Wired:
Zieht Euch aus!
Das Trendmagazin rät Firmen zur totalen Transparenz.
So mancher Artikel aus dem Silicon-Valley-Magazin “Wired” hat einen neuen Marketingtrend oder ein Startup-Paradigma geschaffen. Der Titelbeitrag der jüngsten Ausgabe ist nicht völlig revolutionär, aber in seiner Aussage doch etwas radikaler als das, was wir bisher über Corporate Blogs gehört haben. Und das Cover-Bild-System lässt sich sehen:
Umblättern, bitte…
So, damit wäre also auch Wired auf die nackte Frau gekommen. Es handelt sich übrigens um Jenna Fisher von der amerikanischen Version von “The Office”. Ex-HP-Chefin Carly Fiorina wollte wohl nicht…
Jedenfalls beleuchtet Clive Thompson in seinem Eröffnungsbeitrag für die Serie von “Get-Naked!”-Texten eine ganze Reihe von Beispielen, in welchen Firmen mit einer geradezu selbstmörderisch anmutenden Offenheit in Blogs (und vor allem dort) die öffentliche Stimmung zu ihren Gunsten umzubiegen vermochten.
Der Trick ist simpel, und er ist schon von Scoble/Israel in deren eher konfusem Buch über Blogs als “Naked Conversations” benannt worden: Zeig Dich und Deine Firma von der menschlichen Seite, und Du hast die Kunden im Sack.
Thompson lässt den Trend aussehen, als ob es ein gigantischer Paradigmawechsel vom Geschäftsgeheimnis zur völligen Transparenz sei - aber dann schränkt er selber ein: Nicht das Geheimnis ist tot, sondern die Lüge.
Allerdings können auch Auslassungen Lügen sein, lernen wir aus dem Text: Ein CEO, der in seinem Blog Gerüchte über bevorstehende Entlassungen seiner Firma verneint, um einen Monat später die Belegschaft um 20 Prozent zu verkleinern, verliert heute jegliche Glaubwürdigkeit - und zwar auf lange Zeit.
Denn in diesem Zusammenhang redet Thompson von Google in ihrer zunehmend bedeutenden Rolle als “Leumundsarchiv”: Sünden wie diese bleiben darin festgeschrieben bis auf alle Ewigkeit, vor allem, wenn sie in der Blogosphäre für Einträge und Links gesorgt haben.
Die richtige Strategie, um Reputationsprobleme der Firma zu bewältigen, liege deshalb nicht nur in ehrlichen Antworten auf Fragen, sondern in einer transparenten Vorwärtsstrategie: Eigene Probleme im Blog zu benennen und Besserung zu geloben, noch bevor die Blogger überhaupt vom Sachverhalt wissen, schaffe mehr Aufmerksamkeit als jede Inseratekampagne, sagt Thompson.
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(8. April 2007 17:13)
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