Halten wir doch mal fest, was in letzten Ausgabe der Weltwoche (10.05.2007) steht. Lesen wir zuerst Seite 10, “Lektionen für eine neue Zeit“, über die Akquisitionen von Rupert Murdoch, von Ralph Pöner:
Film-, Fernseh- und Zeitungstycoon Rupert Murdoch, 76, ragt unter den grossen Medienmanagern heraus, weil er seit einigen Jahren konsequent die digitale Botschaft predigt: «Glaubt ans Internet, setzt aufs Internet, der Rest ist bald zweitrangig.»
Dann blättern wir auf Seite 25, “Selbsttötung im Verlagswesen“, über die Selbsttötungen der klassischen Zeitungen, in dem es eigentlich um Gratiszeitungen geht, aber eigentlich auch vom Internet die Rede sein könnte, von Kurt W. Zimmermann:
Hermes-Precisa, Olivetti, Remington, Underwood, Triumph-Adler, Olymipa, Erika. Kaum ein ehemaliger Schreibmaschinenproduzent hat es geschafft, sich später auf dem Computer- und Druckermarkt zu etablieren. Alle hielten allzu lange an ihrem Geschäftsmodell fest, so lange, bis es zu spät war. Die einzigen zwei, die den Übergang gut hinbekamen, waren Brother und IBM.
Das hat Parallelen zur Medienindustrie. Es ist faszinierend, im Verlagswesen diese Selbsttötung der klassischen Zeitungen zu beobachten. Denn es ist klar, dass im Gefecht der Gratistitel weder in Stockholm noch in London oder Kopenhagen die Auflagen der Tageszeitungen explodieren. Im Gegenteil, sie sinken rapid. Und es wird in diesem Wettbewerbsumfeld auch für den Blick, den Tages-Anzeiger oder die Berner Zeitung immer heikler werden, dem Schicksal von Hermes-Precisa, Olivetti, Remington, Underwood, Triumph-Adler, Olymipa und Erika zu entgehen.
Alle Industrien durchlaufen Transformationsperioden. Das galt für die Schreibmaschinenproduzenten genauso wie für die Hersteller von Dampflokomotiven, Morsegeräten und Petroleumöfen. Eine abgelaufene Wertschöpfungskette wird durch eine neue Wertschöpfungskette substituiert. Man ist dabei, oder man ist nicht dabei.
Es ist wahr, der Blick, der Tages-Anzeiger und die Berner Zeitung werden von dieser Lage zuerst bedroht sein. Aber denkt die Weltwoche , sie sei weder von gedruckten Gratistiteln noch von einer Konkurrenz aus dem Internet bedroht?
Offenbar, denn obwohl sie oft interessante Trends und Entwicklungen frühzeitig erkennt und darüber schreibt, ist sie dieser Entwicklung gegenüber erstaunlich blind. Der Relaunch der eigenen gedruckten Ausgabe liegt genau 5 Jahre zurück (08.05.2002, hier ungewohnte Schwarzweissbilder dazu). Die aktuelle Website ging erstmals im Juli 2001 online. Sie ist solide, alles funktioniert, inklusive dem Kernstück, der Aufbewahrung der Artikel aus dem Heft. Beiträge, manchmal sogar mit Bildern, können damit gespeichert werden. Im Besonderen zeichnet sie sich aus durch eine verlinkbare und zukunftssichere Permalinkstruktur.
Aber reicht das aus? Verglichen mit der Entstehung der Erde sind ein paar Jahre ja auch keine Zeit - mit der Geschwindigkeit, in der sich das Internet entwickelt, aber schon.
Wir testen mal am Beispiel weltwoche.ch ein paar Funktionen einer Medienwebsite:
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