Focus-Interview mit Douglas Leone
Die Zeitschrift Focus hat Douglas Leone von Sequoia Capital interviewt. Obwohl der kaum Interviews gibt.
Im aktuellen Focus (Nr. 21 vom 21.05.2007, leider nicht online verfügbar) ist gleich vor dem zurzeit in allen Medien obligaten Artikel über den “Zwitscher-Wahnsinn” Twitter (Grundaussage: So was Dummes, aber irgendwie machen es alle) ein lesenswertes Interview von Uwe Wolff mit Douglas M. Leone, seit 1988 Mitarbeiter von Sequoia Capital, dem Kapitalgeber von einigen ehemaligen Start-Ups und zwischenzeitlich bekannten Internet-Firmen (Google, Yahoo, YouTube, …).
Er erzählt, dass Sequoia pro Woche um die siebenhundert Businesspläne erhält. Von den vierzig, die er davon betreut, widme er fünfunddreissig davon zwischen zwei und fünf Minuten seiner Zeit. Ungefähr drei davon kriegten eine halbe Stunde und ungefähr zwei davon würden zu einem Gespräch eingeladen.
“Wir stecken wieder in einer grossen Blase” antwortet er auf die Frage, in welcher Phase denn die New Economy heute stecke. Diese Blase sei genausogross wie im Katastrophenjahr 1999 - für einen Venture Capitalist furchteinflössende Zeiten.
Zum Unterschied zwischen jetzt und der Dotcom-Blase sagt er:
Während der Dotcom-Blase gab es eine Menge Internet-Unternehmen. Und jetzt? Jetzt gibt es wieder eine Menge Internet-Unternehmen! Während der Dotcom-Blase hatten die VCs kein Problem damit, eine unglaubliche Menge Geld in Internet-Start-ups zu investieren. Heutzutage investieren wir nur noch wenig Geld in Internet-Start-ups, weil es inzwischen klar ist, dass man eine Internet-Firma auch ohne viel Geld hochziehen kann. Wir sind vorsichtiger geworden.
Zum Schluss des Gesprächs spricht er über den Verkauf von YouTube (gegen den er nichts machen konnte, denn die beiden Besitzer wollten seiner Schilderung gemäss unbedingt verkaufen) und den er so richtig bereut:
Wir haben einen sehr grossen Markt dafür gesehen, und wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass die Firma viel zu früh verkauft wurde. Glauben Sie mir, an dem Tag, an dem YouTube verkauft wurde, mussten wir uns zwingen, Champagner zu trinken, und das nur, damit wir vor den anderen nicht wie Spielverderber dastanden. Aber jetzt kann ich es Ihnen ja sagen: Wir waren über den Verkauf extrem unglücklich.
Noch etwas prickelnder macht das Gespräch die von Focus in einen Infokasten gestellte Information über Douglas Leone: “Gibt kaum Interviews”. Na denn. Well done.
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