Ringier Products - ein Vorschlag



Hallo Ringier-Verlag
Weil Euer ehemaliges Flaggschiff, die Boulevardzeitung Blick, nur noch auf dem Land gelesen wird, wo man arbeiten muss und keine Zeit für Onlinemedien hat, seid ihr doch jetzt schon seit Monaten am rumstudieren, wie das weitergehen soll mit dem Blick und überhaupt. Wie kleinreport.ch weiss,
wirbeln zurzeit verschiedene Arbeitsgruppen durch das Haus und stellen so ziemlich alles auf den Kopf, was auf den Kopf zu stellen ist. Grund: Die Auflage geht kontinuierlich zurück auf Werte, die der höchsten Geheimhaltungsstufe unterliegen.
Mindestens drei Gruppen sind dran, unter anderem eine “nebulöse Taskforce um Frank A. Meyer”. Wenn schon so viele Köche im Brei rühren, dann will ich mich mit Vorschlägen auch nicht zurückhalten:
Szenario 1: Blick & SonntagsBlick
Die konservativste, naheliegendste und vermutlich auch wahrscheinlichste Lösung. Die beiden Redaktionen werden zusammengelegt, einige Leute entlassen, der Onlineauftritt vereinheitlicht. Die Blätter kosten auch weiterhin Geld und Kampagnen können noch leichter übers Wochenende gezogen werden. Die Auflagen der Blätter würden so wohl weiterhin sinken - das Problem nicht gelöst, sondern verschoben.
Szenario 2: Blick & SonntagsBlick & Heute
Heute im gedruckten Blick wird Murat Yakin so zitiert:
Murat Yakin (33), Trainer Concordia Basel, in seiner heutigen Kolumne in der Abendzeitung “heute”: “Ich kann Köbi Kuhn nur gratulieren. Er hat sich mit Vogel den absolut Richtigen herausgepickt. Johann ist keine Integrations-Figur, sondern bloss ein kleiner, bösartiger Intrigant.
Blick meldet also die spannendsten Meldungen von Heute über einen halben Tag im Voraus im eigenen Blatt. Das beweist, dass diese beiden Redaktionen jetzt schon sehr verzahnt sind miteinander. Also würden sie auch in Zukunft gut zusammenarbeiten. Das gemeinsame Konzept ist nämlich gut: Die Blick-Aufreger am Morgen und der freundliche, nach einem harten Tag nicht mehr allzu fordernde Heute-Aufwasch am Nachmittag. Ob die drei Produkte dann unter einem Namen laufen müssen oder nicht, müsste geklärt werden. Auch, warum eine Morgenzeitung Geld kostet und eine Abendzeitung gratis sein soll.
Im Online-Bereich sind die beiden Zeitungen so oder so nur noch schwer auseinanderzuhalten. Bei den jüngsten Readerscan-Experimenten muss offenbar herausgekommen sein, dass Misswahlen und Musicstars die Leser und Leserinnen brennend interessieren. Seit einiger Zeit jedenfalls wird von beiden Online-Ausgaben ausführlichst über jede noch so provinzielle Misswahl und jeder noch so kleine Miniskandal von Musicstars berichtet. Selbst wenn es den Erzfeind Schweizer Fernsehen oder nur die Ostschweiz betrifft.
Szenario 3: Blick & SonntagsBlick & Heute & Cash Daily
Von mir favorisiert, denn in dieser Lösung kommen die meisten Synergien zum tragen: Die guten Kontakte und die journalistische Erfahrung von Blick und SonntagsBlick, die Sprache der Jungen von Heute sowie die Onlineerfahrung und die Wirtschaftskompetenz? von Cash Daily. Gedruckte Ausgaben gibt es bei dieser Lösung zwei, eine am Morgen, eine am Abend, dafür jeden Tag, auch am Sonntag. Inhaltlich schön mehrgeteilt: Einen Hauptbund mit den Tagesthemen, einen Bund mit dem Sport und etwas Beauty und einen Bund mit Wirtschaft inkl. Online & Community. Dazu je nach Bedarf Beilagen. Die Sonntagsausgaben natürlich dicker.
Um die Konkurrenz zu beeindrucken, muss das Verteilkonzept gerade in den ländlichen Gebieten in einem bisher unbekannten Ausmass aufgezogen werden. Wird aber alle Kraft auf ein gutes Produkt mit einer einzigen Online-Anlaufstelle verwendet, dann kann man so TA-Media mit seinen 20 Minuten Konkurrenz machen. Aber vermutlich nur, wenn alles kostenlos ist. Und damit das möglich ist, braucht es wohl ziemlich massive Einschnitte.
Allen Lösungen gemein ist wohl eine massive Verschlankung, denn anders wird es kaum gehen. Wenn sich 2007 erst ein paar Blogger fast nur noch von Online-Medien ernähren, dann heisst das noch lange nicht, dass das in ein paar Jahren auch noch so sein wird. Vielleicht werden in ein paar Jahren Käufer von Tageszeitungen als Dinosaurier angesehen, wer weiss.
Damit es ein Blogeintrag bleibt, will ich gar nicht viel länger über Details nachdenken. Honorarangebote für ausgefeilte Konzepte oder Einladungen in “nebulöse Gruppen” gerne persönlich. ;-)
Was eigentlich hat es zu sagen, dass auf ringier.ch weder Cash Daily noch Heute zu finden sind? Wurde der Verlag von den eigenen Innovationen überrascht?
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1 Kommentar zu diesem Artikel
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(11. März 2007 11:26)
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Dass es massive Einschnitte im Boulevard-Theater geben wird, ist anzunehmen und könnte schmerzhaft werden, obwohl Ringier gute Abgangs-Lösungen und Entschädigungen anbietet.
Herr Walder, Tennispartner vom Chefe, wird wahrscheinlich das oben beschriebene Szenario 2 richten müssen.
Bei der SI vermittelte er zwar nicht das Bild eines Kraftwürfels, hat er doch das Schiff in voller Fahrt von Herr Rothenbühler übernommen.
Und ein Neuer, der noch an keine Seilschaften in der “Unterschicht” gebunden ist, macht sich immer gut als eiserner Besen.
A good day!