auf dem Bild dazu (links, Ausschnitt aus dem Spiegel) sehen wir eine lächelnde und von vier Männern (Gabor Steingart, Stefan Aust, Georg Mascolo und Dirk Kurbjuweit) umringte Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie sie einem von ihnen, Dirk Kurbjuweit, die Hand schüttelt.
Meine Fragen dazu:
1. Was interessiert die deutsche Kanzlerin und den deutschen Vizekanzler ein Personalwechsel in einer deutschen Wochenzeitschrift? Was für ein Interesse hat Deutschland an so einem Besuch?
2. Wieso glaubt eine deutsche Wochenzeitschrift, die deutsche Kanzlerin und den deutschen Vizekanzler zu einer Feier eines Personalwechsel einladen zu müssen? Was für ein Interesse hat der Spiegel an so einem Besuch?
3. Können Journalisten, die zusammen mit Politikern ihre eigenen, alltäglichen Personalwechsel feiern, weiterhin kritisch über diese Bericht erstatten?
4. Im Pressekodex des deutschen Presserats steht in der Richtlinie 15.1:
Recherche und Berichterstattung dürfen durch die Annahme von Geschenken, Einladungen oder Rabatten nicht beeinflusst, behindert oder gar verhindert werden. Verlage und Journalisten bestehen darauf, dass Informationen unabhängig von der Annahme eines Geschenks oder einer Einladung gegeben werden.
Gilt das sowohl in die eine als auch in die andere Richtung?
*
Im gleichen kurzen Abschnitt wird der Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust zitiert. Er sagte an diesem Anlass:
Manchmal hatten wir den Eindruck, Rot-Grün ganz alleine gestürzt zu haben, was der Unehre etwas zu viel ist.
Womit die Sicht des Spiegels auf ihren Einfluss in der deutschen Politik klar wird. Wie das wohl die Politik sieht?
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2 Kommentare zu diesem Artikel
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Peter Hogenkamp
Wenn Du die Spiegel der letzten Jahre durchschaust (ich lese ihn mehr oder weniger durchgängig seit 1990), wirst Du sehen, dass sich ausser Kohl immer alles deutschen Spitzenpolitiker bei Spiegel-Festen haben blicken lassen. Aber auch beim Bundespresseball und und und.
Jean-Claude
Stimmt. Ist völlig normal. Bei andern wichtigen Medien (etwa FAZ, SZ, ARD, ZDF etc.) geschieht das auch. Warum das in der Schweiz nie passieren würde? Weil die Mächtigen hierzulande die Medien nicht wirklich ernst nehmen. SI benutzen sie im Bedarfsfall, aber sie nehmen sie nicht ernst.Sie haben auch keinen Grund dazu. Warum das so ist, müssen sich die Medien selbst fragen.