Ein Aufstand auch bei Flickr

Peter Sennhauser, 18. Mai 2007 12:09 Uhr, 1 Kommentar Kommentare

Kaum eine Woche, nachdem Digg.com die Macht seiner Benutzer zu spüren gekriegt hat, ist die Fotoseite Flickr dran: Benutzer laufen Sturm gegen eine verfehlte Zensur.

Rebekka Gudleifsdóttir ist eine bekannte Fotografin auf Flickr. aber vor einigen Tagen hat der Foto-Online-Dienst, der im Besitz von Yahoo ist, ihre Seite oder zumindest Teile davon gelöscht. “Simply_Rebekka” hatte nämlich darauf Anschuldigungen gegen einen Englischen Fotohändler publiziert, der bis zu sieben ihrer Fotos ab Flickr geklaut, neu geschnitten, kombiniert und gerahmt verkauft haben soll.

Die alleinerziehende Mutter, die auf Island lebt, hat ausgerechnet, dass ihr aus dem Verkauf einige Tausend Euro zustehen und dem Händler, “only dreemin”, Rechnung gestellt -der reagierte jedoch nicht. Also hat Gudleifsdóttir auf ihrer Flickrseite die Geschichte veröffentlicht - die prompt von Flickr gelöscht wurde, mit der Begründung, sie dürfe keine Beschimpfungen oder Beschuldigungen posten.

Heute hat die Story den Sprung aus der Blogosphäre in den Mainstream geschafft. Der Grund dürfte in der Entschuldigung liegen, die Flickr gestern veröffentlichte: “Manchmal machen wir Fehler”, soll Co-Gründer Stewart Butterfield gesagt haben. Es sei wichtig zu betonen, dass Rebekkas Foto und die zahllosen Kommentare zu ihrem Posting nicht aus Furcht vor einem Prozess oder als Zensur gelöscht worden sei, sondern weil “wir eine grundlegende Idee dessen haben, was Flickr sein soll. Diese Prinzipien sind in diesem einen Fall falsch angewandt worden, aber wir halten grundsätzlich an ihnen fest.”

Er sagte laut BBC, der Beitrag sei gelöscht worden, weil er persönliche Informationen des Online-Bilderhändlers und Anleitungen enthalten habe, wie man sich am besten an ihm räche.

Der Canvas-Druck-Handel Only-Dreemin.com habe auf ihre erste Kontaktnahme behauptet, die Fotos für 3000 bitische Pfund von Dritter Hand gekauft zu haben, sagt Gudleifsdóttir, nachdem ihr Anwalt die entsprechenden Dokumente zur Einsicht verlangte, sei von dem Shop nichts mehr zu hören gewesen. Inzwischen sind ausser der Home- und der Kontaktseite von only-dreemin.com alle Seiten offline.

Die ganze Geschichte auf Thomas Hawks’ Blog (englisch) und auf seiner Flickr-Seite (auch englisch, sehenswert.)

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1 Kommentar zu diesem Artikel

  1. Peter Hogenkamp

    schrieb am 23. Mai 2007 um 07:56 Uhr (#)

    Sehr schön. Was ich so mag an Flickr (das ich trotzdem kaum benutze): Die Leute geben sich alle solche Mühe (keine Ironie). Thomas Hawk schreibt sogar Rebekkas Nachnamen auf isländisch mit einem abstrusen Sonderzeichen (”Rebekka Guðleifsdóttira”). Erinnert mich an die liebe Björk Guðmundsdóttir und natürlich an die damals uimwerfend schöne Greta Scacchi in “The Player” als June Gudmundsdottir (IMDB schreibt schlampigerweise ein normales d, ts ts).

    Das alles hat allerdings überhaupt nichts mit Copyrightverletzungen und Zensur zu tun, das gebe ich offen zu.


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