(J)Ö-Schau - die Medienwoche in Österreich

Von Christian Horvath, 26. Mai 2007 10:24 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

Die Aufputschmittel

“Er unterhält und benebelt und verdummt die Massen”, schrieb Thomas Bernhard einst über den Sport. Was angesichts der jüngsten Entwicklungen nicht nur für die Massen, sondern auch für die Massenmedien zutreffen dürfte.

Eine kurze Retrospektive: Bei Olympia 2006 stellt die italienische Polizei im Österreich-Haus Blutbeutel, Spritzen und diverse Mittelchen sicher, mit denen “in Afrika ein ganzes Krankenhaus hätte arbeiten können”, wie diverse Kreise betonen. Jetzt hat das IOC in einem Bericht an das österreichische olympische Komitee sämtliche Vergehen aufgelistet und die Ösis zur Stellungnahme aufgefordert. Was letztlich darin endete, dass der Ski-Verband ÖSV, in dessen Umfeld die Doping-Materialien gefunden wurden, dem ÖOC eine Million US-Dollar zahlte, um harte Sanktionen seitens des IOC abzuwenden. So weit, so schlecht.

Jetzt gerät ÖSV-Präsident Schröcksnadel ins Visier der Kritiker. Jener Schröcksnadel, der Jahrzehnte ungestört an einem undurchdringlichen Netzwerk heimischer Medien gearbeitet hat, das ihm und den SkifahrerInnen einen ungetrübten Heldenstatus sichern hätte sollen. Da wäre beispielsweise eine Zusammenarbeit mit der Kronen Zeitung, die nicht nur tagtäglich über die Ski-Sportler völlig kritiklos in einem feel-good-szenario berichtet, sondern auch als einer der wichtigsten Sponsoren des ÖSV auftritt.

In der Bedenklichkeit noch ein wenig gesteigert ist jedoch das Naheverhältnis des ORF zum ÖSV. Hier ist Schröcksnadel Geschäftsführer eines lokalen TV-Senders, der mit stationären Kameras die Wettersituationen in diversen Ski-Gebieten erfasst, die der ORF für viel Geld übernimmt, um mit diesen Bildern einen Gutteil seines Vormittags zu überbrücken. Zudem hat der ORF mit dem ÖSV einen Vertrag, der ihm die Exklusivität der Fernseh-Berichterstattung in Österreich für 10 Jahre gesichert hat. Ein Zeitraum, der in keinem Land mit einem halbwegs aufrechten Wettbewerb einer Anfechtung stand halten würde. Angesichts der Quasi-Monopol-Situation für den ORF jedoch ein leichtes, damit keine großen Anfeindungen hervorzurufen. Das einzige Medium, das die Macht hätte, hierbei etwas zu bewegen, ist die Krone, die wiederum…

Jedoch scheint langsam Bewegung in die verfilzte Situation zu kommen. So hat etwa der nordische ÖSV-Direktor, der ehemalige Skispringer Toni Innauer, im Standard betont: “Selbstverständlich war es Doping”. Und auch die Berichterstattung gerät ins Visier. Der ORF etwa sei im Zusammenhang mit den Berichten über die Ski-Fahrer zum Zentralorgan des rot-weiß-roten Chauvinismus geworden. Das letzte Mal, als das Fernsehen seine Macht demonstrierte - im Zusammenhang mit dem Olympia-Ausschluss von Karl Schranz - sah sich die Bundesregierung ob der machtvollen Demonstration gleich zu einer Reform des Rundfunkgesetzes veranlasst. Dass der ORF mit seiner Personalpolitik mit schuld an der Affäre ist, wurde am Küniglberg stets bestritten: dem Sender wird nachgesagt, ÖSV-Trainer Walter Mayer, der nach einer Doping-Affäre in Salt Lake City 2002 bis 2010 von jeder Olympia-Teilnahme ausgeschlossen wurde, eine Presse-Akkreditierung für Turin 2006 verschafft zu haben.

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