Politische Kommentar-Zensur bei CNN, ABC und MySpace
Der Texaner Ron Paul ist der republikanische Aussenseiter im US-Wahlkampf. Der Kriegsgegner wird von den Medien systematisch totgeschwiegen - und vom Publikum favorisiert.
Er ist gegen eine Rolle der USA als Weltpolizei, er hat gegen den Krieg gestimmt, er sieht die Gründe für 9/11 nicht im Kampf der Kulturen, sondern in der amerikanischen Aussenpolitik, und ob Schwule in der Armee akzeptiert werden müssten, diese Frage stelle sich für ihn gar nicht: Laut Verfassung müssten alle Menschen die gleichen Rechte haben - Punkt. Der Texaner Ron Paul ist der Querschläger unter den republikanischen Präsidentschaftsanwärtern. Die Partei und Fox News bezeichnen ihn als verkappten Demokraten, das Publikum sieht in ihm den Gewinner der 1. und der 2. Debatte der konservativen Anwärter auf die Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2008.
Vor allem aber wird Paul von einigen Massenmedien anscheinend systematisch totgeschwiegen. Nach ABC und Murdochs MySpace hat jetzt auch die TV-Kette CNN Hunderte von Kommentaren für den unbequemen Kongressabgeordneten einfach gelöscht - weil offenbar der Redaktion die Publikums-Abstimmung nicht in den Kram passte.
Nach der jüngsten Debatte der Republikaner vom Dienstag Abend fragte CNN seine Online-Leserschaft, wer als Sieger aus der Elefantenrunde hervorgegangen sei (in der ersten Debatte vom Mai hatte selbst der ultrakonservative Murdoch-Sender Fox News den Aussenseiter Paul zum überlegenen Sieger nach Publikumsstimmen küren müssen). Das Resultat war eindeutig: Ron Paul sei der einzige, der nicht stromlinienförmig einen überholten Parteikurs segle, sondern das Wohl des Landes und der Wähler im Auge habe und auch unbequeme Positionen zu vertreten wage.
Aber nach kurzer Zeit verschwand der Abstimmungsaufruf mitsamt sämtlichen Kommentaren. Pech für CNN, dass ein Leser die Seite rechtzeitig vor der Löschung gespeichert hat und sie hier veröffentlicht.
Offenbar hat Paul recht mit seiner Antwort auf die Frage, warum er glaube, republikanische Wähler vertreten zu können, wo doch seine Partei in allen Kriegsfragen geschlossen gegen seine Position (Rückzug, keine weitere Einmischungen mehr) stehe: «Die Basis der Republikanischen Partei ist in den letzten sechs Jahren kontinuierlich geschrumpft. Mag sein, dass 60 Prozent der Parteimitglieder gegen einen Termin für den Truppenabzug sind. Aber 60 bis 70 Prozent der Amerikaner empfinden inzwischen den ganzen Krieg als Fehler. Ich kandidiere als Präsident für das amerikanische Volk, nicht die Partei.»
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2 Kommentare zu diesem Artikel
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Torsten
Solche Online-Abstimmungen und Foren sind doch eine Brutstätte für bezahlte Manipulationen.
Kann es schlicht sein, dass Ron Pauls Kampagnen-Mitarbeiter etwas übertrieben haben?
Peter Sennhauser
Torsten, das mag sein. Aber erstens würde es mich wundern, wenn die andern mit ihren Strategie-Zentralen alle derart viel schlechter wären. Zweitens hat Paul bisher etwas gar viele Publikums-Abstimmungen gewonnen (wie beispielsweise eben auch die auf Fox News). Und ist es ganz einfach ein Armutszeugnis, zuerst eine Publikumsabstimmung im Web auszuschreiben und dann kommentarlos verschwinden zu lassen: Wenn CNN Manipulation vermutet (Ach herrje. NATèRLICH wird manipuliert, aber doch wohl von allen), dann soll der Sender seine Löschaktion gefälligst transparent kommentieren.