“Zeitungskrieg mit Dummdummgeschoß”

Christian Horvath, 6. April 2007 10:03 Uhr, 0 Kommentare Kommentare

(J)Ö-Schau - die Medienwoche in Österreich

VON CHRISTIAN HORVATH

Die mediale Kulturrevolution Österreichs hat im vergangenen Oktober stattgefunden: mit dem Eintritt der neuen Tageszeitung “Österreich” kam Bewegung in den Boulevard, der bislang von der “Kronen Zeitung” alleine bearbeitet wurde. Die Kontrahenten gingen sich in den ersten sechs Monaten zwar aus dem Weg, haben jedoch in der vergangenen Woche erstmals ihre Visiere geöffnet. Und heraus kam gleich ein “Zeitungskrieg mit Dummdummgeschoß”, wie es “Der Standard” betitelte.

Ursprünglicher Anlass war die Meldung, dass eine 66-jährige ein Kind zur Welt gebracht hatte. Die wurde in der Printausgabe von “Österreich” mit einigen Bildern hinterlegt, die auch - sehr klein - als Corbis-Agenturbilder gekennzeichnet wurden. Während ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass die Frau ihre Anonymität gewahrt sehen wollte, suggerierte die Bildunterschrift anderes: “Maria M., 66, späte Mutter” stand da. Darüber hinaus waren im Artikel Fotos vom “Haus der 66-jährigen Mutter” angefügt.

Das brachte wiederum den “Krone”-Kolumnisten Michael Jeannée dazu, “Österreich”-Herausgeber Wolfgang Fellner als “vollkommen ungefährlich” zu bezeichnen - “vollkommen ungefährlich” im Sinne von George Bernhard Shaw, der einst meinte, dass nur jene Lügner gefährlich sind, die manchmal die Wahrheit sagen.

Offenbar war der “Krone” der kleine Hinweis auf die Agenturbilder entfallen - denn am nächsten Tag schoss Wolfgang Fellner scharf zurück. Unter dem Titel “Dumm, dümmer, Kronen Zeitung” wies er darauf hin, dass der Boulevard-Platzhirsch “offenbar am Rande eines Nervenzusammenbruchs” stehe: “Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Redaktions-Wau-wau gegen ‘Österreich’ loskläffen muss.” Und Fellner zeigt sich überzeugt, dass an der Berichterstattung seines Teams nichts auszusetzen war: “Korrekter geht´s nicht.”

Das “einst stolze Kleinformat” [Kronezeitung] würde mittlerweile “wie ein Kaninchen aufgeregt vor ‘Österreich’” sitzen. Unerwähnt bleibt dabei der Abstand zwischen Karnickel und vermeintlicher Schlange: Während die “Krone” auf rund 840.000 Käufer verweisen kann, verschenkt Fellner einen großen Teil seiner abgesetzten 162.000 Exemplare.

Die Auseinandersetzung brachte schließlich den “Standard” zur Erkenntnis: “Wer hätte geahnt, dass die Seriosität der Kronen Zeitung so locker zu unterbieten ist?”

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