Hauzi zum letzten Cash

Peter Sennhauser, 15. Juni 2007 13:26 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Kolumnist und Ex-Cash-Produzent Martin «Hauzi» Hauzenberger liefert drüben im Medienspiegel einen Einblick in die Vorgänge bei Teilschliessungen des Blattes zu früheren Zeiten.

Er warnt in der Rubrik «Mediensatz» vor dem, was er «ein Stück Betroffenheitsjournalismus» nennt, und erzählt dann von der Abschaffung der CASH-Produktion: Jener Abteilung von Textschmieden, die heute noch bei grösseren Wochenzeitungen und Magazinen Texte veredeln, auf den Punkt bringen, Titel setzen etc. und für deren häufig sehr gelungene Spitzen Cash berühmt und für die gelegentlichen Schüsse übers Ziel hinaus wohl auch berüchtigt war; nicht zuletzt derer die Wochen-Wirtschaftszeitung aber in den 90ern im Zusammenspiel mit aufgewecktem Journalismus dafür gesorgt hatte, dass auf den Wirtschaftsressorts der Tageszeitungen bald ein frischer Wind wehte, Kapazitäten aufgestockt und verstaubte Zahlenbeigereien durch engagierteren Journalismus ersetzt wurde.

Hauzis Augenzeugenbericht:

Das Ende der Produktion war schon ein Jahr zuvor geplant gewesen, und man hatte sich dafür ein Beraterbüro angelacht, das die Abläufe in der Zeitung untersuchte und, oh Wunder, zum Schluss kam, die Produktion könne problemlos abgeschafft werden. Bei der entscheidenden Sitzung fragte der damalige stellvertetende Chefredaktor, ob ihm die externen Berater kurz definieren könnten, was die Produzenten bei «Cash» für eine Funktion hätten. Die teuren Analysten wussten es nicht zu sagen. Sie verfassten anschliessend einen neuen Bericht, in dem die Produktion als USP, als Stärke, von Cash dargestellt wurde. Ein Jahr später wurde sie trotzdem abgeschafft, und Chefredaktor Dirk Schütz hielt kurz darauf fest, die Redaktion mache jetzt mit weniger Leuten ein besseres «Cash».

Hauzenberger tönt auch an, dass solche Umstände der Qualität der Arbeit nicht wirklich zuträglich sind und die letzten Ausgaben der Wochenzeitung die Moral der Truppe wohl widerspiegeln dürften.

Ich möchte dem mein eigenes Stück Betroffenheitsjournalismus anhängen. Ich war damals auch dabei, und kurz vor- oder nach der Schliessung der Produktion (ich bin im Moment zu faul müde, nachzugucken) wurde auch der Kulturteil aufgelöst (zu dem das von mir verantwortete E-World gehörte, das aber noch ein bisschen weiterexistieren durfte). Und was die vier betroffenen Kolleginnen und Kollegen zum letzten Erscheinen ihres Bundes - nach der offiziellen Kündigung -ablieferten, durfte sich sehen lassen: Eine von vorne bis hinten sorgfältig aufgebaute Sammlung von Artikeln, Aufsätzen und Analysen zum Stichwort “Ende”, war es ein hochwertiges «Extrablatt». Eine trotzig-stilvolle Abschiedsvorstellung.

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