medienlese - der Wochenrückblick
Die Bild-Zeitung kündigte an, Ende Juni eine “Benedikt-Bibel” auf den Markt zu bringen, scheiterte aber am Samstag mit dem Versuch, das Pfingstfest mit der richtigen Quelle zu erklären. Der Chefredakteur der Zeitung, Kai Diekmann, überlebte einen Brandanschlag, der, wie auf welt.de erst Stunden später bekannt wurde, seinem Auto galt. Besondere Aufmerksamkeit kam dabei drei Kindersitzen und einem Kinderwagen zuteil, die zusammen mit einem Teil des Wagens, der kein Dienst-, sondern ein Privatfahrzeug war, verbrannten. Leute von der Abendzeitung Heute wurden in Piratenkostümen auf die Strasse geschickt. Ihre Kollegen an den Redaktionstischen füllten derweil eine ganze Ausgabe mit der Werbung für einen in den Kinos anlaufenden Film, hier dokumentiert von Peter Hogenkamp (weiter berichteten der Kleinreport und der Presseverein darüber). Harry Nutt schrieb in der Frankfurter Rundschau (fr-online.de): “Unter Journalisten gilt längst Spiegel-Online als Leitmedium. Nicht superduper Netz-Design und Promi-Tratsch machen hier die Einklickquote, sondern uncoole journalistische Kriterien wie Kompetenz und ausdauernde Recherche”.
Suzanne Zahnd schrieb in der WOZ über das Magazin: “Ebendort breiten seit vielen Monaten Mittdreissiger ihre mannigfaltigen Ängste aus. Angst vor Kinderlosigkeit, Angst vor Vaterschaft, vor Frauen über fünfzig, vor Terroranschlägen, Amokläufern und insbesondere Angst, den neusten Trend verschlafen zu haben.” Beim Online-Trend sind Ängste aber unbegründet. Es steht eine flotte Website zur Verfügung, an die man sich unbekümmert heranwagen könnte. Techniker Oliver Reichenstein hat der Redaktion, damit der Einstieg leichter fällt, einige Weblogs zum Vorbild hingestellt.
Peter Turi gab zu, doofe Artikel zu schreiben. Trendforscher und Kommunikationsdesigner Prof. Dr. Norbert Bolz – vom FOCUS zum ?König der Trendforscher? gekürt - antwortete im Handelsblatt auf die Frage “Können Sie den Trends bei Ihren Kindern oder Studenten noch folgen?” so: “Mit meinen Kindern kann ich noch mithalten, weil die recht klein sind, mit meinen Studenten aber schon nicht mehr. Denn man braucht für die neuen Medien sehr viel Zeit, um wirklich zum Insider zu werden.” Till Frommann wurden ausgerechnet an seinem Geburtstag von der Vanity Fair kommentarlos 100 Euro vom Konto abgebucht. Dieser wiederum schnappte der Spiegel Romy Schneider vor der Nase weg. Leser aus Schaffhausen forderten genügend Gratiszeitungen zur richtigen Zeit am richtigen Ort und der Schweizer Medienminister Moritz Leuenberger bloggte ein Kochrezept. Ausserdem schlug er vor, “auf kostenpflichtigen Informationen und Informationsträgern weltweit einen Beitrag zur Überwindung des digitalen Grabens und zur Förderung der informationsgesellschaft zu erheben”. Recherchen der Blick-Redaktion (Verlag: Ringier) ergaben, dass Moderatorin Eva Camenzind in der von Ringier-TV und ricardo.ch produzierten Show keine Unterwäsche trug. Blogger folgten diesem Bekenntnis ohne Umschweife.
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