Krawallblogger Niklaus Meienberg

Ronnie Grob, 8. Februar 2007 12:02 Uhr, 2 Kommentare Kommentare

Niklaus MeienbergWeil heute nix los ist und es draussen so trübe regnet, lassen wir mal Niklaus Meienberg Blattkritik machen. Zum kurzen Text wissen sollte man, dass Meienberg seit 1976 beim Tages-Anzeiger Schreibverbot hatte. Hätte es damals Blogs gegeben - vermutlich hätte er sie genutzt (und wäre wohl in der Schublade Krawalltexter gelandet).

Er sagte in einer Radiosendung 1981:

In den grossen Zeitungen kommt das Leben nicht mehr zu Wort, das heisst, man darf das Leben nicht mehr spüren und auch nicht mehr gründlich darüber nachdenken, sonst wird es gefährlich, und dann tätscht es. Die Sprache in den Blättern ist total kaputt, und eine gförchige Langeweile schlabbert durch diese Buchstabenplantage. Über die wichtigen Sachen bekommt man keine oder wenig Information, und die Artikel müssen so gemacht sein, dass sie kein Gefühl bewirken und mit den Gefühlen natürlich auch keine neuen Gedanken. Humor, Frechheit, Sarkasmus, Ironie sind sowieso verboten. Die Sprache im Textteil wird immer mehr beherrscht von der Sprache im Inseratenteil, so dass dieser klebrige Einheitsbrei über das ganze Blatt und über alle Blätter schwappt. Wenn zufällig doch noch ein lebendiger Artikel ins Blatt hineinrutscht, wird der Journalist sofort bestraft statt belohnt. Die grossen Journalisten der Vergangenheit könnten heute in der Schweiz kaum mehr irgendwo schreiben, weil sie nicht auf dem Boden der publizistischen Grundhaltung gestanden sind. (…) Die Redaktoren unserer Zeitungen sind meistens nur noch Verwalter der grausamen Ordnung, die sich in ihren Köpfen ausbreitet und die auch in unserer Gesellschaft grassiert. Wenn man brav ist, wird man zeichnender Redaktor, und wenn man ganz brav ist, wird man Chefredaktor mit einem Bombenlohn. Dafür muss man aufs Maul hocken, aber das fällt den meisten nicht schwer, weil ihre Mäuler gar nichts mehr zu sagen haben.

Aus der Biographie “Meienberg” von Marianne Fehr, S. 294/295.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. gebsn

    schrieb am 8. Februar 2007 um 13:31 Uhr (#)

    Meienberg lesen ist erste und vornehmste Bürgerpflicht.

  2. sultan

    schrieb am 10. Februar 2007 um 11:20 Uhr (#)

    ja, da stimme ich GEBSN voll und ganz zu. heute kaum vorstellbar, dass er mal regelmässig für die weltwoche geschrieben hatte!


1 Trackback

  1. medienlese » Blog Archiv » medienlese - der Wochenrückblick
    (26. Februar 2007 14:33)

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