Zeitungsente aus Koma erwacht
Der polnische Journalist Zygmunt Dzieciolowski hat für die Sonntagszeitung den Fall des angeblich nach 19 Jahren Koma wieder aufgewachten Jan Grzebski nochmals aufgerollt.

SonntagsZeitung vom 17.06.2007
Ursprung der Falschmeldung war die polnische Journalistin Anna Czuraj-Struzik von der Gazeta Dzialdowska. Auf Anfrage der Sonntagszeitung räumt sie ein, dass sie ihre Informationen vielleicht besser hätte überprüfen müssen. Sie sagt:
Trotzdem, was Jan Grzebski passiert ist, ist ein Wunder. 19 Jahre verbrachte er im Bett. Jetzt kann er wieder auf den Beinen stehen und sprechen. Noch vor wenigen Monaten hätte niemand auch nur davon zu träumen gewagt.
Und findet deshalb die Frage, ob der im Bericht verwendete Begriff “Koma” richtig oder falsch war, irrelevant.
Richtig los ging es erst, als die polnische Nachrichtenagentur PAP die Meldung verbreitete. Fast alle Medienportale berichteten über den Fall - was sich erst änderte, als seine Ärzte an einer eigens einberufenen Pressekonferenz bekannt machten, Grzebski sei bereits 1990 aus dem Koma erwacht. Seit dann bis zum 12.04.2007 habe er aber an einer Lähmung gelitten, die ihm das Sprechen verunmöglichte.
Die einen berichtigten darauf ihre Meldungen, die anderen nicht und Spiegel Online verbreitete temporär sogar gleich zwei Versionen. Die Google-Suche nach “Jan Grzebski” ergibt zurzeit um die 150′000 Resultate.
Auf die Entwarnung reagierten die Medien gemäss Dzieciolowski so:
Die Ersten, die ihre Sachen zusammenpackten, waren die TV-Übertragungswagen. Bei den Grzebskis klingelte das Telefon immer seltener. Nachdem Jan zurück im Spital war, fühlte sich Gertruda Grzebski erschöpft. Sie beschwerte sich darüber, dass die TV-Crews ihre Möbel “kaputtgemacht” hätten. Und sie machte sich Sorgen wegen der hohen Stromrechnung. Denn die Journalisten hatten ihre Lampen und Geräte an ihre Steckdosen angeschlossen.
Flankiert wird der Text in der Sonntagszeitung von vier Beispielen, bei denen Medien Falschmeldungen verbreiteten. Eine lobenswerte und nicht alltägliche Branchen-Selbstkritik. Was vermutlich etwas leichter fällt, wenn man nicht dabei war.
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