(J)Ö-Schau - die Medienwoche in Österreich
Von Pop-Kultur bis Populismus
Einige der - ohnehin nicht sonderlich erfolgreichen - Biathleten und Langläufer wurden teils lebenslang “aus der olympischen Familie” ausgeschlossen. Während das anderswo zu einer Aufarbeitung des Umgangs mit leistungssteigernden Mitteln führt, fragen sich die heimischen Medien, ob man es mit einer Verschwörung zu tun hat. Und auch sonst liegt hierzulande manches im diffusen Bereich.
Die Presse hat, wie es scheint, den Sinn des Kommentars einfach nicht verstanden. Anders ist es nicht erklärbar, dass die Frage Doping oder nicht nur mit ein paar weiteren Fragen der Unerklärlichkeit zugeführt wird. Dass trotz allem “ein paar Köpfe” gefordert werden, trägt auch nicht eben zur Erhellung des Sachverhalts bei.
Der Trend übt sich indes im Moralisieren und meint, dass die heimische Politik, ganz im Sinne des Bundeskanzlers, unter einer Verlotterung der Sitten leide. Daran seien aber nicht etwa die Politiker schuld, sondern die Medien: “Da Wähler mittlerweile nicht nur Parteien ihre Stimme geben, sondern auch Musikdilettierenden, die zu Popstars gemacht werden sollen, oder beinahe vergessenen Viertelprominenten, die sich in die Arme von Tanzlehrern werfen, ist es für Politiker wichtig, sich wie Election Maniacs zu geben. Das kommt an - glauben sie”. Es kommt an; sonst würden die - frei nach Walter Benjamin - Halbfachleute nicht dauernd von denselben Medien abgefeiert.
Wie es etwa News diese Woche mit der Gesundheits- und Familienministerin praktiziert. Andrea Kdolsky präsentiert in Mittelschulen ihre Kondom-Aufklärung, tanzt die Gräfin Mariza, isst Schweinsbraten, findet Kinder manchmal quälend und steckt sich auch mal eine Zigarette an. Alles nicht sonderlich popularitäts-zuträglich für eine Frau in diesem Amt? Nun, nicht in Österreich.
Den Weg geebnet zur marketing-technisch professionell aufgearbeiteten öffentlichen Darstellung kombiniert mit Semi-Kompetenz hat die letzten sieben Jahre Ex-Finanzminister Grasser. Er darf, ebenfalls in News, seinen neuen Posten erläutern. Doch die Geschichte mit dem Aufsichtsratsvorsitz bei einem Wiener Fonds wird wiederum zu einer Selbstverklärung, wenn Grasser erklärt, dass “Österreich heute in vielem um einiges besser dasteht” als vor seiner Zeit.
Dafür, dass Grassers Weste schon den einen oder anderen Fleck während seiner Amtszeit abbekam, sorgte Florian Klenk, der bald wieder für die Wiener Stadtzeitung Falter und nicht mehr für die Zeit schreiben wird. Womit in Österreich das Regulativ wieder eine Aufwertung erfährt. Deutschland, nicht traurig sein.
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