Boliden und Champagnerduschen bald wieder in der Schweiz
Gestern hob der Schweizer Nationalrat das 50 Jahre alte Verbot von Rundstreckenrennen in der Schweiz auf.
Nationalrat Ulrich Giezendanner von der Schweizerischen Volkspartei hatte seine Initiative plakativ “Wiederzulassung von Formel-1-Autorennen” genannt, dann aber in seiner Wortmeldung im Parlament argumentiert, darum gehe es ja heute noch gar nicht. Stimmt, denn dazwischen stehen noch ein paar hundert Millionen, die so eine Rennstrecke kostet, das Ja von Bernie Ecclestone - und vor allem die Genehmigungsverfahren. Wer aus der Nähe mitbekommen hat, welche juristischen Schlachten der Neubau eines Fussballstadions in Zürich (mitten in einem früheren Industriegebiet) verursacht, der kann sich in der kleinräumigen Schweiz beim besten Willen keine Formel-I-Strecke vorstellen. Jeder Kanton, jede Region wird sagen: Kein Problem, nur bitte nicht bei uns.
Ich nehme an, dass den meisten Schweizer Medien dieser Unterschied auch klar ist, aber bei der heutigen Berichterstattung will auf die “Formel I” in der Schlagzeile und auf die Fotos einiger Rennwagen (”Boliden” und “bald” ist auch eine hübsche Alliteration) trotzdem niemand verzichten.
Nur das Gratisblatt «20 Minuten» wählt einen anderen Ansatz und bringt eine vierteilige Fotostrecke auf der Titelseite, wie Ulrich Giezendanner nach der Sitzung des Nationalrats von seinen Parlaments(partei)kollegen mit Champagner abgeduscht wurde. Vermutlich eine sehr spontane Aktion, bei der allerdings zufällig jemand mit einer Hochgeschwindigkeitsdigitalkamera daneben stand.
Als Betrachter kann man bei der Gelegenheit vor allem froh sein, dass Giezendanner das Haarteil, mit dem er bei der Nationalratswahl 1995 noch “ins Rennen ging”, inzwischen abgelegt hat.

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6 Kommentare zu diesem Artikel
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leu
gut beobachtet!
Krusenstern
Warum nur erinnern mich diese erwachsenen Männer an Paris Hilton? Ist es der Champagner oder… ?!?
Zum medienkritischen Punkt der Sache:
Dass “zufällig jemand mit einer Hochgeschwindigkeitsdigitalkamera” dabei ist, wenn solche medienwirksamen Aktionen über die Bühne (sic!) gehen, ist ein gut gepflegtes Ammenmärchen.
Dass die Massenmedien den himmeltraurigen Enscheid von “Volksvertretern” (das “Volk” darf die Defizite einer solchen Formel 1-Rennpiste mit Steuergeldern bezahlen) mit dem Abdruck solcher Bilder noch “veredeln”, ist eine andere Sache. Über beide lohnt es sich zu diskutieren!
bugsierer
boah! grööl! das haarteil ist der hammer. und dass sich unser nationalrat mit solchen sachen befasst, ist auch der hammer. hei mir’s nid schön!?
Peter Hogenkamp
Ihr habt’s am besten von allen, aber das wisst Ihr ja eh.
bugsierer
ich hab gemeint der leu habe es schöner … tststs …
Rowling
Krusenstern, angesichts der tatsächlichen Probleme (z.B. Demografie, Islam) ist so etwas sowieso lächerlich.